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Münchner Momente:Smartphone in Nöten

Wenn das Handy sich ausgerechnet am Tag des Notrufs selbständig macht, kann es den Besitzer ganz schön in Bedrängnis bringen

Glosse von Julian Hans

Über die schädliche Wirkung des Smartphones auf Partnerschaften ist einiges geschrieben worden: Es zieht zu viel Aufmerksamkeit auf sich, wird öfter angesehen als der Partner und auch öfter angefasst und gestreichelt. Dass das der Liebe zwischen den Besitzern solcher Geräte nicht zuträglich ist, muss man nicht lange erklären.

Selten wird indes darüber nachgedacht, wie sich die viele Aufmerksamkeit umgekehrt auf die Geräte auswirkt. Immerhin sollen sie ja sehr intelligent sein. Dauernd angeglotzt und befummelt zu werden, kann zu Überreiztheit und Abstumpfung führen. Dann reagieren sie mitunter einfach gar nicht mehr. Wer das schon erlebt hat, weiß, wovon die Rede ist: Wenn alles Tatschen auf den Touchscreen ignoriert wird, hilft nur noch, die einzigen echten Knöpfe seitlich am Gerät gleichzeitig zu drücken.

Blöd nur, wenn man statt des erwünschten Neustarts damit einen Notruf auslöst. Immerhin stehen auf den Missbrauch von Notrufen bis zu zwei Jahre Haft. Was tun? Auflegen geht nicht, der Touchscreen reagiert nicht. Also gleich ein umfassendes Geständnis ablegen: "Das ist kein Notruf. Mein Handy hat von allein angerufen. Bitte legen Sie einfach auf, ich kann es leider nicht".

Zum Glück war gerade Tag des Notrufs, der 11. Februar - 112. Hat das intelligente Gerät in einem Akt des Eigensinns etwa entschieden, zu gratulieren? Die Münchner Feuerwehr begeht den Tag mit einem "Twittergewitter" und berichtet live von ihren Einsätzen: Junge Menschen stürzen beim Rodeln, übergewichtige Menschen müssen mit dem Kran aus ihrer Wohnung geholt werden und eine Plastikplane aus der Isar.

Einen erfahrenen Leitstellendisponenten überrascht der eigenständige Anruf eines Smartphones nicht. "Was ist es denn für ein Modell?", fragt er mit ruhiger Stimme. "Hm, den Akku könnens da ja ned rausnema. Aber suchens mal im Internet, da gibt's bestimme eine Lösung". Im Twittergewitter taucht dieser Notruf dann gar nicht auf. Fast ein bisschen schade. Aber besser als Knast.

© SZ vom 15.02.2021
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