Band der Woche:Übers Älterwerden

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Band der Woche: "Ich wollte schon lange meine eigenen Songs performen, hatte aber nie wirklich Zeit. Ich dachte immer, dass sich das irgendwann ändern wird", sagt Caro Kelley.

"Ich wollte schon lange meine eigenen Songs performen, hatte aber nie wirklich Zeit. Ich dachte immer, dass sich das irgendwann ändern wird", sagt Caro Kelley.

(Foto: Alex Koegh)

In der Pandemie hatte Caro Kelley das Gefühl, ihr Potenzial als Musikerin würde mit jedem Tag schrumpfen. Also schrieb sie einen Song darüber.

Von Anastasia Trenkler, München

Frauen haben in der Musikbranche weniger Zeit als Männer. Das wurde Caro Kelley in den vergangenen anderthalb Jahren immer mehr bewusst. "Wenn man als Musikerin Karriere machen will, scheint es wichtiger zu sein, jung und schön zu bleiben, als weiser, freundlicher und erfahrener zu werden", sagt die Singer-Songwriterin. In der Pandemie habe sie das Gefühl gehabt, ihr Potenzial würde mit jedem Tag schrumpfen - und eben in dieser Zeit schrieb Caro "Pages": einen Song über das Älterwerden. Das Cover-Artwork ist eine Mischung aus Fotoalbumseite und Geschenkverpackung: Zerfleddertes Papier, das in die Jahre gekommen ist, mit liebevoll platzierten Stickern, Stempeln und einem Kinderfoto, das sie mit ihrem Vater zeigt.

Als Caro vier Jahre alt war, kauften ihre Eltern ein Klavier. "Eigentlich wollte mein Papa das Instrument lernen, doch weil das Erwachsenen schwerer fällt als Kindern, sollte ich diesen Wunsch für ihn erfüllen", sagt sie. Der klassische Klavierunterricht habe ihr nie richtig Spaß gemacht. Erst als Caro anfing, Jazz-Piano zu spielen und in Bigbands zu singen, erkannte sie: "Musik ist mein Ding. Das ist das, was ich machen möchte."

Dennoch sollten noch einige Jahre vergehen, bis Caro ihre Karriere als Solo-Künstlerin anging. Für das Studium der Jazzmusik zog sie aus ihrer Heimatstadt Dayton in Ohio nach Kentucky, lebte später in Arkansas und in Wien. Caros ehemalige Wohnorte spiegeln sich auch in ihrer Musik wieder: Unangestrengt kombiniert sie Elemente aus dem Jazz mit Folk, Indie-Rock und Americana - spielt eingängige Melodien, die ihre ebenso energie- wie gefühlvolle Stimme tragen. Eine Job-Zusage brachte Caro vor sechs Jahren schließlich nach München. "Ich bin super glücklich. Hier ist meine musikalische Familie", sagt die Künstlerin. Caro ist Teil der Münchner Bands Malon Way und Peter and the Lost Boys. Sie singt, schreibt Songs, spielt Klavier und seit drei Jahren auch Banjo.

Vergangenen Februar dann erschien ihre erste Solo-Single, gefolgt von ihrer Debüt-EP "Another Thing Dear". "Ich wollte schon lange meine eigenen Songs performen, hatte aber nie wirklich Zeit. Ich dachte immer, dass sich das irgendwann ändern wird", sagt Caro. Erst die langen Lockdown-Monate ohne Proben und Auftritte machten ihr klar, dass ihr "irgendwann" als Ziel nicht mehr ausreichte. Also machte sich Caro im vergangenen Jahr selbständig, konzentriert sich seitdem voll und ganz auf die Musik. Ihre nächste Single "Happy Now" erscheint am 19. November - ein Lied, das ihr zufolge poppiger und weniger persönlich ist als "Pages".

Caro Kelley

  • Stil: Indie-Pop, Singer-Songwriter
  • Besetzung: Caro Kelley
  • Aus: Ohio, USA, jetzt München
  • Seit: 2021
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