Münchner Momente:Auf ein Bier zu BrewsLi

Wer Kunden locken möchte, muss Aufmerksamkeit erregen. Dabei kann aber auch so einiges schief gehen, wie ein Blick auf die Münchner Gastrobranche zeigt

Einen guten Namen zu finden ist schwierig. München wird seit Jahren zunehmend bevölkert von Bens und Emmas. Doch nirgendwo ist die Namensfindung offenbar schwerer als in der Gastronomie. Gerade hat ein Gasthaus namens "BrewsLi" eröffnet. Wem das schon komisch vorkommt, dem sei ein digitaler Rundflug bei einem der zahlreichen Landkartenanbieter im Internet empfohlen. Die Namenslandschaft gibt ja immer auch Hinweise, wie es um den Humor in einer Gegend bestellt ist. An der Rosenheimer Straße beispielsweise lassen sich auf wenigen Metern ein China-Restaurant finden, das "Jackie Chan" heißt, ein Süßspeisengeschäft, das als "Milchreise" firmiert, und ein Schlafzimmerausstatter, der seine Produkte unter dem Namen "Macbett" offeriert. Witzig? Schrecklich? Auf jeden Fall: einprägsam. Und darum geht es bei Ladennamen schließlich auch. Wobei manche es sich da sehr einfach machen.

Für Kneipen- oder Restaurantnamen sind Zahlen ein beliebtes Stilmittel, angefangen bei der "Schwabinger 7" über das "Klenze 17" bis zu Nachzüglern wie etwa dem "Barer 61" oder der "Königin 43". Das ist nicht besonders lustig, dafür aber hilfreich beim Aufspüren der Lokalität. Andere machen es spannender, das "Schwabing West" muss man ein bisschen suchen. Wieder andere sagen nur: "Ich brauche einen Namen für meinen Laden? Ich habe doch schon einen!" Und dann heißen sie "Schumann's" oder "Schorsch Bar".

Die ganze Welt des Kaufbaren ist voller Witzleichen. Es gibt Erdnusspackungen, die "Pinats" heißen und ein Bier namens "Arschlecken 350". Es gibt Firmenslogans wie "Der beste Sport ist der Biertransport" oder "Heiz Age". Aber Bars haben es besonders schwer. Der Name soll einladend sein und erklärend und im besten Fall auch noch anregend. Die "Cordo Bar" erfüllt davon einiges, aber die "Snäccident Bar" oder die "Slurp-Nudelbar"? Doch, all das gibt's - ebenso wie die "S-Bar", das "S-Zimmer", das "Café von & zu", das "Cucurucu" (im Lockdown "Cucuru zu") oder "KvR" (Kapitales vom Rind), "Hippocampus", "Das Kulinariat" und der "Dalmatiner Grill". Auffallend lange schon im Geschäft: das "Nage & Sauge". Die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und die Beispiele sind ohne Wertung der gebotenen Leistungen ausgewählt. Denn der Autor löst sich an dieser Stelle von den Banden der Cronistenpflicht - und seine eigene Bar würde er selbstverständlich "Crokodil", "Crocktailbar" oder "Cronkorken" nennen.

Von Philipp Crone

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