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Naturkundesammlung:Widerstand gegen Biotopia

Noch bis Ende 2018 soll die Planungsphase für das neue Naturkundemuseum Biotopia dauern.

(Foto: Stephan Rumpf)

Gegner bemängeln geplante Architektur des neuen Museums

Von Martina Scherf

Biotopia soll ein großer Wurf werden. Die Idee eines neuen Naturkundemuseums Bayern in Schloss Nymphenburg, das dreimal so groß werden soll wie das dort bestehende Museum Mensch und Natur, hat die Politik längst überzeugt. "Wir stehen hinter diesem Konzept", betonte Michael Piazolo (Freie Wähler), Vorsitzender des Ausschusses für Wissenschaft und Kunst im Landtag. Alle Abgeordneten, denen Michael John Gorman, der Gründungsdirektor des Museums, am Mittwoch seine Pläne vorstellte, stimmten Piazolo zu. Gegen die Architektur regt sich allerdings nach wie vor heftiger Widerstand. Drei neue Petitionen wurden jetzt im Landtag eingereicht.

Die Voraussetzungen des Standorts seien ideal, erklärte Gorman, der vor zwei Jahren von Dublin, wo er ebenfalls ein Wissenschaftsmuseum geplant hatte, nach München gekommen war. Das Museum Mensch und Natur sei mit 200 000 Besuchern pro Jahr eines der erfolgreichsten Museen in Deutschland. Viele Besuchergruppen müssten abgewiesen werden, weil der Platz fehle. Auch sei bisher nur ein Bruchteil der einzigartigen naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns zu sehen. Und der Park und der benachbarte Botanische Garten böten ideale Bedingungen für aktive Begegnungen mit der Natur. "Im Schlosspark leben allein 200 Vogelarten", sagte Gorman. Vor allem bei jungen Leuten das Bewusstsein für Umweltschutz zu wecken, sei ein Hauptziel des Museums und "das ist heute wichtiger denn je". Dazu solle ein enges Netzwerk mit den vier Regionalmuseen in Nördlingen, Eichstätt, Bamberg und Bayreuth etabliert werden, damit Schüler aus ganz Bayern die Ausstellungen besuchen und selbst in den Laboren forschen könnten.

Gorman betonte, dass man sich immer noch in der Entwurfsphase befinde. Der Architekt Volker Staab aus Berlin sei bereits auf die Bedenken der Kritiker eingegangen, was Farbe und Materialität der Fassade betrifft. Auch das große Eingangsportal sei verkleinert worden. Bis Ende 2018 werde die Planungsphase dauern, 2019 rechne man dann mit der Schließung des Museums und dem Abriss des Anbaus ans Schloss aus den 1960er-Jahren. In der Bauphase, die bis 2024 dauern soll, werde man mobile Labore im Botanischen Garten bespielen und Wanderausstellungen für die Regionalmuseen anbieten.

Die Gegner sind mit dem überarbeiteten Entwurf allerdings keineswegs zufrieden. "Das Schloss ist für ein solch großes Museum der falsche Standort", sagte Elke Wendrich, Mitglied im Denkmalnetz Bayern, der SZ. Sie ist gegen den Abriss des bestehenden Gebäudes. Neven Denhauser, Anwohner und Student der Kunstgeschichte, sagte: "Wenn abgerissen wird, dann muss sich ein Neubau in die Symmetrie des Schlossensembles einfügen." Über die Petitionen will der Landtagsausschuss am 6. Dezember beraten.

© SZ vom 09.11.2017
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