Neubau des Münchner Hauptbahnhofs Nächster Halt: Neuer Bahnhof

Mit ihrem Entwurf für einen neuen Hauptbahnhof setzten sich die Architekten Auer + Weber durch, dann erschien die spektakuläre Glaskonstruktion der Bahn plötzlich zu teuer. Sie plädierte für einen Zweckbau - und erntete dafür Buhrufe. Nun haben sich Bahn-Chef Grube und das Architekturbüro weitgehend verständigt.

Von Dominik Hutter

Die Verhandlungen über einen Neubau des Münchner Hauptbahnhofs sind offenbar auf einem guten Weg. Nach Auskunft von Bahn-Chef Rüdiger Grube hat das Architekturbüro Auer + Weber seinen Entwurf noch einmal überarbeitet, so dass er nun eher den Vorstellungen der Bahn entspricht. "Wir liegen nur noch ganz wenig auseinander", erklärte Grube am Donnerstag im Presse-Club. "Spätestens im Sommer" werde man wissen, wie Münchens neuer Bahnhof aussieht. Der Zeitplan für den Neubau sei aber von den Finanzierungsverhandlungen für die zweite S-Bahn-Stammstrecke abhängig.

Der neue Münchner Hauptbahnhof soll nach den Plänen des Architekturbüros Auer + Weber gebaut werden.

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"München wird einen tollen Hauptbahnhof bekommen", versicherte Grube, der sich bei einem Treffen mit Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) auf einen gemeinsamen Weg verständigt hat, um das umstrittene Projekt doch noch durchzubringen. Auch Ude zeigt sich optimistisch, den preisgekrönten Entwurf in absehbarer Zeit als reales Gebäude zu sehen. Die geänderten Unterlagen seien inzwischen den Planungssprechern der Stadtratsfraktionen vorgestellt worden. "Ich denke, dass Auer + Weber darauf geachtet haben, ihre architektonische Handschrift zu wahren", erklärte der Oberbürgermeister.

Das Büro Auer + Weber hatte mit seinem Entwurf 2006 einen Wettbewerb gewonnen, die spektakuläre Glaskonstruktion erschien der Bahn dann aber zu teuer. Zum Entsetzen des Münchner Stadtrats hatte ein Bahn-Manager im Mai vergangenen Jahres einen völlig neuen Entwurf für einen Zweckbau präsentiert - und dafür laute Buhrufe der Politiker geerntet. Inzwischen gilt der Bahnhof nach den Plänen von Auer + Weber wieder als Favorit.

"Kurz vor dem Schlussakkord ein großes Gefeilsche"

Er lässt der Bahn auch mehr planerische Freiheit: Denn in der Zwischenzeit haben die Behörden den aus den 50er Jahren stammenden Starnberger Flügelbahnhof unter Denkmalschutz gestellt - er müsste eigentlich erhalten bleiben. "Auer + Weber ist dem Denkmalschutz aber zuvorgekommen", berichtete Ude. In einem solchen Fall gilt Vertrauensschutz - weshalb die Bahn nur bei der Realisierung dieses Entwurfs die Abrissbirne schwingen darf.

Der Hauptbahnhof kann aber nur dann neu gebaut werden, wenn auch das Projekt Stammstrecke in trockenen Tüchern ist. Denn für deren Zugangsbauwerk müssen Teile der Schalterhalle abgebrochen werden - die Bahn will die beiden Baustellen daher unbedingt verknüpfen.

Allerdings ist der Tunnel nach wie vor nicht finanziert, und Grube lehnte es am Donnerstag ab, den zugesagten Eigenbeitrag von 136 Millionen Euro zu erhöhen. Ude ist dennoch zuversichtlich, dass das Geld zusammenkommt. Es sei normal, dass "kurz vor dem Schlussakkord ein großes Gefeilsche einsetzt".