bedeckt München
vgwortpixel

Münchner Märkte:Der Schwabinger Standlstreit

Eine Initiative sammelt seit drei Monaten Unterschriften gegen einen Abriss und Neubau der Hütten am Elisabethmarkt.

(Foto: Catherina Hess)

Für viele Münchner gehören die Märkte der Stadt zum Lebensgefühl. Was passiert, wenn sie dieses bedroht sehen, lässt sich eindrücklich am Elisabethmarkt beobachten.

Es geht beschaulich zu am Elisabethmarkt. Vor dem kleinen Kaffeeladen sitzen zwei junge Frauen in der Sonne und nippen am Cappuccino, beim Obsthändler vorne hat sich eine kleine Schlange gebildet, auf der Holzbank neben dem Spielplatz sitzt ein junger Mann im Schatten eines Ahorns und liest in einem Buch. Eine Idylle in der Großstadt, wie es scheint. Doch Stephan Haiker steht vor seinem kleinen Biokäseladen und schüttelt den Kopf. "Es ist ein Mythos, zu behaupten, der Markt wäre romantisch und wunderbar", sagt er.

Seit zwölf Jahren hat er seinen Laden in einer der kleinen Hütten, der Alltag des Händlers ist alles andere aus als idyllisch. "Der Markt ist rezessiv", sagt er. Die Umsätze gehen zurück. Es fehlt an Lagerflächen, an Platz für eine Kühlung, an Raum, um die Waren besser zu präsentieren. "Man kann das wesentlich schöner hier machen", meint Haiker. Genau das will die Stadt auch tun. Die alten Hütten sollen abgerissen werden und ein neues Marktensemble soll auf dem Platz entstehen. Doch genau das sorgt für Ärger.

Altstadt Händler am Viktualienmarkt: "Wir sanieren jetzt jede Hütte"
Märkte

Händler am Viktualienmarkt: "Wir sanieren jetzt jede Hütte"

Oberbürgermeister Dieter Reiter hat den Abriss des Marktes am Wiener Platz gestoppt, nun sind auch die Händler auf dem Viktualienmarkt in Hochstimmung. Dabei ist über dessen Zukunft noch gar nicht entschieden.   Von Heiner Effern und Birgit Lotze

Eine Initiative sammelt seit drei Monaten Unterschriften gegen einen Abriss und Neubau der Hütten, damit "der Flair und der besondere Charme dieses geschichtsträchtigen Schwabinger Platzes erhalten bleibt", wie es in einer Petition an den Stadtrat und den Westschwabinger Bezirksausschuss heißt. "Die Bürger von Schwabing", so schreibt die Initiative "Pro Elisabethmarkt", fordern, dass die Stände bleiben - "und zwar in ihrer jetzigen Form und an ihrem jetzigen Standort".

Der Initiator der Initiative, Hubertus von Medinger, hat nach eigenen Angaben 13 000 Unterschriften beisammen, dazu kommen 1500 Unterzeichner einer Online-Petition und womöglich noch viele weitere Unterstützer, "denn viele Freiwillige haben sich gemeldet und von uns Unterschriftenlisten angefordert", teilt von Medinger mit. Der Zorn scheint groß zu sein über die Abrisspläne der Stadt. "Alles Alte zu entfernen, heißt uns zu entwurzeln", schreibt ein Unterzeichner der Petition.

Nach Angaben der Initiative soll ein Drittel der Händler des Elisabethmarkts für eine behutsame Sanierung der Gebäude sein, lediglich drei explizit für die Abrisspläne, der Rest halte sich bedeckt. Stimmt nicht, sagt Käsehändler Haiker. Bei der jüngsten Sitzung der Standlbetreiber sei keiner der Anwesenden gegen den Neubau des Markts gewesen, allerdings sei auch nur die Hälfte der Betroffenen bei der Veranstaltung gewesen. Er glaubt, dass einige Händler die Entwicklung einfach hinnehmen.

Die derzeitigen Pläne sehen vor, dass neun Pavillons entstehen sollen, asymmetrisch angeordnet, je zwei oder drei Stände sollen Inseln bilden. Kein Häuschen soll wie das andere aussehen, künftig soll vieles unterirdisch angesiedelt werden: Stellplätze für Händler plus Lagerräume in einer Tiefgarage. "Das ist doch das Geniale: Wir gewinnen durch die Tiefgarage oben Freiräume für Grünflächen", sagt Kommunalreferent Axel Markwardt. Er versichert, dass die Pläne für den neuen Markt "liebevoll austariert" werden, "damit etwas Vernünftiges herauskommt".

Haidhausen Marktstände am Wiener Platz dürfen bleiben
Haidhausen

Marktstände am Wiener Platz dürfen bleiben

Nach einem Ortstermin wirft Oberbürgermeister Dieter Reiter die Pläne seiner Verwaltung über den Haufen - die Stände sollen nun doch nicht abgerissen werden.   Von Franz Kotteder

Der Kommunalreferent ist zugleich oberster Chef der Markthallen München, die damit beauftragt sind, alle vier Münchner Märkte zu sanieren oder umzubauen. Als Grund werden von städtischer Seite immer wieder EU-Vorschriften und Brandschutzauflagen genannt. Als Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) im Frühsommer verkündete, dass die Stände am Wiener Platz doch nicht wie geplant abgerissen und neu aufgebaut, sondern saniert werden sollen, witterten Kritiker einen Skandal. Die Argumente der Stadt "taugen nicht als Begründung für den Abriss" des Elisabethmarkts, schreibt von Medinger auf Facebook.

Beim Elisabethmarkt habe es natürlich auch Überlegungen gegeben, die alten Häuschen zu sanieren. "Aber wenn man saniert und die hygienischen Verhältnisse verbessern will, muss man Verkaufs- oder Lagerflächen wegnehmen", sagt Markwardt. Franz Sageder, der auf dem Markt seit 19 Jahren eine Metzgerei betreibt, glaubt das nicht so recht. "Man könnte das sicherlich auch anders regeln", sagt der Befürworter einer Marktsanierung.