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Nördlich des Olympiaparks:Umbau im großen Stil

Knorr-Bremse

Der alte Knorr-Bremse-Hauptsitz wirkt klein angesichts der geplanten Hochhäuser. Visualisierung: Müller Reimann Architekten

Knorr-Bremse-Hauptgesellschafter Heinz Hermann Thiele strukturiert das Firmengelände weiter um. In Milbertshofen ist man erfreut, dass nicht nur Büros und etwa 500 Wohnungen entstehen sollen, sondern auch ein Seniorenheim

Mit den Plänen für ein neues Hochhaus haben die Bauherren auf dem Knorr-Bremse-Gelände an der Moosacher Straße nördlich des Olympischen Dorfes schon bisher für reichlich Diskussionen gesorgt. Neben dem auf 99 Meter angelegten Turm sollen aber auch ein neues Wohnquartier und vor allem ein im Viertel heiß ersehntes Altenheim entstehen. Die bisherigen Überlegungen dazu stellten der Bauherr und das städtische Planungsreferat dem Bezirksausschuss Milbertshofen-Am Hart vor.

Das Wohnviertel ist Teil einer groß angelegten Umgestaltung des Knorr-Bremse-Standorts. Der international agierende Bremsenhersteller hat sich auf seinem Münchner Hauptsitz großteils auf den nördlichen Teil des Geländes jenseits der Bahntrasse zurückgezogen, wo sich das "Technology Center" befindet. Den südlichen Teil will im kommenden Jahrzehnt die Opes Immobilien GmbH entwickeln, ein Privatunternehmen des Knorr-Bremse-Hauptgesellschafters Heinz Hermann Thiele. Südlich des Firmengeländes bis zur Moosacher Straße soll ein gemischtes Quartier mit Büro-, Gewerbe und Wohnungen entstehen, ganz ähnlich dem benachbarten Teil im Westen des Geländes.

Dort ist vergangenes Jahr der 70 Meter hohe Hotelturm MO 82 eingeweiht worden. Drei Bürohäuser sollen zudem entlang der Moosacher Straße entstehen. Sie dienen auch als Schallschutz für eine Wohnsiedlung, die nördlich davon an das heutige Firmengelände anschließen wird. Es sind zirka 500 Wohnungen geplant, dazu eine Krippe und ein Kindergarten. Die künftigen Grundschulkinder werden an der Waldmeisterstraße unterrichtet, die auf vier Züge erweitert werden könnte.

Teil der neuen Wohnsiedlung wird auch ein Altenheim sein, für das etwa 7500 Quadratmeter eingeplant sind. Das Senioren- und Pflegezentrum mit vollstationärer Pflege wird als Element der Sozialgerechten Bodennutzung (Sobon) gebaut. Mit diesem Instrument verpflichtet die Stadt Investoren, sich an den Kosten für Straßen, Grünflächen und soziale Infrastruktur zu beteiligen sowie einen fixen Anteil von 40 Prozent geförderter und preisgedämpfter Wohnungen zu bauen.

An der Moosacher Straße soll auch ein Bürohochhaus mit 99 Metern Höhe errichtet werden. Es hat in jüngster Zeit für viel Diskussionen gesorgt, da der Investor zwischenzeitlich bis zu 130 Meter hoch hätte hinaus wollen. Das hätte die 100-Meter-Grenze infrage gestellt, für die die Münchner 2004 in einem Bürgerentscheid gestimmt hatten. Letztlich wünscht sich die Opes nun eine politisch weniger umstrittene Variante mit 99 Metern. Doch auch diese ist höher als die 78 Meter des ursprünglichen Siegerentwurfs. Die Opes entschied sich letztlich für den zweitplazierten Entwurf aus dem Hause Müller Reimann Architekten. Dass der Turm nun gut 20 Meter höher gebaut werden soll als zunächst geplant, hat das Landesamt für Denkmalpflege nicht unkritisch gesehen. Denn auf dem Areal stehen bereits zwei denkmalgeschützte Gebäude: das ehemalige Hauptverwaltungsgebäude von Knorr-Bremse und das historische Torgebäude von BMW an der Moosacher Straße 66.

Doch letztlich ist die Bauhöhe eine politische Frage, über die der Stadtrat wohl Anfang Juli abstimmen dürfte. Er muss dem 99-Meter-Turm und dem Eckdatenbeschluss für das Areal zustimmen. "Wir haben dem Stadtrat alle Positionen transparent dargelegt. Er soll uns einen Auftrag geben", sagte ein Mitarbeiter des städtischen Planungsreferats. Fraktionsübergreifend freuten sich die Milbertshofener Lokalpolitiker besonders über das künftige Altenheim. Sie setzen sich bereits seit Langem für ein neues Altenheim im Stadtbezirk ein und hatten sich in der Vergangenheit zum Beispiel wiederholt für die Prüfung eines Standorts am alten Busbahnhof vor dem Olympiapark ausgesprochen. "Hätten wir nicht so lange ein Seniorenheim gefordert, dann würden wir es jetzt auch nicht auf dem Knorr-Bremse-Gelände bekommen", sagte Erich Tomsche (CSU) im Namen des gesamten Gremiums.

Kritische Rückfragen kamen von Leo Meyer-Giesow (ÖDP), der wissen wollte, weshalb sich der Investor über die Bedenken des Denkmalschutzes einfach hinwegsetzen könne. Nicole Riemer-Trepohl (Grüne) bemängelte, dass die Steinfassade des Hochhauses zu konventionell sei und nicht geprüft wurde, ob man eine Fotovoltaikanlage an der Fassade anbringen könnte. Sie bekam Zuspruch von einer Architektin aus dem Olympiadorf, die aus ihrer Wohnung Richtung Norden blickt: "Der Hotelturm nebenan sieht aus, als wären wir in Nordkorea", spottete sie. Auch bei dem geplanten Büroturm greife der Investor jetzt zu einer günstigen Variante. "Ein architektonisch anspruchsvolleres Gebäude würde dem Family Office von Herrn Thiele gut anstehen", kommentierte sie den Hochhaus-Entwurf. Susanne Schneider-Geyer (SPD) forderte, dass man sich bereits jetzt um eine bessere Busanbindung bemühen sollte - und nicht erst, wenn das Wohngebiet gebaut sei.