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Öko-Projekt:Gefährdete Einzelgänger

Wildbiene

Bleiben lieber für sich: Im Gegensatz zu Honigbienen, die Staaten bilden, sind Wildbienen Einzelgänger. Jedes Nest einer solitären Wildbiene enthält nur ein Weibchen - mit ein Grund, warum ihr Bestand hoch gefährdet ist.

(Foto: Sebastian Gollnow/dpa)

In Aubing wird eine Schutzzone für Wildbienen eingerichtet

Die Grünfläche zwischen der Eichenauer Straße und dem Imkerweg sowie der Bereich zwischen dem Krautgartenweg und der Straße Am Langwieder Bach sollen zu Schutzzonen für Wildbienen werden. Aus Sicht des Baureferats Gartenbau sind diese Flächen dafür "grundsätzlich geeignet", allerdings finden sich dort noch nicht ausreichend Niststrukturen für Wildbienen. Solche müssten erst geschaffen werden. Aubings Lokalpolitiker hatten bereits im vorigen Jahr mit Verweis auf das Bienensterben darum gebeten, in ihrem Stadtbezirk Wildbienen-Schutzzonen einzurichten und dafür auch finanzielle Unterstützung zugesagt. Die jetzt von der Baubehörde vorgeschlagenen Standorte halten die Bürgervertreter für "sinnvoll".

In ihrem Antrag hatten die Lokalpolitiker seinerzeit außerdem eine Zusammenarbeit mit der Deutschen Wildtier-Stiftung angeregt. Gemeinsam mit ihren Partnern sorgt die Stiftung dafür, dass die Tiere wieder Lebensräume in Städten vorfinden. Monokulturen ohne Sandwege, alte Hecken, Totholz- und Steinhaufen sowie der zunehmende Wohnungsbau im urbanen Raum haben den Bestand der Bienen drastisch dezimiert, den Wildbienen mangelt es an Nahrung und geeigneten Nistplätzen. Von den in der Roten Liste erfassten Bienenarten sind deshalb bereits mehr als die Hälfte gefährdet. Für das Aubinger Projekt hat die Stiftung aber inzwischen ihr Interesse bekundet und zudem erklärt, Stiftungsgelder bereitzustellen.

Wildbienen, das ist mit ein Grund für den Rückgang der Population, haben eine sehr geringe Fortpflanzungsrate. Im Gegensatz zu Honigbienen, die Staaten bilden, sind Wildbienen Einzelgänger. Jedes Nest einer solitären Wildbiene enthält nur ein Weibchen. Im Laufe ihres vier- bis achtwöchigen Lebens baut die Biene ganz allein in hohlen Pflanzenstängeln oder in Erdlöchern bis zu 30 Brutzellen und versorgt sie mit allem, was die Larve zum Gedeihen braucht. Danach dauert es etwa ein Jahr, bis die fertigen Wildbienen aus ihren Nestern krabbeln können - vorausgesetzt, sie überleben Nässe und Schimmel, Räuber und Parasiten.

Hinzu kommt, dass viele Wildbienenarten Feinschmecker sind: Sie sind auf Pollen einer ganz bestimmten Pflanzenfamilie oder -gattung angewiesen. Honigbienen dagegen sind weniger wählerisch, sie akzeptieren nahezu jeden Nektar. Doch selbst sie sind inzwischen in ihrer Existenz bedroht.