NS-Dokuzentrum Eröffnungstermin verschiebt sich erneut

Neuer Ärger um das NS-Dokuzentrum in München: Weil es offenbar Streit über das Ausstellungskonzept gibt, trennt Direktor Winfried Nerdinger sich kurz vor der Eröffnung im November von wichtigen Mitarbeitern. Die soll nun verschoben werden.

Von Franziska Brüning

Das NS-Dokumentationszentrum am Königsplatz wird aller Voraussicht nach nicht wie vorgesehen im November 2014 eröffnet werden. Es sei möglich, dass die Eröffnung erst Anfang 2015 stattfinden könne, sagte Winfried Nerdinger, Direktor des NS-Dokuzentrums. Man werde den genauen Termin zu "gegebener Zeit" bekannt geben. Nerdinger hält sich, was die genaue Planung angeht, bedeckt. Aus dem Umfeld des NS-Dokuzentrums wird allerdings berichtet, man rechne mit einer Eröffnung erst im späten Frühjahr 2015. Damit ist der Termin ein weiteres Mal verschoben worden. Zunächst war das Frühjahr 2014, später der kommende Herbst und nun ist ein Tag im Jahr 2015 angedacht.

Im Jahr 2012 hatte die Stadt noch aufs Tempo gedrückt und etwa das Grobkonzept für die Dauerausstellung in nur drei Monaten erarbeiten lassen. Ganz Eilige wollten damals das Haus sogar noch Ende 2013 eröffnen. Nun scheinen die Verantwortlichen immer mehr auf Qualität als auf Schnelligkeit zu setzen. Zudem ist es unter anderem durch langwierige Ausschreibungsverfahren zu Verzögerungen beim Bau gekommen. Aber das sind nicht die einzigen Gründe für die neuerliche Korrektur des Zeitplans. Hinter den Kulissen gibt es offenbar erhebliche Meinungsverschiedenheiten über das konkrete Ausstellungskonzept zwischen Nerdinger und den Ausstellungsgestaltern.

Wechsel wenige Meter vorm Ziel

"Nach der Vorentwurfs- und der Entwurfsplanung durch das Gestaltungsbüro Carsten Gerhards in Berlin wird das NS-Dokuzentrum für die Ausführungsplanung ein Büro mit größerer örtlicher Nähe beauftragen", erklärte Nerdinger. Das bedeutet schlicht: Wenige Meter vor dem Ziel tauscht Nerdinger die Ausstellungsgestalter und damit die wohl wichtigsten Mitarbeiter in der Museumsarbeit neben Kuratoren und Museumspädagogen aus.

An der offiziellen Erklärung, die Berliner Gestalter hätten aufgrund der geografischen Entfernung nicht oft genug in München sein können, um an Ort und Stelle mit Nerdinger und seinem Team zu arbeiten, wird allerdings gezweifelt. Schließlich war den Münchnern schon im Sommer 2012 bekannt, dass ihr Kandidat, für den sie sich unter fünf Bewerbern entschieden hatten, keine Dépendance in München hat.

Ein solcher Wechsel der Ausstellungsgestalter gilt in der Museumsbranche nicht als üblich, sondern wird in der Regel als Notbremse eingesetzt, wenn irgendetwas nicht richtig läuft. Unter Museumsfachleuten kursieren derzeit zwei Begründungen. Die eine lautet, Nerdinger habe so festgelegte Vorstellungen, dass den Gestaltern keine Möglichkeit mehr geblieben sei, kreativ zu arbeiten.

Diese Kritik war schon während des Gestaltungswettbewerbes von den teilnehmenden Büros geäußert worden. Nerdinger selbst macht keinen Hehl daraus, dass er genau weiß, was er will. Laut der zweiten kursierenden Version hat sich das Gestaltungsbüro zerstritten. Nicht umsonst heiße es heute nicht mehr "Gerhards & Glücker". Unter diesem Namen hatten die Berliner den Gestaltungswettbewerb gewonnen. Carsten Gerhards, der Chef des Büros, war am Mittwoch für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Noch ein Wechsel steht bevor

Hinter vorgehaltener Hand wird die derzeitige Situation im NS-Dokuzentrum sehr kritisch kommentiert: Das Ganze sei in etwa so, als würde 13 Tage vor der Meisterschaft der Trainer gewechselt, sagt ein Kurator. Es sei alles andere als ein Glücksfall, wenn man sich vom Gestalter trenne, meint eine Ausstellungsmacherin. Nicht zuletzt sei das auch eine finanzielle Frage.

Die Gestalter, die nun für die sogenannte Ausführungsgestaltung - etwa die Auswahl der Materialien oder der Schriftgröße - einspringen sollen, rechnen damit, dass sich Nerdinger bis Ostern für eines der Büros, die er angesprochen hat, entscheidet. Die sehen der Auswahl ganz nüchtern entgegen. "Das ist eine ganz undankbare Aufgabe, die man nur für Geld machen kann", heißt es aus Kreisen der betroffenen Büros.

Und noch ein Wechsel steht bevor: In der ersten Vollversammlung des neuen Stadtrats wird entschieden, ob und in welcher Zusammensetzung der politische Beirat des NS-Dokuzentrums weitergeführt werde, sagte Anke Hoffsten, Sprecherin des NS-Dokuzentrums.2005 wurde der politische Beirat als Gremium neben dem wissenschaftlichen Beirat und dem Kuratorium gegründet, um den Vorbereitungen für das NS-Dokuzentrum mehr Nachdruck zu verleihen. Der scheidende Oberbürgermeister Christian Ude (SPD), in dessen Amtszeit der Grundstein des NS-Dokuzentrums gelegt wurde, wird als kooptiertes und nicht stimmberechtigtes Mitglied weiter im Kuratorium sitzen.