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Nach Tierquälerei in Gammelsdorf:100 000 Euro für 31 Kätzchen

Hier wurden die Perserkatzen gehalten: in einem verwahrlosten Haus in Gammelsdorf.

Sie waren völlig verwahrlost und teilweise schwer krank: Im Februar sind 68 Perserkatzen aus einem Haus in Gammelsdorf befreit worden. 31 von ihnen wurden daraufhin im Münchner Tierheim untergebracht und medizinisch versorgt. Nun hat der Landkreis Freising die Rechnung dafür erhalten - und war erstmal entsetzt.

Wenn wegen einer schweren Krankheit eine langwierigen Behandlung notwendig ist oder sogar eine komplizierte Operation, dann fragt in der Regel niemand danach, ob die Kosten, die schnell einen fünfstelligen Betrag ausmachen können, gerechtfertigt sind - Hauptsache, der Patient wird wieder gesund. Wenn es aber um Haustiere wie Hunde, Katzen oder Vögel geht, stellt sich manchmal schnell die Frage. Wie zum Beispiel derzeit im Falle einer Tierrettung im Landkreis Freising.

Das Veterinäramt der Landkreisbehörde hatte Anfang Februar zusammen mit Tierschützern 68 völlig verwahrloste und teilweise schwer kranke Perserkatzen aus einem Haus in Gammelsdorf befreit. Schnell war die Rede von einem "Horror-Haus", da dort sogar mumifizierte und skelettierte Tiere in Schränken aufgefunden wurden. Zehn der geretteten Tiere mussten von Tierärzten sofort eingeschläfert werden.

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Weil der Landkreis Freising kein eigenes Tierheim hat, wurden 31 junge Perserkätzchen ins Tierheim Riem gebracht und 26 nach Landshut. Aus Riem flatterte dieser Tage dem Landratsamt Freising eine Rechnung ins Haus, eine recht hohe Rechnung. 115 000 Euro sollte das Landratsamt zahlen für die Betreuung der Katzen bis Ende Juni, auf 95 000 Euro hat man sich vor kurzem geeinigt. 102 655 Euro alleine waren an Tierarztrechnungen bis dahin aufgelaufen, wie Kurt Perlinger, Vorsitzender des Münchner Tierschutzvereins, sagt.

Insgesamt hätten sich die Kosten sogar auf mehr als 200 000 Euro summiert für die Unterbringung und ärztliche Behandlung der Tiere. Seit Juli seien weitere 30 000 Euro dazu gekommen. Auf etwa 71 000 Euro kämen bisher Unterbringung, Pflege, Nahrung. 90 Prozent entfielen davon auf Personalkosten, sagt Perlinger.

Einen großen Teil der Kosten übernahm freiwillig das Münchner Tierheim. Die Tierarztrechnungen sollte aber der Landkreis Freising tragen, da in dessen Auftrag die Tiere aus dem Haus geholt und damit auch die Verantwortung für die Katzen übernommen wurden. Im Freisinger Kreistag war das Entsetzen groß. 115 000 Euro für 31 Katzen? Was soll bitte schön da so teuer sein? Es sind doch nur Katzen.

Judit Brettmeister, Pressesprecherin des Tierheims München, kann das genau sagen. Die Kosten seien auf Basis einer Vereinbarung mit der Stadt und nach der Gebührenordnung für Tierärzte, kurz GOT, ermittelt worden. Und nachdem man aus Freising nichts gehört habe, wie man mit den Perserkätzchen umgehen soll - das Tierheim sei nur mit der "Verwahrung" der Katzen beauftragt worden -, habe man das Bestmögliche getan, damit die Tiere wieder gesund werden, um sie schnell vermitteln zu können.

Zudem seien die Kätzchen von einem hochaggressivem Pilz befallen gewesen, der auch auf Menschen überspringe. Auch diese Behandlung sei ein langwieriger Prozess gewesen. Das zeigt eine Tierarztrechnungen vom 17. Juli für Kater Boby: Die Perserkatze wurde fast jeden Tag untersucht, unter anderem wegen des multiresistenten Pilzes - für 13,76 Euro am Tag. Dazu kamen Injektionen (zwischen 10,30 und 20,60 Euro), Impfungen, Blutuntersuchungen, Wundbehandlungen, Kastration. Zusammen 3478,77 Euro.

Dem einen oder anderen in Freisings Landkreisbehörde ist bestimmt bei der Summe von mehr als 100 000 Euro der Gedanke durch den Kopf geschossen, ob es denn nicht billiger gewesen wäre . . . Doch man hatte wohl auch gleichzeitig einen anderen Gedanken im Kopf: Was wäre, wenn das heraus kommen würde? Der Aufschrei der Tierschützer wäre gigantisch. Gerettet aus einem Horror-Haus, ermordet von Bürokraten.

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