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Neue Spielzeit der Theater:Schnell, lebendig, jung

Auch wenn man die freie Szene hier beiseite lässt, ist das Spektrum enorm groß. Das gilt auch für die einzelnen Häuser in sich. Mag der Beginn von Kušejs neuer Saison auch so klassisch daherkommen - so wird es nicht weitergehen, das zeigte er ja schon in der vergangenen Saison. Es wäre ja so schön leicht, wenn man sagen könnte: Die einen machen Kunst, die anderen machen Text. Bei den einen weiß man nicht immer, wo oben und unten ist, bei den anderen kennt man sich aus, vielleicht besser, als man will.

Doch Theater funktioniert nicht so, selbst wenn es eine gewisse Sehnsucht nach griffigen Bedienungsanleitungen gibt. Da werden dann gern die Theater gegeneinander ausgespielt, was deren Mitarbeiter am meisten wundert, etwa dann, wenn die Staatsschauspieler im Blauen Haus der Kammerspiele sitzen oder die Kammerspielschauspieler im Kantinenhof des Residenztheaters oder alle zusammen im Volksgarten des Volkstheaters und furchtbar viel miteinander reden.

Natürlich: Im weitesten Sinn folgt Kušej einer gewissen Staatstheatertradition, die nicht erst durch die zehn Jahre unter Dieter Dorn geprägt wurden. Das heißt nicht, dass er konservatives Repräsentationstheater macht; das heißt aber, dass er andere Verpflichtungen gegenüber dem Publikum und vor allem dem schwierig zu bespielenden Residenztheater hat als Johan Simons. Der kann an den Kammerspielen ein bisschen freier agieren. Simons' Theaterbegriff passt ohnehin nicht so ganz ins deutsche Stadttheatersystem; er sucht eine integrale Verbindung der Künste, da kann vieles wunderbar klappen, anderes auch grandios schiefgehen. Und Christian Stückl beweist, dass Theater auch noch ganz anders funktionieren kann, schnell, lebendig, jung.

Für das Publikum ist es seit einem Jahr ohnehin herrlich. Nicht, dass man nur Meisterwerke gesehen hätte. Aber es macht Spaß, ins Residenztheater zu gehen, man kann frische Schauspieler anschauen und danach gut feiern. Es herrscht dort eine Lust, Theater zu machen und das Publikum dazu zu bitten, eine Lust, die Stückl schon seit Jahren vormacht, ohne sich groß Gedanken darüber zu machen. Es gelingt ihm einfach, weil er so ist, wie er ist.

Und in den Kammerspielen weiß man oft nicht so genau, was einen erwartet, das ist eine Aufregung anderer Art. Insgesamt kann man von Hardcore-Poptheater über Textexegese, Sozialkritik, politischen Performances bis zu in Zeitabläufe gegossenen Kunstwerken so ziemlich alles erleben, was Theater kann. Als hätten sich die drei Intendanten abgesprochen. Dabei tun sie nur das, was sie tun müssen.