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Projekt für Kinder:Eroberung des Alltags

Die Aktion "Tanz. Die. Invasion" animiert spielerisch zur Kunst

Von Eric Hartmann

Schriftzüge aus bunter Kreide zieren die Thomas-Dehler-Straße in Neuperlach. Aus zwei Anlagen wird der Platz beschallt, in markierten Bereichen bewegen sich Menschen rhythmisch zur Musik. Wo man sonst einkauft, zur U-Bahn hetzt oder essen geht, wird jetzt getanzt. Die Passanten schlängeln sich um die abgetrennten Tanzflächen, bleiben stehen und schauen den Tänzern zu, manch ein Kind lässt sich mitreißen und meldet sich am Infopoint an, um auch mitzumachen.

Die Aktion "Tanz. Die. Invasion" ist neu im Programm des Vereins "Spielen in der Stadt", vergangene Woche wurde sie erstmals durchgeführt. Zusammen mit Kindern, Jugendlichen und auch interessierten Erwachsenen werden an mehreren Stationen Choreografien erarbeitet. Dazwischen gibt es eine Art Parkour, der zu kreativen Bewegungsformen einlädt. Während die anderen mobilen Veranstaltungen des Vereins meist in Parkanlagen stattfinden und Kinder und Jugendliche abholen, wenn diese ohnehin spielen wollen, ist die getanzte Invasion immer auf öffentlichen Plätzen. Es sei eine besondere Herausforderung, Menschen zum Tanzen zu bringen, die ihrem Alltag nachgehen, sagt Alexander Wenzlik, Vorstand des Vereins. Diese Herausforderung nehme man aber gerne an, denn es gehe gerade darum, in öffentliche Räume einzudringen, sie zu gestalten und Kindern zu ermöglichen, in der Stadt als künstlerische Akteure aufzutreten. Wegen Corona bedarf es einer stärkeren Trennung zwischen Teilnehmern und Passanten als ursprünglich vorgesehen, auch die Teilnehmerzahl ist begrenzt. Trotzdem kann das Projekt die Aufmerksamkeit der Menschen auf sich ziehen, der städtische Raum wird erfolgreich zurückerobert.

Neben dem Tanzprojekt "Tanz. Die. Invasion" gibt es im neuen Programm unter dem Motto "Eroberung" noch das Theater "Zirkus Pumpernudl" sowie das Kunstprojekt "Artmobil". Noch bis Ende Oktober können Kinder und Jugendliche kostenlos und ohne Anmeldung bei den mobilen Aktionen, die grundsätzlich im öffentlichen Raum stattfinden, mitmachen. So sollen Menschen wieder miteinander in Kontakt gelangen, die Stadt wird eingenommen, indem sich die Teilnehmer in ihr breitmachen und auch das eine oder andere Kunstwerk zurücklassen.

"Wir bemerken eine zunehmende Vereinzelung in der Gesellschaft, dem wollen wir gerne entgegenwirken. Und das geht natürlich am besten, wenn man bei den Kindern anfängt", sagt "Artmobil"-Mitarbeiterin Nelly Stein. Von den Corona-Beschränkungen seien besonders Kinder und Jugendliche betroffen, sowohl durch die Schließung von Kitas und Schulen als auch durch den Wegfall kultureller und spielerischer Angebote. Daher freue sie sich, dass die mobilen Angebote endlich wieder stattfinden können. Auch im nächsten Jahr wird das Programm wieder umgesetzt und im Sommer 2021 durch das Tanz- und Theaterfestival Rampenlichter abgeschlossen. Dann wollen die Initiatoren ein neues Konzept mit neuem Motto erarbeiten. Bis dahin aber bleibt noch genug Zeit, jetzt bei der Eroberung der Stadt mitzumachen

Genaues Programm unter www.spielen-in-der-stadt.de/pop-ups

© SZ vom 07.07.2020

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