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Münchens Nein zur dritten Startbahn:Wohlstand ja, aber nicht um jeden Preis

Die Münchner haben den Bau einer dritten Startbahn am Flughafen verhindert. Aber sie sind keine Wutbürger, sondern wollen einfach keinen Wohlstand um jeden Preis - getreu dem Motto: "Mia san mia".

Als in Stuttgart über Monate hinweg Zehntausende Menschen auf die Straße gingen, war schnell der Begriff vom Wutbürger geboren. Denn diejenigen, die gegen den neuen, unterirdischen Bahnhof protestierten, gegen Stuttgart 21, kamen aus der Mitte der Gesellschaft; es handelte sich in der Mehrheit nicht um Berufsdemonstranten, die schon durch Sitzblockaden gegen Wackersdorf, Brokdorf oder Gorleben geübt waren.

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Am Sonntag haben die Münchner Bürger überraschend deutlich gesagt, was sie von der Erweiterung des Flughafens, von diesem ehrgeizigen Wachstumsprojekt in ihrer schönen, wohlhabenden Heimat halten - nämlich nichts.

(Foto: iStockphoto/Oliver Raupach)

In München, wo die Bürger am Sonntag den Bau einer dritten Startbahn für den Flughafen verhindert haben, gab es diese Wut nicht. Ja, man hatte in den vergangenen Wochen bisweilen den Eindruck, als interessiere sich der gemeine Münchner mehr für die neue Biergartensaison oder das Champions-League-Finale als für den Bau einer neuen Piste weit draußen im Erdinger Moos. Doch am Sonntag haben die Münchner Bürger überraschend deutlich gesagt, was sie von der Erweiterung des Flughafens, von diesem ehrgeizigen Wachstumsprojekt in ihrer schönen, wohlhabenden Heimat halten - nämlich nichts.

Das Nein zur dritten Startbahn, die aus dem Flughafen Franz Josef Strauß einen Airport gemacht hätte, der so groß wäre wie der in Frankfurt am Main heute - dieses Nein wurde mehrheitlich nicht von Wut getrieben, sondern es kam vor allem von Wohlstandsbürgern, die meinen, München gehe es doch schon gut genug.

Warum, so fragen sie, soll diese Metropole weiter wachsen? Warum sollen noch mehr Unternehmen herziehen, wo es schon Siemens und Microsoft, BMW und General Electric gibt? Warum soll der Großraum noch größer, warum das Umland weiter zersiedelt werden? Warum sollen entlang des Autobahnrings, der München umschlingt, noch mehr praktische, aber hässliche Megamarkt-Ansammlungen entstehen, wie man sie einst nur aus den USA kannte? Und warum sollen noch mehr Menschen hier landen, die noch mehr Geld mitbringen, wenn am Ende bloß die Mieten weiter steigen und die Gentrifizierung ganzer Stadtviertel voranschreitet?

Die Münchner haben, auch wenn sie nicht monatelang demonstriert haben, letztlich ähnliche Fragen gestellt wie die Bahnhofsgegner von Stuttgart, wie die Flughafengegner von Frankfurt oder wie die Bürger im vornehmen Südwesten Berlins, die dagegen protestiert haben, dass die Einflugrouten für den neuen Großflughafen über ihre Gärten führen. Sie alle fragen sich: Muss das sein?

Sie alle wollen sich ein Stück Heimat und Geborgenheit bewahren, zumal in einer Zeit, in der die Welt finanziell am Abgrund steht. Diesen Menschen, die aus der Mitte des Bürgertums kommen, fällt es schwer, ständig neuen Wohlstandsversprechen zu folgen, die von Politikern und Unternehmensführern verbreitet werden. Sie stemmen sich nicht bloß gegen einzelne Großprojekte vor ihrer Haustür (und der Münchner Flughafen ist ja nicht mal vor ihrer Haustür), sondern auch gegen einen übertriebenen Fortschrittsglauben.

Deshalb haben die Bürger in Stuttgart, Frankfurt oder Berlin protestiert; deshalb gibt es die Occupy-Bewegung; und deshalb verfängt es auch nicht mehr, wenn eine liberale Partei wie die FDP viel über Wachstum schwadroniert, aber nur noch wenig über Bürgerrechte redet. Man kann diese wachstumskritische Haltung bemängeln und ablehnen, weil es ja auch darum gehen muss, wo und wie Arbeitsplätze entstehen.