Personelle Neuerungen Zwei neue Geschäftsführer für die Stadtwerke

Zu den Stadtwerken gehört auch die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG), die die U-Bahnen betreibt.

(Foto: Catherina Hess)

Ingo Wortmann aus Ulm wird Stadtwerke-Vorstand und Chef der MVG. In der Kraftwerkssparte wird auf einen Mann aus dem eigenen Haus vertraut.

Von Heiner Effern und Dominik Hutter

Der Aufsichtsrat der Münchner Stadtwerke hat zwei neue Geschäftsführer berufen. Ingo Wortmann, bislang der Boss im Stadtverkehr Ulm und Neu-Ulm, rückt im Herbst für den langjährigen Nahverkehrs-Chef Herbert König nach. König, der als Präsident des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) in Fachkreisen bundesweit Bekanntheit genießt, verabschiedet sich am 31. Oktober in den Ruhestand.

Ende Januar 2017 folgt sein Kollege Stephan Schwarz, der jetzt noch die Kraftwerkssparte des kommunalen Unternehmens leitet. An seine Stelle wird Helge-Uve Braun rücken, der seit 2004 bei den Stadtwerken tätig ist: derzeit als Geschäftsführer der für die Infrastruktur zuständigen Tochterfirma.

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Damit hat der Aufsichtsrat zwei der wichtigsten Personalien bei Münchens kommunalen Unternehmen geklärt. "Ich bin sehr zufrieden, dass wir mit Ingo Wortmann und Helge-Uve Braun zwei hoch kompetente Nachfolger gewinnen konnten", sagte Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD), der auch Aufsichtsratschef ist.

Wortmann und ein zweiter Kandidat für den Posten des Verkehrschefs stellten sich bereits vor. Zuerst sprachen die beiden über ihre Person, skizzierten Probleme und Herausforderungen, die sie im wachsenden Münchner Nahverkehr sehen, und stellten sich anschließend den Fragen. Nach der Mittagspause entschieden sich die Aufsichtsräte in großer Einigkeit für Wortmann.

"Er ist ein seriöser Praktiker, dem wir die Aufgabe zutrauen", sagte Manuel Pretzl, Aufsichtsrat und CSU-Fraktionsvize im Stadtrat, über den künftigen Geschäftsführer Verkehr, der auch die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) leiten wird. "Ein ruhiger Arbeiter, vom Stil her anders" als König. Doch wer versuche, seinen Vorgänger zu kopieren, scheitere ohnehin. Auch Sabine Krieger (Grüne) hält Wortmann für eine solide Wahl: "ein sehr erfahrener Mann, der viel Know-how mitbringt". Dem Vernehmen nach soll auch König den Kollegen aus Ulm präferiert haben.

Wichtige Personalien geklärt

König, im Amt seit 1992, genießt einen Ruf als "Mister Nahverkehr" in München. In seine Amtszeit fällt die Renaissance der einst schon totgesagten Tram ebenso wie die Gründung der MVG, deren Existenz das städtische Verkehrsnetz vor dem Zugriff Privater schützen soll. Der SPD-Mann und einstige Chef der Augsburger Verkehrsbetriebe hat den Fuhrpark modernisiert und neue Trassen geplant. Da er stets auch wirtschaftliche Aspekte im Blick hat, ist er nicht bei allen Münchner Nahverkehrsfans beliebt. Die "Aktion Münchner Fahrgäste" etwa führt eine Dauerfehde gegen den langjährigen Verkehrsplaner.

Seinen Nachfolger kennt König schon seit Langem: Der 46-jährige Wortmann ist als Vizechef des VDV schon seit 2010 Königs Stellvertreter im Zusammenschluss der wichtigsten deutschen Nahverkehrsakteure. Der studierte Bautechniker, der sich auf Verkehrsplanung und Verkehrssysteme spezialisiert hat, begann seine Karriere 1996 bei den Dresdner Verkehrsbetrieben. In Ulm ist er seit 2003 tätig.

Ein Faible für die Tram scheint auch er zu besitzen: Ende 2015 hat er den Bau einer neuen Tramlinie in Ulm begonnen, die weiter mehr als 100 Millionen Euro kosten wird. Das gefällt natürlich der Münchner SPD, die zwei neue Tram-Tangenten in der Stadt durchsetzen will. "Er hat im Vortrag gezeigt, dass er Ahnung hat", sagte SPD-Fraktionschef und Aufsichtsrat Alexander Reissl.

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Auch der künftige Geschäftsführer-Kollege Braun steigt in große Fußstapfen. Der aktuelle Technik-Chef Schwarz ist bereits seit 1983 bei den Stadtwerken, 2003 übernahm er seine heutige Position. Der 53 Jahre alte Braun ist Diplomingenieur für Kraftwerkstechnik und begann 1988 als Projektingenieur und Projektleiter für technische Dienstleistungen rund um die Strom- und Wärmeversorgung. Er stellte sich im Aufsichtsrat ebenfalls noch einmal vor - allerdings als einziger Kandidat. "Er ist ein ruhiger, überlegter und sehr sachkundiger Mensch", sagte Reissl. Der Aufsichtsrat sieht Brauns Wahl als positives Zeichen nach innen: Wer richtig gut ist, kann es ganz nach oben schaffen.

Zwei von fünf Stadtwerke-Geschäftsführern werden damit ausgetauscht. Im Amt bleiben Florian Bieberbach, Vorsitzender der Geschäftsführung, Vertrieb-Geschäftsführerin Erna-Maria Trixl und Personal-Geschäftsführer Werner Albrecht.