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Schöne Helme für Radfahrer:Warten auf den Plastik-Schick

Schön sind sie nicht, sie ruinieren den Look und die Frisur - doch Fahrradhelme retten Leben. Damit sich mehr Radfahrer für einen Helm entscheiden, wollen Münchner Designer dem Plastik-Deckel ein schickes Aussehen verpassen.

Es gibt über jedes Thema der Welt einen Blog, aber Manifeste sind etwas aus der Mode geraten. Der Däne Mikael Colville-Andersen vereint beide Phänomene unter dem charmanten Stichwort Cycle-Chic. Wenn das nichts für München ist: eine Stadt voller Radfahrer, und für alles Stilvolle ist man hier sowieso zu haben. Wobei es Andersen schon wirklich weit treibt mit dem formvollendeten Auftritt. Sein Foto-Blog handelt nicht einfach von besonders schönen Zweirädern, sondern davon, dass der Mensch auf dem Sattel mindestens so schön auszusehen hat. Daher Punkt 10 des "Cycle Chic-Manifestet": Nie will ich irgendeine Form von Fahrrad-Funktionskleidung tragen oder besitzen.

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Für Münchner Sportradler, die auf geraden Citytrassen täglich ihr Fitnesstraining absolvieren, sind solche Regeln natürlich lachhaft. Aber wer auf einer kultivierten Ausfahrt durch das Museumsviertel unterwegs ist oder in der Maximilianstraße, im Korb gut sichtbar die Tüte einer exklusiven Boutique oder Galerie, hat in punkto Funktionskleidung vor allem ein Problem: den Helm. Da mögen die handgearbeiteten Schuhe aus der Meier'schen Manufaktur am Odeonsplatz stammen oder über Schultern unbezahlbare Täschchen baumeln - die Kopfbedeckung aus zweckmäßigem Plastik macht alles zunichte. Kein Wunder, dass bei Cycle-Chic neue Helmmodelle großen Raum einnehmen. Und in Münchner Designerkreisen ließe sich mit einer eleganten Idee garantiert der Grundstein für ein erfolgreiches Label legen.

Die junge Designerin Marion Thomas zum Beispiel, mit ihrer Marke Kaede auf feminine Kollektionen spezialisiert, steht morgens vor demselben Problem wie andere Modeinteressierte auch: Mit dem Fahrrad in das Atelier an der Görresstraße - und wenn ja, ist währenddessen und danach nicht der Look ruiniert? Ist er, heißt die Antwort, weil eine übergestülpte Hartschale nicht gut aussehen kann zu einem zartrosa Sommerkleid oder hellen Leinenanzug. "Und die Frisur ist jedesmal platt", sagt sie.

Der Look ist ruiniert

Doch es gibt eine modische Entwicklung, von der New York Times vergangenen Sommer unter der listigen Schlagzeile "A head-turning development" zusammengefasst: weg von keilförmigen Rennhauben mit Luftschlitzen zur gefälligeren Kuppelform für entspannte Großstadt-Hipster. Für Männer gern mattschwarz, für Frauen mit verspieltem Aufdruck - nur fragte sich Marion Thomas: "Will ich wirklich einen Blümchenhelm?"

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Ihr Freund ist Industriedesigner, auch ihn haben die Trends der Marken wie Nutcase (Wassermelonen-Muster) oder Sawako Furuno (Reptildruck) nicht überzeugt. Eigene Skizzen führten aber auch nicht weiter, weil am Ende die Sicherheit zählt: "Der Kopf muss umschlossen werden, es hilft nichts", sagt Marion Thomas und erzählt von der Erfindung eines aufblasbaren Helms, der "in der Szene ein großes Thema gewesen" sei. Sie selbst hätte im Sommer gern "etwas Elegantes, Luftiges" auf dem Kopf - und entschließt sich, weil es das noch nicht gibt, oft für ungeschütztes Radeln. "Ohne Helm, ich glaube, da geht gerade der Trend hin", sagt sie. Dass das gefährlich sei, werde in Kauf genommen.

Dass bei den Helmen neuerdings "stark auf die Optik geschaut wird", bestätigt Jennifer Berger, die in dem Laden "Isarcruiser" arbeitet. "Bis zur Farbe muss alles genau passen", erzählt sie über ihre Kunden. Berger verkauft Fahrräder in Pastelltönen, die mehr nach Strandnachmittag aussehen als nach Asphaltrennen. Dazu gehört ein lässiger Look, damit alles aus einem Guss erscheint. Man lese dazu Punkt 4 im Cycle-Chic-Manifest: "Ich werde stets mit Anmut, Eleganz und Würde fahren."