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Pinakothek der Moderne:Die Architektur des Konsums

Horton Plaza im amerikanischen San Diego wurde von Jon Jerde geplant und entstand in den Jahren 1982 bis 1985.

(Foto: The Jerde Partnership)

Mit "World of Malls" stellt das Architekturmuseum in der Pinakothek der Moderne 23 internationale Einkaufszentren vor.

Hier gibt es alles, was man braucht, und noch viel mehr, was man nicht braucht, aber plötzlich meint haben zu müssen. Als die ersten Einkaufszentren in Deutschland nach Vorbild amerikanischer Shoppingmalls aufkamen, galten sie vielen als das Einkaufsmodell der Zukunft. Vorbei die Zeit, als man sich von Laden zu Laden quer durch die Stadt arbeiten musste. Ob auf der grünen Wiese oder im Stadtzentrum, plötzlich existierte ein vielfältiges Warenangebot unter einem Dach, das man auch bei Regen trockenen Fußes erreichen konnte.

Die neue urbane Erlebniswelt steigerte die Lust am Konsum. Historisch gesehen war es eine Rückkehr zu den Wurzeln. Denn in den USA wurden die ersten Malls an den Ausfallstraßen der Vorstädte gebaut, um dem Vorbild europäischer Stadtzentren entsprechend ein innerstädtisches Ambiente zu schaffen. Das Southdale Center bei Minneapolis war 1956 das weltweit erste, in nur einem Gebäude untergebrachte Einkaufszentrum. Geplant hatte es der aus Österreich stammende Architekt Victor Gruen, der als Vordenker komplexer Einkaufswelten gilt.

In Deutschland wurde das erste Einkaufszentrum 1964 eröffnet: das Main-Taunus-Zentrum nahe Frankfurt am Main. Architektur, aber auch Funktionseinheiten und Qualität der Shoppingmalls haben sich im Laufe der Jahrzehnte verändert. Wo einst ein paar Bänke, Würstchenbuden und Erfrischungsautomaten die Bedürfnisse der Käufer nach einer Entspannungspause befriedigen mussten, lassen heute Champagnerbar und Gourmetrestaurant die Konsumenten länger verweilen, Dienstleister und Arztpraxen locken weitere Käufer an.

Über die Auswirkungen auf Einzelhandel, Stadtentwicklung und die Gesellschaft wurde viel diskutiert. Nun will das Architekturmuseum in der Pinakothek der Moderne mit der Ausstellung "World of Malls" erstmals die Architektur der Shoppingmall genauer unter die Lupe nehmen. Am Beispiel von 23 internationalen Projekten sollen Entwicklungen und Zukunftsperspektiven der Architektur des Konsums untersucht werden. Von frühen Projekten wie dem Southdale oder dem El Helicoide in Venezuela über die Schoss-Arkaden in Braunschweig bis hin zum Zorlu Center in Istanbul.

World of Malls. Architekturen des Konsums, Architekturmuseum der TU München in der Pinakothek der Moderne, bis 16. Oktober, Barer Str. 40, Di.-So., 10-18 Uhr, Do. bis 20 Uhr, t 23 80 53 60

© SZ Extra vom 14.07.2016/infu
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