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Schaustellerbund:"Sicherheit ist eine hoheitliche Aufgabe"

Mehr als zwölf Millionen Euro werden jährlich für die Sicherheit des Oktoberfests ausgegeben.

(Foto: Claus Schunk)
  • Schausteller aus ganz Deutschland sorgen sich um teure Sicherheitsvorkehrungen.
  • Sie verlangen, dass der Staat für den Schutz der Veranstaltungen aufkommt.
  • "Wir wollen uns beteiligen, aber das nicht alleine bezahlen", sagt Albert Ritter, Präsident des Schaustellerbundes.

Die Schausteller auf den deutschen Volksfesten und Jahrmärkten sind verunsichert. Wie viel werden sie künftig für die Sicherheit auf den von ihnen beschickten Veranstaltungen zahlen müssen? Was richtet die Bonpflicht für einen Schaden an? Und wie sollen sie überhaupt noch genügend Arbeitskräfte für ihr Gewerbe finden? Der Deutsche Schaustellerbund hält derzeit in München seine jährliche Delegiertenversammlung ab - in der Stadt, die der Branche mit dem größten Volksfest der Welt die besten Umsätze beschert. Nirgends sonst könnte die Vereinigung besser trommeln für ihre Anliegen.

Die jahrelang nur abstrakte Terrorgefahr bei öffentlichen Veranstaltungen ist mit dem Anschlag auf dem Breitscheidplatz in Berlin 2016 sehr konkret geworden für die Betreiber von Fahrgeschäften, Verköstigungs- und Unterhaltungsbuden. In München, so rechnete der ehemalige Wiesn-Stadtrat Helmut Schmid (SPD) zum Auftakt der Delegiertenversammlung am Donnerstag vor, müssen mittlerweile für jede Wiesn mehr als zwölf Millionen Euro allein für die Sicherheit ausgegeben werden. Das ist doppelt so viel wie noch in weltpolitisch entspannteren Zeiten. Beim Oktoberfest zahlen die Schausteller einen Teil der Kosten mit, weil hier eine Satzung vorgibt, dass die Stadt mit ihrem Millionenspektakel keinen Gewinn und Verlust machen darf. Den finanziellen Aufwand müssen diejenigen tragen, die daran verdienen. Das sind neben den Wiesnwirten auch die Schausteller mit ihren Standmieten.

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Für die Sicherheit zahlen wollen die Schausteller aber nicht auch noch auf den rund 9750 anderen deutschen Volksfesten und 3000 Weihnachtsmärkten im Land - zumindest nicht alleine. Deshalb fordert Albert Ritter, Präsident des Schaustellerbundes, dass der Staat das Gros des Aufwands übernehmen soll. "Sicherheit ist eine hoheitliche Aufgabe", so Ritter. Wenn er wolle, dass Volksfeste und Jahrmärkte weiterhin Freude und Geld in die Städte brächten, müsse er auch dafür aufkommen. Ihren Obolus würden die Schausteller schon entrichten. "Wir wollen uns beteiligen, aber das nicht alleine bezahlen." Diese Forderung richtet die Vereinigung auch an Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) und den bayerischen Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler), die am Freitag beim Treffen sprechen sollten.

Konfrontiert werden sollten die Politiker auch mit der gerade eingeführten Bonpflicht. Diese Vorschrift bringe nur "Bürokratie und Müll", pflichtet Münchens zweiter Bürgermeister Manuel Pretzl (CSU) den Schaustellern bei. Der Aufwand, der für die Dokumentationspflicht nötig sei, treibe letztlich nur die Preise auf den Festen in die Höhe. Existenziell bedroht sehen sich die Schausteller durch den Arbeitskräftemangel. Wegen des wirtschaftlichen Aufschwungs in Polen und Rumänien finden sich in den beiden Ländern nur noch schwer Arbeitskräfte, die sich von Fahrgeschäften für den Auf- und Abbau anwerben lassen. Und für die Anwerbung in Albanien oder Serbien seien die bürokratischen Hürden zu hoch. Die ersten Fahrgeschäfte mussten laut Schaustellerverband ihre Teilnahme an Volksfesten mangels Mitarbeitern bereits absagen.

© SZ vom 24.01.2020/amm
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