Öffentliche Toiletten Eine WC-Planerin für München

Eingang zu einer öffentlichen Toilette an der U-Bahnhaltestelle Goetheplatz.

(Foto: Stephan Rumpf)
  • Seit Jahren häufen sich die Bürgerbeschwerden daüber, dass es zu wenige öffentliche Toiletten in der Stadt gibt.
  • Daher soll das Problem nun systematisch angegangen werden, und zwar unter Regie des Baureferats.
  • Oberbürgermeister Dieter Reiter will den Stadträten vorschlagen, Baureferentin Rosemarie Hingerl zu Münchens zentraler WC-Planerin zu küren. Es könnte sein, dass München nun eine WC-Offensive bevorsteht.
Von Dominik Hutter

Zu wenige sind es immer, und wenn man eine braucht, ist sowieso gerade keine da: Öffentliche Toiletten sind, wenn man das so sagen darf, ein Quell stetigen Ärgers. Auch für die Stadtverwaltung übrigens, denn bekanntlich geht nicht jeder Bedürfnisverspürende sorgsam mit den Anlagen um, die oft in die Jahre gekommen sind und deren fortwährende Reinigung teuer ist. So wie es jetzt ist, könne es aber nicht weitergehen, findet Oberbürgermeister Dieter Reiter - im Rathaus häufen sich schon seit Jahren die Bürgerbeschwerden über einen eklatanten Häuschen-Mangel. Deshalb soll die Toiletten-Frage systematisch angegangen werden, und zwar unter Regie des Baureferats, das somit zum Kloreferat mutiert.

Etwa 150 öffentliche Toilettenanlagen gibt es in München, was sich gar nicht so wenig anhört. Sie befinden sich in U-Bahnhöfen, in Grünanlagen, städtischen Gebäuden und auf Friedhöfen. "Trotz dieser nicht unerheblichen Zahl", so steht es in einer Beschlussvorlage für die Stadtrats-Vollversammlung am Mittwoch, reißen die Beschwerden nicht ab. Vor allem Ältere und Mobilitätseingeschränkte mokieren sich über Versorgungslücken - auch die CSU hat bereits eine Liste verlangt, wo es überall Toiletten gibt und wo welche fehlen. Das ist gar nicht so einfach, denn die Stadt München leistet sich bislang keine zentrale Anlaufstelle für Bedürfnisfragen, ja nicht einmal einen hauptamtlichen WC-Beauftragten.

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Stattdessen kümmern sich alle möglichen Stellen ein bisschen darum: Das Kommunalreferat betreut die stillen Örtchen in den kommunalen Verwaltungsbauten, auf Friedhöfen und in diversen Kiosk-Klo-Kombinationen. Das Baureferat schaut nach den 25 Toiletten-Standorten in Grünanlagen und an der Isar. Das Wirtschaftsreferat bewirtschaftet sechs werbefinanzierte Anlagen. Und die LHM Services, die zu den Stadtwerken gehört, kümmert sich um U-Bahn-Klos und die übrigen öffentlichen Toilettenanlagen. Dazu kommen noch die WCs in den Stationen der Deutschen Bahn und in Einkaufszentren. Sie seien zwar nicht kommunal, müssten aber bei einer Bestandsübersicht natürlich berücksichtigt werden.

Ein bisschen unübersichtlich das Ganze, findet Reiter. Zumal es aus Sicht des Rathaus-Chefs kein Fehler wäre, sich einmal ganz grundsätzlich Gedanken zu machen, wie die Toilettenversorgung der Zukunft aussehen könnte. Der Oberbürgermeister will daher den Stadträten vorschlagen, Baureferentin Rosemarie Hingerl zu Münchens zentraler WC-Planerin zu küren. Ihre Behörde soll ein Kriteriensystem ausarbeiten, nach dem sich seriös der Münchner Örtchen-Bedarf ermitteln lässt. Ziel sei "eine signifikante Erhöhung der Anzahl der öffentlichen Toiletten in München und die schnelle Schließung von Versorgungslücken". Gut möglich also, dass München demnächst eine Art WC-Offensive bevorsteht. Gerade auch in Grünanlagen, wo es regelmäßig sehr viele Bürgerbeschwerden hagelt, könnte es vorangehen.

"Nette Toilette" stößt bei Kneipenwirten auf wenig Interesse

Zusätzlich soll gelten: Weitere WC-Schließungen, wie in der Vergangenheit oftmals aus finanziellen Gründen vollzogen, sollen möglichst vermieden werden. Wenn die Kosten nicht komplett aus dem Ruder laufen. Bereits geschlossene Häusl könnten sogar wiedereröffnet werden. Auch dies allerdings unter der Voraussetzung, dass es wirtschaftlich vertretbar ist. Was, da es ja keine Einnahmen gibt, bedeutet: Es muss viele Besucher mit dringendem Bedürfnis geben.

Zuständig für Reinigung und Instandhaltung sollen weiterhin die Stellen sein, die das jetzt schon erledigen - dies sei grundsätzlich sinnvoll, da es ja immer "technische Schnittstellen" zum jeweiligen Gebäude gebe, so Reiter. Eine vollständige Zentralisierung sei daher nicht zielführend. Das Baureferat soll in erster Linie ein zentrales Bedürfnis-Bedarfskonzept ausarbeiten, an dem sich die Stadt künftig orientieren könne. Nebst dem, was hinter den Kulissen dazugehört: Wo kann man Städtebauförderungsmittel abgreifen und welche Ausstattungsstandards sind in den Klo-Anlagen sinnvoll? Die Toiletten sollen möglichst behindertengerecht sein und auch Wickelmöglichkeiten enthalten. Weitergehen soll es auch bei der "Netten Toilette", also der Öffnung von Kneipen-WCs. Das Interesse der Wirte an dieser Idee ist bislang, gelinde gesagt, mau.

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