Posse um Tiefgaragenpläne:Fröhliches Wurzelschlagen

Tiefgarage Thomas-Wimmer-Ring

Zugewuchert: Auf der Original-Simulation fehlen nach Ansicht der Naturschützer die Baumwurzeln - nun sind sie hinzugefügt.

(Foto: Wöhr + Bauer/Bearbeitung BN)

Der Bund Naturschutz macht sich über Tiefgaragen-Simulation lustig - der Bauherr schlägt mit Ironie zurück

Von Stefan Mühleisen, Altstadt/Lehel

Bei Naturschützern und Umweltpolitikern sind Tiefgaragen nicht sonderlich beliebt, sie gelten als eine Art Versiegelung light: Zubetoniert wird zwar nur der Untergrund; doch oben drauf bleibt für Begrünung oft nur eine Schmalspur-Lösung. Stattliche Bäume könnten nicht gepflanzt werden, wird oft geklagt - denn für deren Wurzeln sei kein Platz in der kümmerlichen Erdschicht über der Betondecke.

Die Kreisgruppe München des Bundes Naturschutz (BN) ist selten zu Witzen aufgelegt, wenn es um solche Sachen geht. Doch nun hat sich der Verband einen ironischen Kommentar für ein großes Bauprojekt in der Innenstadt nicht verkneifen können. "Das Wunder von München - Bäume ohne Wurzeln", betitelt der BN eine Mitteilung zum Neubau der Tiefgarage am Thomas-Wimmer-Ring, beigelegt ist die modifizierte Computersimulation des Bauherrn Wöhr + Bauer. In der Urversion sieht die so aus: Unten schlendern auf drei Etagen knapp zwei Dutzend Autobesitzer um geparkte Wagen herum, oben drüber, am Thomas Wimmer-Ring, erheben sich mächtige Bäume, in deren Schatten sich die Passanten ausruhen. Bisher, konstatiert BN-Vizegeschäftsführer Martin Hänsel, hätten oberhalb von Tiefgaragen wegen des fehlenden Wurzelraums keine Großbäume gepflanzt werden können. Die "eindrucksvolle Visualisierung" sei nun wegweisend und spektakulär: "Stadtplaner und Bauherr planen einfach wurzellose Großbäume ein." Man hätte es begrüßt, wenn man mit dieser "großartigen Idee" frühzeitig an die Öffentlichkeit gegangen wäre. Deutlich wird freilich, dass der BN das für Quatsch hält. Der Verband hat die seiner Ansicht nach fehlenden Wurzeln seinerseits mächtig in die Simulation eingezeichnet: Sie ranken sich zwei Stockwerke in die Tiefe.

Der Bauherr reagierte umgehend - und zwar seinerseits mit Ironie. Leider, so heißt es in einer Mitteilung, entspreche die vom BN "verbreitete Erfolgsmeldung über die Erfindung eines wurzellosen Baumens" nicht der Wahrheit. "Das Lob trifft nicht zu." Vielmehr habe man Bäume des Typs "Herzwurzler" ausgewählt, die trotz geringer Wurzeltiefe eine große Höhe erreichen könnten. Dazu muss man wissen: Gehölze dieser Gattung bilden ein herzförmiges Wurzelsystem, weder besonders weit nach unten wie Tiefwurzler, noch derart in die Breite und dicht unter der Oberfläche wie Flachwurzler. Über der Garage soll laut Bauherr Erdreich mit einer Dicke von 1,5 Metern entstehen. Wöhr + Bauer ist sicher: Genug Boden für Großbäume, konkret für Spitzahorn und Winterlinde, wie sie derzeit schon auf dem Baufeld wüchsen.

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