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Oktoberfest:Alleinige Wirtin

Stephanie Spendler übernimmt das Löwenbräuzelt

Stephanie Spendler bleibt wohl weiterhin Wirtin des Löwenbräuzelts und wird es künftig alleine führen. Der neue Wirtschaftsreferent Clemens Baumgärtner (CSU) gab am Mittwoch einem interfraktionellen Arbeitskreis des Stadtrats die Ergebnisse der Nachprüfung zur Umsatzpacht bei den Wiesnwirten bekannt und wie er mit den Bewerbungen für die einzelnen Zelte verfahren will. Demnach hat er keine Einwände, dass Stephanie Spendler auch weiterhin Wirtin im Löwenbräuzelt bleibt.

Der Braukonzern Anheuser-Busch InBev, dem die Löwenbrauerei gehört, hatte Spendler wieder als Wirtin vorgeschlagen. Wolfgang Nickl, Sprecher des Referats für Arbeit und Wirtschaft: "Die Verwaltung sieht nach eingehender rechtlicher Prüfung keine Gründe für die Nichtzulassung der vorgeschlagenen Betreiberin." Ursprünglich war auch noch ihr Sohn Lukas, 23, mit als Wirt im Boot, diesen Vorschlag zog die Brauerei dann aber wieder zurück.

Seit 20 Jahren leitet Spendler das Zelt gemeinsam mit ihrem Vater Wiggerl Hagn. Diesmal bewarb der 79-Jährige sich nach 65 Jahren auf der Wiesn nicht mehr - er hatte im ersten Jahr der damals neu eingeführten Umsatzpacht 2,2 Millionen Euro zu wenig an Umsatz angegeben. Das war bei einer Stichprobe im vergangenen Jahr herausgekommen und hatte die ganzen Ermittlungen erst ausgelöst. Laut Hagn waren die Anforderungen der Stadt missverständlich; er habe das Freibier der Brauereien und das Bedienungsgeld für Kellnerinnen und Kellner nicht angegeben, weil es sich dabei um Durchlaufposten handele. Auf Geheiß von Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) wurden daraufhin sämtliche Abrechnungen zur Umsatzpacht von allen 14 großen Zelten und vier weiteren kleiner Zelte noch einmal überprüft.

Das Ergebnis, wie bereits berichtet: keine besonderen Vorkommnisse. Zwar waren - abgesehen vom Löwenbräuzelt - im Jahr 2017 Umsätze in Höhe von 848 000 Euro und 2018 noch einmal in Höhe von 679 000 Euro nicht angegeben worden waren, vorwiegend wie bei Hagn beim Freibier und bei Zuschüssen der Brauereien an die Wirte. Aber diese Summen teilen sich eben auf viele Zelte auf, bei keinem ergaben sich deshalb Nachforderungen, die über Bagatellen hinausgingen. Oder wie es das Wirtschaftsreferat formuliert: "In keinem Fall hat dabei der tatsächlich getätigte Umsatz eines Betriebs den bei der Stadt gemeldeten, pachtpflichtigen Nettoumsatz um mehr als fünf Prozent überschritten." Fünf Prozent, das gilt als sogenannte "Bagatell-Schwelle".

Die höchsten Summen für Nachforderungen waren 25 000 Euro im Jahr 2017 und 23 400 Euro im vergangenen Jahr, die niedrigsten einmal 18 und einmal 875 Euro. Außerdem gab es auch Wirte, die zu viel bezahlt haben, sie bekommen jetzt von der Stadt Geld zurück. Fürs Jahr 2017 einmal 76 Euro und einmal 11 200 Euro, im Jahr 2018 sind es gleich drei Wirte, die 117 Euro sowie 17 000 und 19 000 Euro zurückbekommen. Insgesamt hat sich die Nachprüfung für die Stadt aber gelohnt: 96 200 Euro bekommt sie zusätzlich. "Natürlich fallen bei einer solchen Prüfung Unregelmäßigkeiten auf", sagt Wirtschaftsreferent Baumgärtner, "das Ergebnis zeigt aber, dass auf die jetzt geprüften Betriebe keine größeren Nachforderungen mehr zukommen." Für das diesjährige Oktoberfest will er zusammen mit den Wirten neue Regeln aufstellen, wie das auch in zwei Anträgen von der SPD- und CSU-Stadtratsfraktion gefordert wird. Baumgärtner: "An der Aufnahme von Sanktionen und Vertragsstrafen in die Pachtverträge führt für mich kein Weg vorbei."