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Münchens Nein zur dritten Startbahn:Mia san Mia

Man darf den Bürgerprotest, der aus dieser Haltung erwächst, aber nicht ignorieren. Denn hier zeigt sich eine neue Form der Bürgerbeteiligung, des gesellschaftlichen Engagements, aber auch des Konservatismus. Wenn Bürger sich gegen Groß- und Größtprojekte wehren, sind sie jedenfalls im besten Sinne konservativ: Sie wollen ihre Heimat, die ihnen Halt gibt, bewahren; sie lehnen den Fortschritt nicht völlig ab, aber sie wollen, dass es behutsamer vorangeht.

Dass diese Fortschrittsskepsis in Teilen des Bürgertums sich ausgerechnet in München so deutlich offenbart hat, mag manche überraschen. Denn die bayerische Landeshauptstadt galt nicht erst seit Edmund Stoiber, dem Wirtschaft über alles ging, als der ökonomische Hot Spot der Republik; als deutsches Silicon Valley; als Standort von vielen Dax-Konzernen und noch mehr trendigen Neugründungen; als Vorbild für andere Städte des Landes, nicht zuletzt Berlin.

Andererseits sind die Münchner Bürger sich oft auch selbst genug. Sie lieben es zu leben und leben zu lassen; sie wirken bisweilen selbstgefällig und - eine Folge des jahrzehntelangen Booms - auch mehr und mehr saturiert. Auswärtigen erscheinen sie deshalb bisweilen als arrogant, aber die Münchner schert das nicht, sie kontern mit einem: "Mia san mia" - wir sind wir. Dass ausgerechnet der FC Bayern sich diesen Slogan auf seinen Plakaten, Webseiten und Emblemen zu eigen gemacht hat, zeigt übrigens die ganze Zwiespältigkeit der Münchner: Sie wollen sich ihre Heimat bewahren, aber zugleich die Besten sein. Beides passt, wie man gerade im Fußball und nun auch beim Bürgerentscheid gesehen hat, nicht immer zusammen.

"Mia san mia" - dieser Satz kündet von Bodenständigkeit. Letztlich könnten ihn auch die Wut- und Wohlstandsbürger in Stuttgart, Frankfurt oder Berlin übernehmen. Auch sie wollen, dass es ihnen gutgeht, aber sie wollen nicht Wohlstand um jeden Preis.