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Oberföhring:Die Rechnung geht auf

Baustelle Prinz-Eugen-Park in München, 2019

Beständig im Wandel: Sobald im Prinz-Eugen-Park 600 Wohnungen fertig und bezogen sind, rücken die Fahrzeugzähler an.

(Foto: Florian Peljak)

Zählungen ergeben, dass sich rund um den Prinz-Eugen-Park seit 2016 das Verkehrsaufkommen kaum verändert hat

Noch ist der Prinz-Eugen-Park in Oberföhring ein großes Baugebiet, doch der erste Eindruck täuscht. Auch wenn über den Rohbauten noch Kranarme hin- und herschwenken, Lkw-Fahrer Aushub ab- und Beton oder Holz antransportieren, an allen Ecken und Enden Handwerker bohren, hämmern, schleifen - längst ist ein Drittel der gut 1800 Wohnungen des neuen Quartiers an der Cosimastraße bezogen. Und wer wohnt, geht auch arbeiten und einkaufen, ins Kino und zu Freunden, und dafür benutzen sie und er oft das Auto. Die Nachbarn des Prinz-Eugen-Parks befürchteten schon vor zehn Jahren Verkehrschaos im Wagnerviertel und Dauerstau auf der Cosimastraße, wenn 4000 neue Anwohner zusätzlich unterwegs sein würden. Daher beschloss der Stadtrat 2012 ein Verkehrskonzept mit Einbahnregelungen und Durchfahrverboten für das Wagnerviertel. Außerdem soll ein Monitoring zeigen, wie sich der Autoverkehr tatsächlich entwickelt. Nach den ersten beiden Zählungen 2011 und vor Baubeginn 2016 wird der Verkehr rund um den Prinz-Eugen-Park immer dann unter die Lupe genommen, wenn dort 600 Wohnungen fertig und bezogen sind. Die ersten Zahlen liegen nun vor. Fazit: Es sind ungefähr genauso viele Autos unterwegs wie 2016. "Starke Verkehrszunahmen gab es nicht", resümiert das Planungsreferat.

Das ist durchaus eine positive Nachricht, denn die Prognose für 2025, also für die Zeit nach Fertigstellung des Quartiers, hatte deutliche Zuwachsraten ausgewiesen. Beispiel Cosimastraße: Dort waren 2011 laut Zählung 11 200 Fahrzeuge pro Tag unterwegs, die Prognose für 2025 ging von 17 200 aus, dies wäre ein Plus von 53 Prozentpunkten. Tatsächlich aber sank die Belastung sogar: 2016 wurden 9100 Autos registriert, bei der Zählung im Herbst 2019 waren es 9800. Dieser Wert liegt um 12,5 Prozentpunkte unter der Zahl von 2011 und acht Prozentpunkte über der von 2016. Das Planungsreferat hält Abweichungen von bis zu zehn Prozent bei Verkehrszählungen für üblich. Die Gesamtentwicklung aber sieht die Behörde durchaus positiv und hat auch eine Erklärung parat: "Dies dürfte vor allem auf die inzwischen deutlich verbesserte Erschließung im öffentlichen Verkehr, das heißt die Eröffnung der Trambahn Ende 2011 zurückzuführen sein", vermutet das Referat. Unterstützt wird der Trend zur Tram durch das Mobilitätskonzept des Quartiers: Möglichst viele Bewohner sollen möglichst viele Strecken mit dem Rad, dem Bus und der Straßenbahn zurücklegen.

Auch für die Wohnstraßen im Wagnerviertel haben sich die Befürchtungen von Stau und Verkehrschaos bislang nicht bewahrheitet. Die Lohengrinstraße war an der Einmündung in die Cosimastraße 2011 mit 3600 Fahrzeugen belastet, 2016 mit 1100 und 2019 mit 1000, ein Minus von 72 Prozentpunkten gegenüber 2011. An der Einmündung in die Effnerstraße wurden 2011 rund 5600 Fahrzeuge gezählt, 2016 waren es 3700, 2019 dann 3000, das sind 46 Prozentpunkte weniger als 2011. Die Prognose für 2025 dagegen war von gleichbleibend 3600 Autos an der Ecke Cosimastraße und 7100 an der Ecke Effnerstraße (plus 27 Prozent) ausgegangen.

Nicht ganz so deutlich fällt die Entwicklung an der Wesendonkstraße aus. Dort wurden 2011 etwa 700 Fahrzeuge registriert, bei den beiden folgenden Zählungen jeweils 800 - plus 14 Prozent. An der Wahnfriedallee dagegen lag der Ausgangswert 2011 bei 1600 Autos, fünf und acht Jahre später waren es jeweils 900 - minus 44 Prozent. Das Planungsreferat sieht in diesen Werten einen Erfolg seines Verkehrskonzepts. Es habe "zu einer dauerhaften und zum Teil deutlichen Reduktion" der Fahrzeugbelastung im Wagnerviertel geführt.

Insgesamt sei "die aktuelle Entwicklung positiv zu bewerten", heißt es weiter. Wenn die nächsten 600 Wohnungen im Prinz-Eugen-Park bezogen sind, rücken die Fahrzeugzähler wieder an. Das dürfte schon bald der Fall sein: 2020 sollen die großen Blöcke der städtischen Wohngesellschaft Gewofag mit über 500 Wohnungen fertig werden.

© SZ vom 29.01.2020
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