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Neue Studie an der TU:Verlängerter Pollenflug

350.000 Münchner sind betroffen - und es werden immer mehr: Wenn Gräser und Bäume blühen, werden sie von Nies-Attacken befallen. Eine Studie der TU zeigt nun: Pollen sind nicht gleich Pollen.

Stephan Handel

Nichts Schöneres als eine blühende Blumenwiese mit ein paar Birken am Rain - außer für Allergiker: Die Pollen von Gräsern und Bäumen bedeuten für sie Heuschnupfen, Asthma, Hautreizungen. Die Zahl der Allergiker steigt kontinuierlich an.

Bee collects pollen from flower at Cherchell farm in Tipaza Valley

Biene an einer Blumenblüte: Eine Studie soll dazu beitragen, Allergien künftig gezielter zu behandeln.

(Foto: REUTERS)

In den fünfziger Jahren litten gerade mal zwei bis fünf Prozent aller Deutschen an einem fehlgesteuerten Immunsystem. Heute ist es ein Viertel - was für München bedeutet, dass in der Stadt rund 350.000 Menschen von Niesreiz befallen werden, wenn sie Pollen oder andere Allergenen in Berührung kommen.

Übertriebene Hygiene kann Allergien auslösen. Aber auch die Stoffe selbst rüsten auf: Weil sich wegen der Erderwärmung die Blühzeit der Pflanzen verlängert, schwirren die Allergene länger durch die Luft - Haselsträucher etwa blühen bereits im Dezember.

Eine große Studie, die am Zentrum für Allergie und Umwelt der Technischen Universität München koordiniert wurde, fand zudem heraus: Pollen sind nicht gleich Pollen. Die Pflanzen produzieren in ihren Samen unterschiedlich große Mengen an Eiweißverbindungen, die für die allergische Reaktion verantwortlich sind.

Jeroen Buters, Inhaber des TU-Lehrstuhls für molekulare Allergologie, forschte mit Kollegen in elf europäischen Ländern drei Jahre lang; sie untersuchten dabei die Pollen von Gräsern, Birken und Oliven, die überall in Europa Heuschnupfen auslösen.

Dabei waren Gräserpollen aus Frankreich sieben mal aggressiver als solche aus Portugal. Auch fanden die Forscher heraus, dass das Wetter Einfluss auf das Heuschnupfen-Risiko hat. Buters: "An der Messstation in Portugal konnten wir eine hohe Allergenbelastung durch Olivenpollen messen, obwohl an diesen Tagen kaum portugiesische Pollen unterwegs waren. Durch meteorologische Berechnungen fanden wir heraus, dass das Allergen aus Spanien eingeflogen war, wo die Pollen ein deutlich erhöhtes allergisches Potenzial haben."

Das Ziel der Studie ist es laut Buters, besser Pollen-Voraussagen zur Warnung von Allergikern treffen zu können. Wenn nämlich nicht mehr nur - wie bislang - die Menge der Pollen gemessen wird, sondern auch ihr Allergen-Gehalt, wenn zudem meteorologische Daten mit einbezogen werden, dann "könnten wir bisherige Allergie-Modelle deutlich verbessern".

Und auch die Hyposensibilisierung, die einzig wirksame Therapie gegen Allergien, könnte bald wirksamer werden. Dabei werden die Patienten langsam an das Allergen gewöhnt. "Statt mit Pollen-Extrakten könnten die Ärzte künftig mit den allergenen Proteinen, den eigentlichen Allergie-Auslösern, impfen", sagt Buters. Dadurch könnte man den Patienten wesentlich besser und schneller helfen.

© SZ vom 12.05.2012/tob
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