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Neuaubing/Westkreuz:Plädoyer für ein Erholungsgebiet

Politiker fordern, den Grünzug L so schnell wie möglich für die Viertel zu realisieren

Von Ellen Draxel, Neuaubing/Westkreuz

Der Grünzug L auf dem Gebiet der ehemaligen Gotthardtrasse ist einer von 14 innerstädtischen Grünzügen, die die Stadt München seit 1992 entwickeln will. Die Trasse, angesiedelt zwischen dem Paul-Diehl-Park an der Maria-Eich-Straße im Süden und der Langwieder Haide im Norden, soll besonders im Abschnitt zwischen Bodensee- und Aubinger Straße einen Erholungs- und Kommunikationsraum für die Bewohner Neuaubings und der Siedlung am Westkreuz schaffen. Ideen, wie dieser etwa zwölf Hektar umfassende, eineinhalb Kilometer lange und bis zu 350 Meter breite Bereich optimiert werden soll, gibt es: Entstehen könnten Naturbiotop-Flächen, Areale für Freizeit, Sport und Naherholung oder auch für Urban Gardening. Kernstück soll ein durchgängiger Fuß- und Radweg von der Bodenseestraße bis zur S-Bahnstation Leienfelsstraße werden.

Doch es hapert an der Umsetzung. Zwar soll der südliche Eingang auf Höhe der Jugendfreizeitstätte Awo's Fredl von Herbst 2021 an umgestaltet werden. Ein detailliertes Konzept für den gesamten zentralen Grünzug L fehlt aber bislang. Das liege einerseits an dem geplanten Ausbau der S 4 im Norden, der U 5 in der Mitte und der Bebauungsplanungen im Süden, erklärt der Sprecher des Planungsreferats, Ingo Trömer. Momentan fungierten eine Reihe privater Flächen noch als "Sperrgrundstücke", zum Teil seien rund ein Drittel der Flächen in Privatbesitz.

Die Stadtratsfraktion ÖDP/Freie Wähler aber drängt darauf, den Grünzug L "endlich umzusetzen". Die Verhandlungen mit den nichtstädtischen Grundstückseigentümern seien "zu forcieren", heißt es in einem entsprechenden Antrag. Die Verwaltung müsse bei den Verhandlungen mit den privaten Grundstückseigentümern auch "neue Wege gehen": Nicht nur der Ankauf ganzer Grundstücke, sondern auch Erbpacht und verbriefte Wegerechte könnten "Optionen für eine schnelle Umsetzung" sein.

Der Bezirksausschuss Aubing-Lochhausen-Langwied erweitert die Forderungen der Stadträte. Das Gremium hat nun einstimmig einen Forderungskatalog verabschiedet. Dabei geht es um den "Schutz von Flora und Fauna" und die Optimierung bestehender Grünflächen mit dem Ziel, "eine möglichst große Artenvielfalt anzustreben". Die Umsetzung des geplanten Klimaparks soll "weiter vorangetrieben", rollstuhlgerechte Wege beschildert sowie Rad- und Fußwege ausgewiesen werden. Es gelte, dort künftig Baurecht zu unterbinden und das Areal "dauerhaft für eine Erholungsnutzung zu sichern".

Dass die Politiker Druck ausüben, hat mit der Finanzierung zu tun. Denn der zentrale Grünzug L ist Rückgrat des Sanierungsgebiets Aubing-Neuaubing-Westkreuz und wird aus dessen Fördertöpfen mitbezahlt. Doch Sanierungsgebiete sind zeitlich begrenzt: Für dieses Sanierungsgebiet, mit einer Fläche von 350 Hektar und 25 000 Einwohnern eines der größten Europas, läuft die Förderung 2029 aus - sofern die Frist nicht verlängert wird.

Sollten die Verhandlungen mit den privaten Grundstückseigentümern scheitern, so die Stadträte, "wäre eines der wichtigsten Ziele dieses Sanierungsgebiets nicht erreicht und die Chance für einen der wertvollsten Grünzüge Münchens mit seiner wichtigen Nord-Süd-Wegeverbindung auf Jahrzehnte vertan". Im Planungsreferat aber sieht man laut Trömer derzeit keine Chance, schnell zu agieren. "Die oben genannten Schwierigkeiten und die aktuelle Haushaltslage durch die Coronakrise lassen aus unserer Sicht keinen Spielraum für kurzfristige Lösungen."

© SZ vom 19.09.2020

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