Probleme bei der Münchner S-Bahn:Wenig Züge, viel Ärger

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Die Münchner S-Bahn hat ein Problem: Ihr Fuhrpark ist überaltert und störanfällig - immer wieder kommt es zu Verspätungen und Zugausfällen, weil es zu wenige Züge gibt. Das Problem: Es ist gar nicht so einfach, Ersatz zu beschaffen.

Melanie Staudinger

Streckensperrungen, Verspätungen und Zugausfälle - Münchens Pendler mussten in den vergangenen Tagen im Berufsverkehr wieder viel Geduld aufbringen. Die angespannte Situation im S-Bahn-Netz wird sich so schnell nicht entschärfen. Das System ist an seiner Kapazitätsgrenze angelangt.

S-Bahn Züge in München, 2008,

Der Fuhrpark der Münchner S-Bahn ist extrem störungsanfällig.

(Foto: Stephan Rumpf)

Es fehle an Zügen, sagte ein Sprecher der DB Regio AG auf Nachfrage. Ersatz sei schwer zu finden, weil das benötigte Modell nicht mehr hergestellt werde. Die DB Regio will nun ausrangierte Züge von anderen Anbietern kaufen, um die Ausfälle zu kompensieren. Täglich nutzen an die 800.000 Menschen die S-Bahn, deren System vor 40 Jahren auf 420.000 Fahrgäste ausgerichtet worden war.

Der S-Bahn-Haltepunkt Berg am Laim musste am Dienstag gesperrt werden, weil ein giftiges Lösungsmittel ausgelaufen war. Am Nachmittag fielen dann zahlreiche Bahnen auf den Linien 2, 3 und 8 aus. In einer Pressemitteilung nannte die DB Regio einen "sehr hohen Schadwagenstand" als Grund.

"Da ist jetzt Einiges zusammengekommen", erklärte der Bahnsprecher. Bis Ende 2012 müssten in einigen Zügen routinemäßig 1064 Achsen ausgewechselt werden. Das geschehe in einer Nürnberger Werkstatt. Andere Fahrzeuge würden nach Leipzig oder Aachen gebracht, weil der Hersteller dort die schadhaften Böden austausche. Zudem habe die DB Regio angefangen, ihre Wagen mit Videokameras auszustatten. "All diese Fahrzeuge fehlen uns im Betrieb", sagte der Sprecher.

Die DB Regio unterhält im Münchner S-Bahn-Netz 238 Züge, von denen pro Tag 214 eingesetzt sind. 24 Wagen sind als Reserve eingeplant. "Wenn es aber zu Störungen wie in Berg am Laim kommt, brauchen wir alle Fahrzeuge, weil wir die Wagenumläufe ändern müssen", erklärte der Sprecher. Erschwerend sei hinzugekommen, dass weitere Züge wegen kleinerer Öl- oder Getriebeschäden in die Werkstatt mussten. Deshalb musste der Zehn-Minuten-Takt auf den Linien 2,3 und 8 ausfallen.

Wenn wir zwölf Fahrzeuge mehr hätten, wären wir auf der sicheren Seite", sagte der DB-Sprecher. Doch die seien nicht einfach zu bekommen. Der jetzt eingesetzte Zugtyp ET 423 werde nicht mehr hergestellt, das Vorgängermodell sei nicht kompatibel und der Nachfolger noch nicht zugelassen.

Die DB Regio will sich Fahrzeuge von anderen Anbietern, vom Rhein-Ruhr-Verbund oder aus Frankfurt, besorgen. Die Gespräche liefen. Neue Züge sollen nicht gekauft werden. 2017 werden die S-Bahn-Linien in München ausgeschrieben. "Wenn ein anderer Anbieter den Zuschlag erhielte, hätten unsere neuen Fahrzeuge nur eine kurze Laufzeit", sagte der Sprecher.

Andreas Nagel von der Aktion Münchner Fahrgäste hat dafür kein Verständnis. "Vielleicht sollte man sich mehr Gedanken über die Fahrzeugbeschaffung anstatt über Großprojekte machen", sagte er. Dem Fahrgast sei es egal, in was für einem Waggon er sitze, solange er Platz habe und die Bahn pünktlich sei.

Für die Pendler hat der Bahn-Sprecher zumindest eine gute Nachricht: In diesem Herbst müssen die S-Bahnen nicht mehr wegen des nassen Wetters langsamer fahren. Alle Fahrzeuge seien mit Besandungsanlagen ausgerüstet worden, die einen längeren Bremsweg verhinderten. Der Fahrplan werde nicht geändert, der Zehn-Minuten-Takt bleibe erhalten.

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