MVG Münchner Nahverkehr gelangt an seine Grenzen

Speziell die Trambahnen sind im ersten Halbjahr 2016 deutlich unpünktlicher geworden.

(Foto: Florian Peljak)

Die Politik muss die Schwierigkeiten bei U-Bahn, Bus und Bahn endlich erst nehmen.

Kommentar von Marco Völklein

Es sind noch keine dramatischen Einbrüche, die die Pünktlichkeitsstatistik der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) da offenbart. Und dennoch ist ein Trend erkennbar - nämlich der nach unten. Bei der U-Bahn leicht schleichend, bei der Trambahn schon deutlicher ersichtlich lässt die Betriebsqualität im Münchner Nahverkehr stetig nach.

"Da fährt doch eigentlich überhaupt nichts mehr pünktlich" - solche und ähnliche Äußerungen hört man von verärgerten Fahrgästen immer wieder. Die jetzt vorgelegte Statistik belegt diese Einschätzungen zumindest in einem ersten Ansatz.

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Umso wichtiger wäre es, dass die Verantwortlichen nun endlich handeln. Seit Jahren steigt mit der stetig wachsenden Einwohnerzahl auch der Druck auf den öffentlichen Nahverkehr. Immer öfter stecken U- und S-Bahnen, die Straßenbahnen und Busse im Stau, immer öfter gelangt das System an die Grenzen der Belastbarkeit.

Ein massiver Ausbau der Netze ist also dringend notwendig; doch vor allem die seit Langem geforderten Tram-Tangentialen, die das U-Bahn-Netz im Zentrum entlasten würden, kommen nicht voran. Auch ein S-Bahn-Ring würde helfen, ebenso eine Stadt-Umland-Bahn in der Münchner Peripherie.

Nahezu ein Skandal ist es in diesem Zusammenhang, dass seit knapp drei Jahren 20 nagelneue U-Bahnen ungenutzt herumstehen, weil es MVG und die Regierung von Oberbayern nicht schaffen, das Zulassungsprocedere unfallfrei abzuwickeln. Dabei werden die Fahrzeuge dringend gebraucht, um dem Münchner Untergrund Entspannung zu bringen.

Die tendenziell sinkenden Pünktlichkeitswerte müssten da eigentlich eine Mahnung sein an alle Beteiligten, jetzt anzupacken und den Weg freizumachen für eine massive Stärkung des öffentlichen Nahverkehrs. Denn nur mit deutlich mehr Bussen und Bahnen wird es gelingen, den Verkehrsinfarkt in dieser boomenden Region noch zu verhindern. Bislang allerdings sieht es eher danach aus, als steuerten alle Beteiligten lieber sehenden Auges direkt darauf zu.