Münchner Innenstadt:"Der Immobilienmarkt ist der beste in Deutschland"

Lesezeit: 5 min

Blick vom Sonnenkarree-Hochhaus, Sonnenstraße Ecke Josephspitalstraße

Günter Manuel Giehr ist Immobilienchef der Meag, die in der Altstadt zehn Immobilien besitzt.

(Foto: Florian Peljak)

Wer in München Immobilien besitzt, genießt, schweigt - und verkauft nicht. Zum Leidwesen der Spekulanten. Ein Blick in die Welt von Günter Manuel Giehr, den Immobilienchef der Meag, die in München ein Imperium von vielen Milliarden verwaltet.

Von Anna Günther und Katja Riedel

Wenn Günter Manuel Giehr seinem Sonnenkarree aufs Dach steigt, dann blickt er über ein Häusermeer. Oben die Sonne am strahlendblauen Himmel, unten die Dächer der Münchner Altstadt. Giehr ist Immobilienchef der Meag, sie verwaltet das Vermögen der Münchner Rück und weiterer Versicherungen der Ergo-Gruppe.

Seit fünf Jahren verantwortet Giehr als Geschäftsführer die Immobilien: Neun Milliarden Euro muss er so anlegen, dass sie langfristig, in 50, in 100 Jahren, eine stabile Rendite abwerfen. "München bietet eine Armut an Überraschungen", sagt Giehr. "Deshalb ist der Münchner Immobilienmarkt der beste in ganz Deutschland, viel besser als Berlin, wo es zwar mehr freie Flächen gibt, aber auch mehr Unsicherheit."

Wer hier ein Haus besitzt, hat alles richtig gemacht

Vier Milliarden Euro haben die Versicherer darum in Münchner Stein, Zement und Beton angelegt. Zehn dieser Immobilien stehen in dem engen Kreis, den die Münchner Altstadt beschreibt, das Sonnenkarree an der Ecke Josephspital-/Sonnenstraße ist eines davon. Zehn Immobilien - so viel kann kaum ein Eigentümer in der engen Münchner Altstadt zwischen Briennerstraße und Sendlinger Tor, zwischen Isartor und Stachus sein Eigen nennen.

Wer hier ein Haus besitzt, hat alles richtig gemacht, wer den richtigen Zeitpunkt versäumt hat, kann es nicht nachholen. Denn wer einmal etwas hat, besonders in den 1 a-Geschäftslagen von Neuhauser-, Kaufinger-, Sendlinger-, Maximilians- und Theatinerstraße, der gibt es so leicht nicht wieder her.

Je niedriger die Zinsen, je mehr Geld auf dem Markt, desto attraktiver sind Immobilien. Ein Quadratmeter Fläche in der Neuhauser Straße kostet mehr als 80 000 Euro zum Kauf; vor fünf Jahren waren es noch 50 000. Und das hat auch Folgen für diejenigen, die Ladenmieten zahlen: Durchschnittlich 360 Euro beträgt die Miete, ebenfalls pro Quadratmeter. Dass diese Preise gezahlt werden, macht die Häuser noch attraktiver, der Anreiz, zu verkaufen, sinkt.

Mitgehen können vor allem Spekulanten - Günter Manuel Giehr von der Meag kann es nicht mehr. 2004 haben sie das letzte Haus in der Innenstadt gekauft, es steht in der Prannerstraße. 2001 ein Kauf, genauso 1998. Inzwischen sieht Giehr kaum noch eine Chance, bei Liebhaberobjekten zum Zuge zu kommen: "Gern hätten wir das Palais an der Oper gekauft - aber das war zu teuer", sagt er. 1 a-Adresslage, beste Instandhaltung, hoher Anteil Grundstückswert, wer weiß, was sich daraus in 100 Jahren machen ließe? Das fand auch ein russischer Fonds, der zum Zuge kam.

Ähnlich bei der Alten Akademie, wo der österreichische Entwickler René Benko mit seiner Signa bei mutmaßlich ausländischen Anlegern genügend Geld eingesammelt hatte, um vom Freistaat das Recht zu erkaufen, diese begehrte Fläche in der Neuhauser Straße neu gestalten zu dürfen.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema