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Pläne für Marienplatz:Einzelhandel befürwortet Verkehrssperre

Fahrradkampagne 'Radlhauptstadt München', 2010

Künftig soll der Platz nur noch den Fußgängern gehören.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Busse und Taxis, Radler und Rikschas sollen draußen bleiben. Im Gegensatz zu Fahrgastverbänden begrüßen die Einzelhändler am Marienplatz die neuen Verkehrspläne. Sie wünschen sich den neuen Platz auch als Ort für Künstler und Kreative.

Von Christian Krügel

"Ich frage mich, warum die Stadt das nicht schon längst angegangen ist." Für Georg Randlkofer, Seniorchef des Hauses Dallmayr, ist die Sache klar: Den Verkehr vom Marienplatz komplett zu verbannen, sei genau die richtige Entscheidung, um die Altstadt attraktiver zu machen.

CSU und SPD, die beiden Großkoalitionäre im Rathaus, hatten am Dienstag ihre Pläne öffentlich gemacht, die einzige Verkehrsspur über Münchens zentralsten Platz zu schließen und damit auch Busse, Taxis, Radler und Rikschas auszusperren.

Mehr Sicherheit für die Fußgänger

Ein überfälliger Schritt, findet auch Christian Greiner, einer der Geschäftsführer von Ludwig Beck. "Allein ich werde schon mindestens zwei Mal am Tag von Radlern oder Taxlern überfahren. Es ist ein Wunder, dass bei diesem Gedränge nicht längst schon etwas passiert ist", sagt er. Natürlich büße sein Haus am Rathauseck den Standortvorteil ein, direkt vor der Tür einen Taxistandplatz zu haben. "Aber zum Tal ist es nicht weit, und unterm Strich gewinnen wir alle, wenn die Altstadt dort attraktiver wird", sagt Greiner.

Das sieht auch Nachbar Georg Randlkofer so, der vermutlich noch nicht einmal auf den Taxistand vor seinem Stammhaus in der Dienerstraße verzichten muss: Dort könnte nach den Plänen von CSU und SPD ein Wendehammer für den Kfz-Verkehr entstehen, der jetzige Standplatz bliebe erhalten.

Marienplatz soll kreativer Ort werden

Trotzdem fordern der Dallmayr- und der Ludwig-Beck-Chef noch mehr Ideen für die Altstadt. "Wir müssen endlich eine Verkehrsplanung für die Altstadt aus einer Hand machen", sagt Randlkofer. Ein verkehrsfreier Marienplatz dürfe nur der Anfang sein, ein dauerhaftes Konzept für die Sendlinger Straße, womöglich auch fürs Tal müssten folgen.

Und Christian Greiner fordert auch mehr Kreativität bei der Nutzung des Marienplatzes. Natürlich müssten dort Demonstrationen und Meisterfeiern stattfinden können; aus dem Platz könne man aber viel mehr machen, etwa mit hochwertigen Kulturveranstaltungen oder kreativen Festivals. "Da müssen wir gemeinsam mehr Ideen entwickeln, um das Herz der Stadt schöner zu machen", sagt Greiner.

Fahrgastverband kritisiert die Pläne

So sehr die Einzelhändler von den Verkehrsplänen begeistert sind, so groß ist der Unmut beim Fahrgastverband Pro Bahn. Vor allem die Verlegung des Busverkehrs stößt auf Kritik. "Der Marienplatz ist zentraler Umsteigeknoten zur U- und S-Bahn, mit einer Endstation woanders sind die Bürger zu langen Umsteigewegen gezwungen", sagt Andreas Barth, Münchner Sprecher von Pro Bahn.

Durch Verlagerung aller Verkehre in Richtung Viktualienmarkt seien dort neue Konflikte programmiert. Es reiche für eine Reduzierung der Feinstaubemissionen nicht aus, lautstark den Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel zu fordern, aber bestehende Angebote unnötig zu verschlechtern, so Barth.

© SZ vom 04.12.2014/tau

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