NS-Dokuzentrum in München Ein Puzzle mit vielen Teilen

Die Grundidee für das NS-Dokumentationszentrum ist schlüssig, das Grobkonzept stößt auf breite Zustimmung. Doch wer das Projekt künftig leiten wird, ist noch offen.

Von Franziska Brüning und Dominik Hutter

Die Planungen für das NS-Dokumentationszentrum an der Brienner Straße sind einen entscheidenden Schritt vorangekommen: Das Ausstellungskonzept ist fertig. Kulturreferent Hans-Georg Küppers stellte am Freitag den Entwurf vor, den die Historiker Hans Günter Hockerts, Marita Krauss, Peter Longerich und Winfried Nerdinger entwickelt haben. Das Konzept sei in allen beratenden Gremien einstimmig befürwortet worden, sagte Küppers.

Das Konzept der vier Historiker Hans Günter Hockerts, Marita Krauss, Peter Longerich und Winfried Nerdinger (v.l.n.r) sieht viele Themenstationen vor.

(Foto: dapd)

Die vier Wissenschaftler waren im Herbst eingesprungen, nachdem die Direktorin Irmtrud Wojak von ihren Leitungsaufgaben entbunden worden war und sich danach mit der Stadt auf eine einvernehmliche Trennung geeinigt hatte. Wojak habe nur "ein Nachdenken über ein Konzept", aber "kein Konzept" vorgelegt, sagte Hockerts am Freitag.

Der Entwurf, den Winfried Nerdinger erklärte, folgt dem Prinzip "Erkennen, lernen, verstehen am authentischen Ort". So soll die gesamte Ausstellung durch topographische Bezüge zu ehemaligen NS-Bauten strukturiert werden. Zudem sollen sich die Besucher mit zwei Fragen beschäftigen: "Was geht mich das an?" und "Warum München?".

Die Besucher - man rechnet mit jährlich etwa 250 000 - sollen in einer bis eineinhalb Stunden durch das Dokuzentrum gehen. Neu für eine Ausstellung dieser Art sei die Beschäftigung mit der Geschichte nach 1945, sagte Hockerts. Die Ergebnisse der Arbeitsgruppen, die Wojak zu diversen Themen forschen ließ, sind teilweise in die Dauerausstellung eingeflossen. Es sei auch denkbar, sie für spätere Wechselausstellungen zu nutzen oder sie zu publizieren, sagte Küppers.

Die Ausstellungsgestaltung soll ausgeschrieben werden, sobald der Kulturausschuss am 16. Februar einen Beschluss über das Konzept gefasst hat. Im März wolle er außerdem im Stadtrat einen Vorschlag einbringen, wie es mit der Direktion weitergehen könne, kündigte Küppers an. Derzeit ist der Posten unbesetzt. Er gehe aber davon aus, dass die vier Historiker "in verantwortlicher Art und Weise" weiterarbeiten würden, so Küppers.

Laut Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) ist die Eröffnung für Frühjahr 2014 geplant - allerdings gehe Sorgfalt vor Schnelligkeit. Ude zeigt sich nach den Dissonanzen der vergangenen Monate erfreut, dass das Konzept inzwischen bei allen Gremien und in der Fachwelt auf positive Resonanz stoße.

Marian Offman (CSU), Vorsitzender des politischen Beirats warnte: Marian Offman (CSU), Vorsitzender des politischen Beirats, warnte: Die falsche Personalwahl und ein spätes Krisenmanagement hätten zu einer großen Verzögerung geführt. Wenn es nun um Schnelligkeit vor Qualität ginge um Zeit aufzuholen, wäre dieses fatal. Die Eröffnung müsse nicht unbedingt im April 2014 stattfinden.