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Sicherheitsmaßnahmen zur Wiesn:Barrieren in Tracht

Drei Sicherheitsringe, 50 Betonstelen und erstmals digitale Überwachungskameras: Die Sicherheitsmaßnahmen für die Jubiläumswiesn sind so intensiv wie noch nie.

Susi Wimmer

Terrordrohungen von islamistischen Extremisten, so wie im letzten Jahr, gibt es heuer nicht. Trotzdem werden auf dem größten Volksfest der Welt die Sicherheitsmaßnahmen so intensiv wie noch nie sein. Mit Sicherheitspollern, einem dreistufigen Kontrollring, erstmals digitalen Überwachungskameras und einem erweiterbaren Stamm von gut 500 Polizisten soll die Wiesn an ihrem 200. Geburtstag geschützt werden. Oder, wie Kreisverwaltungsreferent Wilfried Blume-Beyerle sagt: "Wir machen das alles, damit nix ist, wenn was wär'."

Sicherheitsbarrieren am Oktoberfestgeländes

Poller in Tracht: Die Zugänge zur Wiesn werden mit zwei Meter hohen Stelen aus Beton gesichert.

(Foto: dpa)

Wenn Oberbürgermeister Christian Ude am Samstag den ersten "Hirschen" anzapft, liegen hinter der Münchner Polizei "elf Monate Vorbereitungszeit, um höchstmögliche Sicherheit zu gewährleisten", sagt Polizei-Vizepräsident Robert Kopp. Zwar gebe es keine "konkreten Hinweise auf Anschlagsplanungen", doch habe die Wiesn "Symbolcharakter", sie sei weltweit bekannt und ziehe hohes Medieninteresse auf sich.

"Begrüßt" werden die Gäste aus aller Welt in diesem Jahr nicht mit Müllautos, die nach den Drohungen 2009 auf die Schnelle als Bollwerk an den Zugängen postiert wurden, sondern von etwa 50 Stelen aus Betonfertigteilen, die mit Plakaten "verschönert" wurden. Für den Ernstfall stehen 25 Kastenlieferwägen am Südende der Wiesn bereit, die von Polizisten an die Ausgänge der Rettungswege gefahren werden, um das Festgelände komplett abriegeln zu können.

Wie schon im vergangenen Jahr gibt es drei Sperrringe, die nur mit entsprechenden Genehmigungen passiert werden dürfen. Selbst Taxis wurden aus der äußeren Sperrzone verbannt: Standplätze gibt es erst im Bereich der Schwanthalerstraße, der Herzog-Heinrich-Straße und der Bavariastraße. Rikschafahrer dürfen ein Stück näher an die Wiesn heranrücken.

Die Branddirektion hat die Rettungswege festgelegt, das Kreisverwaltungsreferat mit den Festwirten um die Zahl der Plätze in den Zelten gerungen, in denen gut 1000 Ordnungskräfte im Einsatz sein werden. Da es sein kann, dass das Mobilfunknetz überlastet ist, hat die Stadt für die Rettungskräfte ein eigenes Fernsprechnetz eingerichtet. "Planspiele für den Katastrophenfall", sagt Blume-Beyerle, haben natürlich alle beteiligten Organisationen durchdacht. Einen Ernstfall, dass etwa ein Zelt geräumt werden musste, habe es aber noch nie gegeben.

Ob WM oder Papstbesuch, in München hat man Erfahrung mit Großveranstaltungen, und mit Blick auf das Unglück in Duisburg loben die Verantwortlichen die gute Zusammenarbeit. Die Wiesn kann kommen: "Wir sind froh, dass es losgeht", sagt Kopp. (Seiten 4 und 5)

© SZ vom 15.09.2010/hai

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