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Ratzingerplatz:Die Hoffnung stirbt zuletzt

Ratzingerplatz in München, 2015

Schön ist anders: Der Ratzingerplatz ist nicht sonderlich einladend.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Seit Jahrzehnten wartet man in Obersendling auf die Neugestaltung des Ratzingerplatzes und seines Umfeldes. Nun könnte der rapide Bevölkerungszuwachs im Münchner Südwesten den lange überfälligen Umbau beschleunigen

Von Jürgen Wolfram, Obersendling

Skepsis, nichts als Skepsis: Ob aus dem Umbau des Ratzingerplatzes und seines Umfeldes noch jemals etwas wird, daran haben manche Obersendlinger erhebliche Zweifel. Dies wurde beim "SZ-Lesercafé" in Aumüllers Brotfabrik überdeutlich. "Wir warten doch schon seit 30 Jahren vergeblich darauf, dass was vorangeht", sagt Hannelore Lehre aus der Georg-Hager-Straße. Doch die Stadt kommt gar nicht umhin, in absehbarer Zeit wenigstens Teile der umfassenden Planung zur Neugestaltung der unwirtlichen Gegend umzusetzen. Denn das rapide Bevölkerungswachstum im Münchner Südwesten erzwingt zumindest den raschen Bau neuer Schulen. So sollen, möglichst bis 2021, an der Gmunder Straße ein Gymnasium sowie an der Boschetsrieder Straße eine Grundschule errichtet werden. Für beide Projekte wird es spätestens dann höchste Zeit, wenn mehrere tausend Menschen die Neubaugebiete Campus Süd/Hofmann-Höfe sowie "Am Südpark" auf dem ehemaligen Eon-Gelände an der Drygalski-Allee beziehen.

Doch der Masterplan Ratzingerplatz, unterteilt in Quadranten, weist über den Neubau herkömmlicher Schulen weit hinaus. Als weiterer, großer Brocken steht die Erweiterung der Feuerwehr- und Rettungsdienstschule bei der Feuerwache 2 an der Aidenbach-/Ecke Boschetsrieder Straße auf der Prioritätenliste. Diesem umfänglichen Vorhaben soll sogar die Niederlassung der Stadtsparkasse weichen. Weitere Eckpunkte: der Abbruch und die Erneuerung des Parkdecks an der U-Bahnstation Aidenbachstraße in wesentlich größerem Format sowie die weit reichende Umgestaltung des Ratzingerplatzes selbst. Durch einen neuen Zuschnitt der Fahrbahnen der Boschetsrieder Straße soll Raum für eine Promenade mit Läden, eventuell auch Wohnungen gewonnen werden. Das ehemalige Trambahn-Wartehäuschen und die Brachfläche sollen gänzlich verschwinden. Wegen der Grundsatzentscheidung für die Tram-Westtangente - sie würde, vom Romanplatz kommend, zunächst am Ratzingerplatz enden - sind noch Detailüberlegungen erforderlich. Am "Ratz" hielt bis zum Bau der U-Bahnlinie 3 die Tram der Linie 8; es könnte zu einer Wiederbelebung des Platzes als Knotenpunkt des öffentlichen Personennahverkehrs kommen, vor allem im Zusammenspiel mit dem U-Bahnhof und Busbahnhof Aidenbachstraße.

Ein Element der Neuplanungen rund um den Ratzingerplatz ist auch die Zeppelinhalle, ein imposanter Industriebau, der gegenwärtig die städtische Berufsschule für Farbe und Gestaltung beherbergt. Die Halle soll sich einmal in einen zentralen Quartiersplatz mit Gastronomie, Bildungseinrichtungen und anderen kommunikativen Treffpunkten verwandeln. Zugunsten eines großen Wurfs müsste jedoch der städtische Betriebshof verlegt werden, momentan ist dafür jedoch kein Ausweichstandort in Sicht.

Bis dieses Kapitel der Aufwertung der Obersendlinger Mitte geschrieben ist, könnte also noch viel Wasser die Isar hinabfließen. Wesentlich schneller dürfte es zur Bebauung des ehemaligen Siemens-Parkplatzes an der Gmunder Straße kommen. Denn eine neue Siedlung am Rande des eigentlichen Planareals Ratzingerplatz wird allgemein als ein Element der Aufwertung betrachtet.

Was für die Annahme spricht, dass die Obersendlinger nicht noch mal Jahrzehnte auf die Umgestaltung des Ratzingerplatzes warten müssen: Die meisten Grundstücke des mehr als 13 Hektar großen Plangebietes sind bereits in Stadtbesitz. Dieser Umstand beflügelt nicht zuletzt die Hoffnung der Lokalpolitiker, es könnte bald etwas voran gehen. Dabei hatten manche den Glauben an die städtebauliche Runderneuerung des Viertels schon fast verloren.

© SZ vom 07.06.2017
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