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Neuaubing/Westkreuz:Kinder an die Macht

Erst- bis Fünftklässler beeindrucken Stadtteilpolitiker im Münchner Westen

Renata, Alissa und acht weitere Mädchen und Jungen aus den Kindertageszentren (Kitz) im Münchner Westen haben einen Brief geschrieben. Riesengroß und plakativ, adressiert an den Bezirksausschuss Aubing-Lochhausen-Langwied. Am liebsten wären die Schüler alle persönlich in der Sitzung erschienen, um ihre Bitte vorzubringen, zur Vorbereitung haben sie eigens die gesamte, trocken-bürokratisch formulierte Juni-Tagesordnung des Stadtteilgremiums durchgelesen. "Aber das geht natürlich nicht, schon wegen der Uhrzeit", sagt Martina Labenz. Stellvertretend für die Kinder steht jetzt die Koordinatorin für die Arbeit im Kitz-Verbund vor den Lokalpolitikern.

Es ist einer dieser seltenen Höhepunkte in ansonsten eher drögen Bezirksausschuss-Sitzungen. Labenz rollt den Brief aus wie eine kostbare Schriftrolle, es geht um die Finanzierung des Kinder- und Jugendfonds "Lasst uns mal ran". Jeweils 2000 Euro für die Jahre 2015, 2016 und 2017 aus dem Budget-Topf des Bezirksausschusses wünschen sich die Schüler. Für Projekte wie neue Bänke in ihren Treffs, den Ausbau eines Fitnessraums, die Ausgestaltung neuer Spielezonen oder auch die Organisation von Turnieren. "Wir brauchen das Geld, weil es uns hilft", schreiben die Erst- bis Fünftklässler in ihrem Brief, "damit wir etwas haben, das uns an die alten Zeiten erinnert - wenn wir erwachsen sind."

Das Konzept von "Lasst uns mal ran" ist einfach: Wer eine Idee hat, bewirbt sich selbst oder mit Hilfe einer der Jugendeinrichtungen im Viertel um das Geld. Maximal 500 Euro Zuschuss gibt es für ein Projekt, über die Höhe der Finanzspritze entscheidet eine Jury aus jugendlichen Vertretern aller Projektgruppen. Nach der Entscheidung haben die Antragsteller ein halbes Jahr Zeit, ihre Vision in die Tat umzusetzen. Und damit den Stadtteil Stück für Stück zu verändern.

Nicht nur die Kinder- und Jugendbeauftragten im Bezirksausschuss, das gesamte Gremium votiert am Ende einstimmig für diese Möglichkeit der gestalterischen Partizipation. "Jaaaaa", jubelt Labenz. Schmunzeln. . .

© SZ vom 15.07.2015 / eda

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