Niedergang des Nockherberg-Singspiels:Harsche Kritik in Internetforen

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Nimmt man die harsche Kritik in den Internetforen zum Maßstab, dann darf man daran zweifeln. Andererseits sollte man die Online-Motzerei nicht zu ernst nehmen, sie trifft jeden, ob er's verdient hat oder nicht. Das jüngste Singspiel lässt sich mit diesem Einwand jedoch nicht retten.

Es lohnt sich, noch einmal einen Blick auf die Darbietungen früherer Jahre zu werfen. Damals schrieben Kabarettisten wie Holger Paetz, Christian Springer und Uli Bauer sowie der Rundfunkmann Franz Messner die Texte. Sie kannten sich aus in der politischen Szene, sie sammelten Monate vor der Aufführung Stoff, sie wussten, worauf es ankommt beim Derblecken: mal Nadelstiche setzen, mal den Hammer auspacken. Den Politikern, die es traf, sollte es schon ein bisschen wehtun - zum Gaudium der übrigen, deren Gelächter meist auf Schadenfreude beruhte.

Bei Biedermann hat man hingegen den Eindruck, dass er das politische Geschehen nicht mit der Aufmerksamkeit verfolgt, die ein Satiriker benötigt, um treffsicher zu sein. Wie sonst konnte er auf die Idee kommen, Christine Haderthauer und Karl-Theodor zu Guttenberg ins Spiel zu bringen? Was immer man von den beiden hält: In der Politik der vergangenen Monate spielten sie eine marginale oder gar keine Rolle. Schließlich das Spiel selbst: Wo eigentlich war da die Regie: Die Politiker-Doubles hampelten wie Zirkusclowns herum, und was sie von sich geben, brauchte keiner der Parodierten zu fürchten.

Selbst der Witzigste der Truppe, der famose Stephan Zinner, stellte einen Söder auf die Bühne, der dem Original schon beinahe schmeichelte. Ist ja ulkig, dieser Söder: ein fränkischer Choleriker, ehrgeizig zwar und ein bisschen täppisch. Der bayerische Finanzminister darf zufrieden sein. Mittlerweile ist er als der Mann populär, der ein tolles Nockherberg-Double und die lustigsten Masken bei der Veitshöchheimer Fastnacht hat.

Aller Wahrscheinlichkeit nach wird sich kein Politiker ändern, nur weil er auf dem Nockherberg durch den Kakao gezogen wurde. Da hilft auch die beste Satire nichts. Es wäre schon genug, wenn er sich für einen Moment getroffen fühlte vom Spott. Davon aber ist das Singspiel weit entfernt.

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