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Prozess wegen Ehrenmord:DNS-Spur ist starkes Beweisstück

In der DNS-Spur hat die Staatsanwaltschaft ein starkes Beweisstück, vor allem, weil Osman in einer Vernehmung behauptet hat, er habe Cavus vor dessen Tod ein halbes Jahr nicht gesehen - eine Behauptung, die durch die Spur widerlegt ist. Zudem wird Senol Ü.s geschiedene Frau im Prozess eine wichtige Rolle spielen; ihr soll er die Tat gestanden haben.

Dennoch - es bleibt ein Indizienprozess. Deshalb tun die Angeklagten das, was kluge Anwälte ihren Mandanten in solchen Fällen immer raten: Sie schweigen und sagen zur Sache kein Wort. So bleibt dem Gericht am ersten Verhandlungstag nicht sehr viel mehr, als die Lebensläufe der Brüder abzufragen, was sich als sehr mühsam herausstellt: Denn Osman und Senol beherrschen auch nach Jahrzehnten die deutsche Sprache noch nicht so gut, dass sie sich ohne Dolmetscher verständigen könnten.

In den siebziger Jahren kamen sie nach Deutschland, arbeiteten mal hier, mal da, erlebten persönliche Höhepunkte und persönliche Dramen. Nichts Besonderes also, wenn man davon absieht, dass sie sich von ihrem Dorf in der Türkei wohl nie so richtig lösten, immer wieder dorthin zurückkehrten und wohl auch die Wertvorstellungen der Dorfgemeinschaft weiter in sich trugen.

60, 53 und 51 Jahre alt sind die Gebrüder Ü. Wenn sie nach vorerst zehn angesetzten Verhandlungstagen verurteilt werden, droht ihnen lebenslange Haft. Zumindest Osman weiß, wie es im Gefängnis zugeht: Er sitzt gerade zweieinhalb Jahre ab, wegen Zuhälterei.