Münchens Grüne:Per Schaulaufen ins Amt

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"Viele geeignete Kandidaten": Die Grünen wollen ihren Kandidaten für die Wahl des Oberbürgermeisters in einem öffentlichen Schaulaufen küren.

Dominik Hutter und Silke Lode

Die Grünen wollen ihren Kandidaten für die Wahl des Oberbürgermeisters in einem öffentlichen Schaulaufen küren. Der Stadtvorstand der Partei hat sich bei einer Klausur am Samstag entschieden, "Grüne OB-Foren" zu speziellen Themen zu veranstalten, bei denen sich die Interessenten für den Chefsessel im Rathaus den Wählern präsentieren können.

Hep Monatzeder, 2009

Hep Monatzeder ist bislang der einzige, der offen sein Interesse am Amt des OB bekundet hat.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Die Zuhörer sollen nach jeder Debatte abstimmen können, "wen sie wählen würden, wenn morgen Wahl wäre", berichtet Grünen-Chefin Katharina Schulze. Mit diesem Verfahren will der Vorstand verhindern, dass die Kandidatur in Hinterzimmern ausgemauschelt wird. Die endgültige Entscheidung trifft die grüne Basis aber erst im Sommer 2012 - das Votum der Foren-Besucher ist also nicht bindend.

Das Vorgehen des Stadtvorstands zeigt freilich auch: Die Grünen haben sich längst darauf eingerichtet, mit mehreren Bewerbern ins Rennen zu ziehen. Bisher hat lediglich Bürgermeister Hep Monatzeder offen sein Interesse am Amt des OB bekundet. In der Partei wird aber schon seit längerem diskutiert, erstmals eine Frau als Kandidatin aufzustellen.

Im Gespräch sind unter anderem die Landesvorsitzende Theresa Schopper, die Landtagsabgeordnete Claudia Stamm sowie Stadträtin Sabine Nallinger. Erklärt hat sich bislang keine der Politikerinnen. Dies müsste spätestens bis September 2011 geschehen, dann starten die OB-Foren. Immer wieder wird auch die Landtags-Fraktionschefin Margarete Bause als Interessentin am Posten des OB genannt. Sie betonte jedoch am Sonntag erneut, nicht zur Verfügung zu stehen. Auch Lydia Dietrich schließt eine Kandidatur aus. Die Fraktionschefin im Rathaus hatte bereits 2008 kandidiert, damals setzte sich jedoch Hep Monatzeder durch. "Für mich ist das erledigt", meint Dietrich.

Trotz dieser Absagen ist Grünen-Chef Nikolaus Hoenning überzeugt, dass die Partei "viele geeignete Kandidaten" vorzuweisen hat. Um die "historische Chance" zu nutzen, 2014 einen grünen OB zu stellen, müsse der Bewerber jedoch "thematisch breit aufgestellt sein, über politische Führungserfahrung verfügen und für grüne Werte stehen". Gleichzeitig müsse er auch Wähler außerhalb des klassischen grünen Spektrums ansprechen.

In der Partei stößt der Beschluss des Vorstands auf Sympathie. "Das ist ein guter Ansatz", findet Claudia Stamm, die unbedingt verhindern will, dass die Kandidatenkür der Grünen ähnlich abläuft wie in der SPD. Bei den Sozialdemokraten hatten sich die Interessenten nach und nach über die Medien offenbart. Ein wenig Unbehagen bereitet Stamm aber die Vorstellung eines "amerikanisierten" Wahlkampfs. Auch Theresa Schopper fühlt sich an den Präsidentschafts-Wahlkampf in den USA erinnert. "Die Alternative wäre wie bei der SPD durch die Ortsvereine zu tingeln - da hat das mehr Charme. Jetzt müssen wir schauen, wie wir das umsetzen", meint Schopper.

Lydia Dietrich stößt sich an den geplanten Abstimmungen nach jeder Diskussionsrunde: "Ich bin skeptisch, ob das nicht zu einem Wettrennen führt, wenn es nach der ersten Runde 1:0 für einen Kandidaten steht und später 2:1." Der Wettbewerb dürfe sich für die Bewerber nicht zu sehr in die Länge ziehen, da die Entscheidung der Partei erst im Sommer 2012 falle - fast ein Jahr nach dem Start der Foren. Prinzipiell hält Dietrich eine möglichst breite Beteiligung aber für sinnvoll.

Lob für den Vorschlag des Vorstands kommt auch von Margarete Bause. Sie geht davon aus, dass es nun eine parteiinterne Debatte über den Auswahlprozess gibt, der schlussendlich mit einer Entscheidung der Stadtversammlung beschlossen werden müsse.

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