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Musik-Festival "Adevantgarde":Grenzenloses Klangvergnügen

Stimmforscher: Die Gruppe "The Hercules and Leo Case" beim Konzertabend „Der neue Hoagartn“.

(Foto: Mehmet Birinci)

Ein Festival, das von jungen und jung denkenden Komponisten kuratiert wird: Bei "Adevantgarde", das nun wieder vor Publikum in München stattfindet, kommt es an verschiedenen Orten zu mehreren Uraufführungen.

Von Rita Argauer

Grenzen wurden den Kunstschaffenden im vergangenen Jahr gesellschaftlich schmerzhaft, abrupt und voller Härte gezeigt. Grenzen der Wahrnehmung und der Wertschätzung, Grenzen des Machbaren und Grenzen der Vernunft. Es ist also irgendwie nur konsequent, dass das Adevantgarde-Festival, das nun dieses Jahr so unverhofft doch live vor Publikum stattfinden kann, die Grenzen zum Thema erhebt. Traumatherapie quasi. Wobei: Grenzen können, rein künstlerisch gesehen, ja auch etwas sehr Befruchtendes sein. Erst die Form, die stilistische Begrenzung oder zeitliche Vorgaben können manche Werke zu Geniestreichen konzentrieren. Oder Beethoven: Wenn der nicht so viel mit und gegen die klassische Form gearbeitet hätte, würde seiner Musik eine ganze Menge an innerer Spannung abgehen.

Also zum Programm dieses Festivals, das von jungen und jung denkenden Komponisten kuratiert wird und nun von Donnerstag, 3., bis Sonntag, 13. Juni, stattfindet. Man startet mit einem aus dem vergangenen Jahr nachgezogenen Vorkonzert namens "Der neue Hoagartn" im Einstein Kultur. Künstler wie Caio de Azevedo, Narine Khachatryan, Tobias PM Schneid, Jakob Stillmark, Alexander Strauch, Jörg Widmann oder Peter Wittrich zeigen Teile bestehender, neuer oder geplanter Projekte. "Music for lost places" heißt tags darauf die erste offizielle Veranstaltung. Im Mucca auf dem Kreativquartier gibt es Uraufführungen von Jakob Stillmark, Caio de Azevedo und Philipp C. Mayer.

Stärker zeigt sich das Grenzthema in "Viola Unlimeted", einem Konzert von Viola-Solist und Komponist KP Werani, der Werke präsentiert, die durch den Einsatz von Elektronik die Möglichkeiten der Klangnuancen erweitern (Dienstag, 8. Juni, Schwere Reiter). Hinzu kommen Tage- und Logbuch-Vertonungen von Nélida Béjar, Gordon Kampe, Katharina Schmauder, Fredrik Schwenk und Alexander Strauch und ein Schlagzeugschwerpunkt mit der Schlagzeugklasse Alexej Gerassimez.

Dass in diesen unplanbaren Zeiten ein solches Festival so zielgerichtet nun doch vor Publikum stattfinden kann, ist so überraschend wie schön; genauso wie die zwei großen Kooperationen, die es bei der Adevantgarde in diesem Jahr gibt: Der BR-Chor sing Werke über das Einende und das Trennende am Samstag, 12. Juni, im Museum für Abgüsse Klassischer Bildwerke. Und das Münchener Kammerorchester widmet sich unter dem Motto "(No) Borders" verschiedenen Grenzgängen der Geschichte mit der Gastsolistin Verena Marisa am Theremin. Das elektronische Instrument wird berührungslos gespielt, der Klang mit Handbewegungen über ein Magnetfeld gesteuert (Sonntag, 13. Juni, Schwere Reiter).

Adevantgarde, Donnerstag, 3. bis Sonntag, 13. Juni, alle Informationen zum Programm und Karten unter adevantgarde.de

© SZ vom 02.06.2021/van
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