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Münchner Innenstadt:Wie sieht das Konzept aus?

Noch liegen die begehrten Flächen brach - welche Läden einmal in der Alten Akademie ihre Waren anbieten werden, ist nicht bekannt.

(Foto: Robert Haas)

Faltlhauser schwebte ein Verkaufsmodell vor, das schon bei zwei anderen staatlichen Immobilien in der Innenstadt praktiziert worden war. Bei den Maximilianshöfen hat der Investor - ein amerikanischer Immobilienfonds - die letzte Baulücke an der Maximilianstraße geschlossen und dahinter einen Bürokomplex errichtet. Als Auflage musste der Investor das Probengebäude der Oper finanzieren. Außerdem nahm der Freistaat durch den Verkauf eine hohe Millionensumme ein.

Beim Projekt Alter Hof, der ehemaligen Kaiserresidenz, konnte der Investor (Schörghubers Bayerische Hausbau) die historisch nicht wertvollen Gebäude abbrechen und ein neues Bauwerk errichten. Dafür musste der Investor die Sanierung der denkmalgeschützten Komplexe im Ensemble übernehmen. Außerdem war ein Erbpachtvertrag mit dem Freistaat für den Neubau-Komplex abzuschließen.

Die Alte Akademie, betonte Faltlhauser, sollte nicht zur Gänze auf dem Immobilienmarkt verwertet werden. Dies verbiete die Geschichte des Ensembles. Es war ehedem das geistige Zentrum Bayerns und Mittelpunkt der Gegenreformation, und es sei immer auch ein wissenschaftlich besonderer Ort im Herzen Münchens gewesen. Also: Ein Investor bekommt den Großteil der Alten Akademie, eine bedeutende Fläche soll aber auch zu einem Wissenschaftszentrum werden, vom Investor finanziert. Bildungseinrichtungen hätten ein Forum, auf dem sie sich präsentieren könnten.

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Planungsrechtliche Vorgaben

Zu der Zeit wurde auch der Stadtrat aktiv und beschloss planungsrechtliche Vorgaben, falls es zum Verkauf kommen sollte. Wesentliche Elemente waren: Auf die denkmalrechtlichen und historischen Belange und Grundstrukturen sollte große Rücksicht genommen werden. Der Stadtrat wollte unter anderem auch einen bestimmten Wohnanteil und einen Architektenwettbewerb für das Projekt. Diese Vorgaben gelten bis heute.

Falthauser war bis 2007 bayerischer Finanzminister. Nach seinem Ausscheiden aus dem Kabinett wurde es ruhig um die Alte Akademie. Die Idee des Wissenschaftszentrums zerschlug sich. Seine Nachfolger Erwin Huber und Markus Söder äußerten sich nicht weiter. Von kultureller Nutzung ist längst nicht mehr die Rede. Dass es dem Investor in erster Linie darum geht, dass sich sein teures Projekt auch rechnet, liegt auf der Hand.

Die Schwierigkeiten lassen sich nur erahnen

Für Außenstehende lassen sich die Schwierigkeiten des Umbaus nur erahnen: Wie kann man eine solche Megabaustelle mit der Abfolge von Gebäuden und Höfen im rückwärtigen Bereich sowie der zentralen Lage in der Fußgängerzone überhaupt managen? Wie passen moderne Wohnungen mit Balkonen und Dachterrassen zum Bild der Alten Akademie und wie sehen die Zufahrten zur Tiefgarage aus? Wie und wo platziert man die Einzelhandelsflächen? Und das alles, ohne in die Substanz des Denkmalschutzes einzugreifen und ohne den geschichtsträchtigen Hintergrund oder das Stadtbild zu verletzen?

Die Alte Akademie ist ein herausragendes Beispiel für den Konflikt, um den es in der Innenstadt immer wieder geht. Einerseits sind Weiterentwicklung, Modernisierung und die Reparatur des Stadtgefüges wünschenswert. Wenn am Ende aber bloß noch eine hohe Rendite zählt, geraten der besondere Charakter und die kulturelle Identität der Stadt schnell in Gefahr.