Nach der Renaturierung:"Ich bin Stammgast an der Isar"

Die SZ hat sich an der Isar umgehört, was die Besucher von dem Ergebnis der Renaturierung halten. Eines schon mal vorweg: Die Isar ist schöner als der LA River.

Michael Ruhland

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Quelle: Stephan Rumpf

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"Man kann besser baden und feiern"

 

Lara, 18, Gymnasiastin und Ilona, 19, frisch gebackene FOS-Absolventin:

Lara: "Ich finde die Renaturierung gut gelungen, man kann besser baden, alles ist weitläufiger geworden, und es ist schön, dass auch noch etwas von der Wiese geblieben ist. Die Stufen sind eine gute Idee, man kann die Füße im Fluss baumeln lassen." Ilona: "Es gibt jetzt mehr Möglichkeiten zu feiern! Was ich doof finde, sind die Isarwachen." Lara: "Doof sind die Leute, die Bierflaschen wegschmeißen. Ich bin einmal in Scherben getreten und musste genäht werden. Müll reinschmeißen geht gar nicht!

Ilona: "Mir gefällt's besser als vorher. Früher saß ich in der Wiese, jetzt bin ich gerne auf den Sitzbänken. Vielleicht hätte man noch einen größeren Strand machen können." Lara: "Wenn's warm ist, bin ich fast immer an der Isar. Ich wohne gleich um die Ecke, und ich gehe viel lieber hierher als ins Freibad. An der Isar ist mehr Natur, und es sind auch viele junge Leute unterwegs, man kann welche kennenlernen."

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"Es ist absolute Lebensqualität"

 

Kerstin Wiegmann, 49, OP-Schwester:

"Ich bin eine Zugereiste und genieße die Isar in vollen Zügen. In meiner Geburtsstadt Hannover kann man die Leine nicht so nutzen. Die Isar bedeutet für mich absolute Lebensqualität. Ich gehe nie ins Schwimmbad. Es ist einfach lässig hier in München: Ich radle den Fluss entlang und stoppe da, wo es mir gerade gefällt. Wenn ich Zeit habe, liege ich gerne in dem Bereich hinter dem Zoo, da ist es urwüchsiger. Wenn ich in der Klinik in Thalkirchen im Bereitschaftsdienst arbeite, ziehen mir oft die Grillwurstdüfte vom Flaucher um die Nase. Das macht dann unheimlich Lust zum Rausgehen. Ich gehe so oft wie möglich an die Isar, selbst wenn ich nur ein Stündchen habe. Anfangs, als die Bauarbeiten begannen, fand ich es nicht so toll. Ich dachte ich, die Bagger würden alles Schöne zerstören. Jetzt finde ich es aber viel besser als vorher, die Steintreppen, die Terrassen - es ist einfach toll gemacht."

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Quelle: Stephan Rumpf

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"Gute Mischung aus Stadt und Wildnis"

 

Ina Tuscher, 23, Studentin der Kulturwissenschaft, mit ihren Cousinen Laura, 4, Julia, 6, und Cousin Michael, 8, sowie Sebastian Kerer, 32, Landschaftsgärtner:

Ina: "Für mich ist die Isar ein Symbol für Entspannung, ich jogge gerne, oft auch mit dem Hund dabei. Früher wohnte ich am Hasenbergl, und obwohl die Isar nicht gerade nah lag, war sie ein Anziehungspunkt für mich."

Sebastian: "Das Ergebnis der Renaturierung ist eine gute Mischung aus Stadt, Naturlandschaft und Wildnis geworden. Früher war die Isar in München in weiten Teilen unzugänglich, und die Strömung war zu stark zum Baden. Jetzt kommt man ran, das gefällt mir! Ich finde es auch richtig, dass man die Isarwiesen nicht touristisch mit Kiosken und Gaststätten ausschlachtet. Das Schöne ist doch, dass jeder den Raum nutzen kann, ob Familien, Jugendliche, alte Menschen - das Publikum ist total gemischt.

Michael: "Mir gefällt's, weil es schön ist."

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"Die Terrassen sind eine Fehlplanung"

 

Joachim H., 27, soeben mit dem Slawistikstudium fertig, und Jovanna G., 26, Ethnolgie-Studentin:

Joachim: "Ich beobachte die Renaturierung seit vielen Jahren. Ich war 16 Jahre alt, als die Bauarbeiten anfingen, wohnte ich an der Menterschwaige. Seit 2005 lebe ich in der Corneliusstraße, bin also gewissermaßen mit der Isar-Renaturierung mitgezogen. Ich finde den Isarplan gelungen, auch der letzte Abschnitt an der Reichenbachbrücke ist mit dem neuen Seitenarm gut gelöst."

Jovanna: "Für mich war die Renaturierung auch immer ein Thema, weil ich in der Nähe wohne. Zuerst war ich sehr kritisch. Ich dachte, es würde nicht so einladend, sondern vielleicht zu wild. Im Endeffekt bin ich aber schon zufrieden. Was mir nicht so gefällt, sind diese gemauerten Terrassen, sie wirken sehr schnell dreckig, und die Leute lassen ihren Müll leichter liegen."

Joachim: "Diese terrassenartigen Ufer mit den großen, gemauerten Steinen sind eine Fehlplanung. Sie sind zum Gehen schlecht, und zu Liegen unbequem."

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"Ursprünglicher und gepflegter"

 

Georg Bogeschdorfer, 70, Rentner, mit seinem dreijährigen Enkel Luis:

"Ich finde die Isar nach der Renaturierung auf jeden Fall schöner als vorher. Schon wenn man auf den Brücken steht, bietet sich einem ein tolles Landschaftsbild. Es kommen auch mehr Leute an die Isar. Ich bin am Auermühlbach in Giesing aufgewachsen. In den fünfziger Jahren sind wir zwischen Wittelsbacher- und Braunauer Eisenbahnbrücke oft in die Isar gesprungen. Wir legten die Kleidung an der Böschung ab, ließen uns von der starken Strömung treiben und liefen dann wieder auf den Wiesen zurück. Jetzt sieht die Isar ursprünglicher aus als früher und zugleich gepflegter. Ich geh' zwar zum Schwimmen ins Prinzregentenbad, weil ich am Max-Weber-Platz wohne. Wenn Besuch kommt, dann müssen wir an die Isar, weil man dort schön spazieren kann. Und heute sagte mein Enkel Luis zu mir: 'Opa, ich will an die Isar, Steine reinwerfen.'"

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Quelle: Stephan Rumpf

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"Ich bin wegen der Isar hiergeblieben"

Maria Cincotta, 33, freiberufliche Lehrerin und Musikerin:

"Ich wohne erst seit fünf Jahren in München, bin aber mit Winston, meinem Hund, längst Stammgast an der Isar. Mit Winston lerne ich so viele Leute kennen, das würde sonst bestimmt nicht funktionieren. Ich finde den Fluss total geil. Es gibt kleine Inseln, Becken zum Planschen, Kiesbänke, Wiesen. In Los Angeles, wo ich herkomme, haben wir zwar einen Strand, der schön ist, aber der LA River ist eine Kloake. Ich wohnte in Brooklyn und wollte wegen Bush weg. So einen Fluss wie München hat keine andere Stadt, die ich kenne. Total cool! Ich wohne in der Au und bin jeden Tag ein, zwei Stunden am Fluss. Genaugenommen bin ich wegen der Isar hiergeblieben, das ist einfach Lebensqualität für Mensch und Hund. Hunde dürfen sogar frei rumlaufen. Mit meiner Band Elcassette haben wir auch schon Videos an der Isar gedreht."

© SZ vom 09.07.11/benK
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