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Neuhausen:Autos weichen den Flaneuren

Südliche Auffahrtsallee, Neuhausen

Im Sommer soll am einen Ende der Südlichen Auffahrtsallee nicht mehr geparkt werden dürfen, die Straße gehört dann nur noch den Fußgängern.

(Foto: Florian Peljak)

Südliche Auffahrtsallee soll demnächst zur Sommerstraße ohne Verkehr werden, 55 Parkplätze fallen vorübergehend weg

Ungefährdet von der Grünanlage zum Kanalufer queren, Ballspielen oder Rollerskaten auf der Fahrbahn: Das soll im Sommer an der Südlichen Auffahrtsallee zwischen Gerner Brücke und Waisenhausstraße möglich sein. Der Abschnitt soll in den warmen Monaten mindestens zwei Monate lang probeweise für Autos gesperrt und zur "Sommerstraße" werden. So wünscht es sich der Bezirksausschuss Neuhausen.

Im Unterausschuss Verkehr, der noch tagen konnte, ehe wegen der Coronakrise allmählich alles zum Erliegen kam, wurde der Antrag der Grünen einstimmig beschlossen. Also auch mit den Stimmen der CSU, wie Gudrun Piesczek (CSU), die Vorsitzende des Unterausschusses, betont. Die CSU hatte ursprünglich Bedenken wegen der entfallenden Parkplätze. "Mal schauen, wie's den Bürgern gefällt", sagt Piesczek. Bei einem Ortstermin Anfang März mit Vertretern der Verwaltung kam man überein, dass sich der Versuch gut eigne, um zu testen, wie sich eine Auflassung dieses 300 Meter langen Straßenstücks entlang des Gründwaldparks auswirkt.

Eigentlich wollten die Stadtviertelpolitiker, angestoßen vom Vorschlag eines Neuhauser Ehepaars, einen viel größeren Wurf wagen: eine Entsiegelung und Begrünung des Straßenstücks und damit eine Erweiterung des Parks bis zum Schlosskanal hinüber. Die Bayerische Schlösser- und Seenverwaltung erteilte der Vision vom "großen Grünwaldpark" aber eine Absage: Der Kanal samt der beiden ihn säumenden Linden-Alleen ist Teil eines Denkmalensembles. Schon gar nicht in Betracht komme eine "Möblierung" mit Beachvolley- oder Basketballfeld und Skateranlage, waren sich Naturschutz, Denkmalschutz und Schlösserverwaltung einig, weil das den Denkmalcharakter und auch die Sichtachse zwischen Schloss Nymphenburg und dem Hubertusbrunnen stören würde. Gegen eine Sperrung des Straßenabschnitts für den Autoverkehr hat das Planungsreferat unterm Strich aber keine Bedenken, auch wenn dadurch etwa 55 Parkplätze entfielen.

Sommerstraßen sind eine Idee aus Skandinavien. In München wurde in den Sommermonaten 2019 der südliche Bereich des Alpenplatzes in Giesing entlang der Grünanlage für den Auto- und Radverkehr gesperrt. Zwischen dem Alpen- und dem Edelweißplatz konnten die Bürger draußen gemütlich flanieren. In der Schwanthalerhöhe gab es zwischen 12. Juli und 20. September sogenannte Parklets: Der ein oder andere Parkplatz wurde mit Blumenkästen, Sitzmöbeln oder Bücherregalen zum Treff für die Nachbarschaft. Parklets, die im Übrigen nicht kommerziell bewirtschaftet werden dürfen, können sich die Neuhauser Grünen vorstellen in der Donnersbergerstraße, Schulstraße, Blutenburgstraße, Frundsbergstraße und Volkartstraße. Auch dem stimmte der Unterausschuss laut Piesczek zu, entscheiden wird die Stadt.

© SZ vom 30.03.2020

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