Schall & Rauch Starke Drinks im Wohnzimmer

Ideale Lieblingskneipe: Das Schall und Rauch in der Schellingstraße.

(Foto: Elisabeth Schmidt)

Man kennt die Gäste mit Namen und bekommt die besten Drinks: Warum das Schall & Rauch die ideale Stammkneipe ist.

Von Beate Wild

Was gibt es schöneres als eine Bar, von der man sagen kann, sie sei wie das zweite Wohnzimmer. Will heißen, man fühlt sich dort wirklich wie zu Hause. So etwas gibt es sicher nicht oft, da muss schon vieles stimmen. Meine Münchner Stammkneipe ist das Schall & Rauch. Die Bar in der Maxvorstadt gibt es seit zehn Jahren, genauso lange bin auch ich dort schon Gast.

Wann wird eine Bar zur Stammkneipe? Man kennt dort selbstverständlich alle Barkeeper und Kellner respektive Kellnerinnen des Ladens und hat mit den meisten schon so manches Feierabendbierchen getrunken. Mehr als die Hälfte des gesamten Freundeskreises verkehrt dort regelmäßig und selbst ist man schätzungsweise mindestens zweimal die Woche dort. Warum? Weil man sich nicht einmal verabreden muss, wenn man Freunde treffen will. Irgendjemand, den man kennt, ist immer da.

Schall & Rauch

Stark aber lässig

Genauso wie mir geht es einem festen Kundenkreis der kleinen Bar. Es sind hauptsächlich Studenten oder ehemalige Studenten, die dort regelmäßig verkehren. Letztere sind schon zu Uni-Zeiten dort gewesen und sie kommen heute immer noch regelmäßig. Deshalb kennt man sich wie in einer großen Familie. "Wie war dein Tag heute?", wird man begrüßt, und erzählt vom Job, vom Schnäppchenkauf oder von seiner neue Liebe.

Am Wochenende ist das "Schall" auch ein guter Ausgangspunkt, um später weiterzuziehen. Man trifft sich, plaudert ein bisschen und geht später noch tanzen. Viele der Freundschaften, die dort bei einem Glas Wein geknüpft wurden, spielen sich mittlerweile auch außerhalb der Kneipe ab. Man trifft sich schon mal zum Flohmarkt, zum Beach-Volleyball oder zum Baden am See.

Die stärksten Drinks der Stadt

Selbstverständlich kommen regelmäßig neue Gäste dazu, das bringt frischen Wind in den Laden. Dafür verschwinden manche andere auch wieder aus dem Gesichtsfeld der Kneipe. Keiner weiß so recht, was sie jetzt machen.

Genauso ist es beim Personal: Heute längst in festen Jobs, arbeiten viele einmal die Woche an der Bar oder im Service - aus Nostalgie, weil es Spaß macht und weil man die paar Euro mehr auch gut brauchen kann. Im Schall & Rauch stehen Ärzte, Marketingberater und sogar eine promovierte Politikwissenschaftlerin hinterm Tresen. Wahrscheinlich sind sie alle der Grund, warum die Gäste immer noch so gerne kommen. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier.

Wichtig bei einer Stammkneipe ist: Es gibt gute Drinks. Das Schall & Rauch ist stadtbekannt für die extrem gut eingeschenkten Drinks. Die Menge Alkohol, die in anderen Bars auf drei Longdrinks verteilt ist, steckt im "Schall" in einem einzigen.

Auch die Speisekarte kann sich sehen lassen. Die beiden indischen Köche zaubern täglich Spezialitäten aus ihrem Land, wie Chicken Vindaloo oder Lamm Polak. Aber auch Salate, Wraps und italienische Pasta kann man getrost bestellen.

"Wir gingen hin, um uns finden zu lassen"

Am schönsten ist es im Schall & Rauch, wenn im Sommer die Fensterfront zur Straße hin offen ist und dort die Gäste im Fensterrahmen fläzen und den ganzen Gehsteig bevölkern. An diesen Abenden ist München in der Schellingstraße so südländisch wie kaum sonst wo in der Stadt. Leider müssen ab 23 Uhr alle unverzüglich die Terrasse räumen. Drinnen wird dann weitergefeiert, am Wochenende bis um drei Uhr.

Im Grunde ist das Schall & Rauch eine ganz normale Kneipe im Studentenviertel. Doch die Leute, die dort arbeiten, und die Leute, die dort verkehren, machen sie zu etwas Besonderem. Bei einer Diskussion mit ein paar anderen Stammgästen, sagte neulich einer zu mir, man brauche sich doch nur den Prolog in "Tender Bar", dem 2007 erschienen Erfolgsroman des amerikanischen Autors J. R. Moehringer durchlesen. Besser könnte man nicht ausdrücken, was es mit dem Schall & Rauch auf sich hätte.

Dort steht: "Wir gingen hin, weil wir dort alles bekamen. Wir gingen hin, wenn wir Durst hatten, versteht sich, wenn wir hungrig waren oder hundemüde. Wenn wir glücklich waren, gingen wir hin, um zu feiern, wenn wir traurig waren, um Trübsal zu blasen. Nach Hochzeiten und Begräbnissen gingen wir hin, um unsere Nerven zu beruhigen, und vorher, um uns schnell Mut anzutrinken. Wir gingen hin, wenn wir nicht wussten, was wir brauchten, in der Hoffnung, jemand könnte es uns sagen. Wir gingen hin, wenn wir Liebe suchten oder Sex oder Ärger oder wenn jemand verschwunden war, denn früher oder später tauchte dort jeder auf. Vor allem aber gingen wir hin, um uns finden zu lassen."