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Nachruf:Stimme Freimanns ist verstummt

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Bärbel Häfele vertrat 27 Jahre lang mit Chuzpe Freimanner Interessen. Die Beisetzung auf dem Friedhof von St. Nikolaus findet nur im engsten Familienkreis statt.

(Foto: privat)

Manche Menschen erheben ihre Stimme und sind dabei einfach nur laut, Bärbel Häfele zählte nicht dazu. Wenn sie das Wort ergriff, dann zwar schon in unüberhörbarem Fortissimo - doch war das eben die Ausdrucksform einer Frau, die mit resolutem Nachdruck für die Interessen der Bürger von Freimann eintrat. 27 Jahre lang, bis zum Frühjahr vergangenen Jahres, war sie für die SPD die herausragende Fürsprecherin ihres Stadtteils im Bezirksausschuss, geschätzt über die Parteigrenzen hinweg für ihr unverstelltes Naturell, ihr brennendes Engagement. Nun ist Bärbel Häfele nach langer Krankheit mit 75 Jahren gestorben.

"Sie war die Stimme Freimanns", würdigte der ehemalige Vorsitzende des Bezirksausschusses, Werner Lederer-Piloty, in der Sitzung des Gremiums seine langjährige Parteifreundin. Als kantig und unverblümt, "mit dem Herz am rechten Fleck", beschrieb er Häfele, die sich vor allem durch ihr soziales Engagement verdient gemacht hat. "Mir geht's gut, ich muss etwas für andere tun", hat sie einmal ihre Lebenseinstellung beschrieben. Und das tat sie mit Elan, teils gegen erhebliche Widerstände. So erhielt die gebürtige Bielefelderin Drohbriefe, als sie Ende der Neunzigerjahre eine kleine Wohnsiedlung für die Freimanner Sinti mit durchsetzte. Jene Menschen, die damals als "Zigeuner" verunglimpft wurden, die keiner als Nachbarn haben wollte - Häfele erhob gut vernehmbar ihre Stimme für sie, wofür sie 2003 den Münchner Förderpreis "Lichtblicke" erhielt - und die Zuneigung und den Respekt vieler Menschen.

© SZ vom 20.11.2020 / smüh
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