Münchens junge Kreative:Ein Müllsack voll mit Kunst

Lesezeit: 1 min

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(Foto: Stephan Rumpf)

Wo arbeiten Münchens junge kreative Köpfe? Wir haben sie an ihren Arbeitsplätzen besucht und ihnen über die Schulter geschaut. Heute: Lisa Kohler

Von Luca Lang

Mit einem Müllsack kam Lisa Kohler, 27, vor vier Jahren an die Münchner Kunstakademie. Darin ihre Bewerbungsmappe in Form von Zigarettenschachteln, in die sie kleine Modelle gebaut hatte. "Wenn es mit der Bewerbung nicht klappt, bin ich wenigstens die mit dem Müllsack", erzählt sie heute. Es hat geklappt. Seitdem studiert Lisa Bühnenbild und Kostümdesign, aktuell im achten Semester.

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(Foto: Stephan Rumpf)

Von kleinen Modellen, über mechanische Bauteile, bis hin zu Elementen von Bühnenbildern im Maßstab eins zu eins. Lisa baut in ihrem Studium alles selbst. "Ich komme mit so viel in Kontakt, mit dem ich vorher noch nie zu tun hatte, weil man mit so vielen verschiedenen Materialien arbeitet", sagt sie. Das Handwerkliche begeistert die Bühnenbildnerin.

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(Foto: Stephan Rumpf)

Das Besondere am Bühnenbild ist für Lisa, dass es mit dem Gestalten noch nicht getan ist. Dass im Gebauten gespielt wird - für jedes Stück eine andere Welt. "Ich möchte ein kleines künstliches Ökosystem schaffen, in dem Menschen ein paar Stunden verbringen und eigentlich auch leben müssen. Und man kann ihnen dabei zuschauen."

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(Foto: Stephan Rumpf)

Während Corona entstanden in ihrer Klasse die "Mini-Mes". Kleine Versionen von sich selbst. Sie waren "Corona-Stellvertreter" in der Zeit, in der Präsenzlehre nicht möglich war. Lisa ist mit ihrem Doppelgänger rausgegangen, hat die Pinakotheken besucht. Im neuen Kontext "entsteht gleich wieder eine neue Geschichte", sagt sie.

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(Foto: Stephan Rumpf)

Neue Kontexte erschaffen, Geschichten erzählen - das hat Lisa auch mit den übergroßen Händen gemacht, die sie auf Pappaufsteller gedruckt hat. Das Thema: Macht. "Mit Händen kann man alles machen - jemanden streicheln, jemanden umbringen und alles dazwischen" - das ist für Lisa Macht. Eine Hand, die spielerisch zu einer Pistole geformt ist, hat Lisa vor die JVA Stammheim gestellt. Vor einem Gefängnis bedeute die Geste plötzlich etwas ganz anderes.

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(Foto: Stephan Rumpf)

Für ihre Kostümarbeiten schlüpft Lisa auch selbst gerne in andere Rollen, versucht als diese zu leben, "ohne Klischees zu bedienen, die Leute ernst zu nehmen". Als Jäger mit Schnauzer besucht sie einen Wald oder versucht sich als Eisläuferin. Dabei lässt sie sich fotografieren. "Der Witz ist: Ich kann überhaupt nicht Eislaufen", sagt Lisa.

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