Mülltrennung Zu viel Plastik in der Biotonne - Stadt überlegt, Mülldetektive einzusetzen

Das gehört hier nicht rein: Einer von bislang vier Mülldetektiven der Stadt findet Plastik in einer braunen Biotonne.

(Foto: Stephan Rumpf)
  • In Münchens braunen Tonnen landen zunehmend Tüten aus vermeintlich abbaubarem Kunststoff.
  • Die müssen in Kompostieranlagen aber wieder aussortiert und verbrannt werden.
  • Das Kommunalreferat überlegt deshalb, künftig mehr Mülldetektive einzusetzen.
Von Pia Ratzesberger

Sie sind bislang nur zu viert. Sie öffnen die braunen Tonnen und kontrollieren deren Inhalt, suchen nach Plastik und anderem Müll, der nicht in den Biotonnen liegen sollte. Die vier Mülldetektive sind bislang nur in Laim unterwegs und überprüfen dort die Abfälle der Haushalte, doch in den kommenden Monaten könnte sich das ändern. Das Kommunalreferat will noch in diesem Jahr entscheiden, ob es sich lohnt, Mülldetektive auch in andere Stadtteile zu schicken. Denn im Münchner Biomüll findet sich immer mehr Kunststoff, und der wird zu einem immer größeren Problem.

Der Abfallwirtschaftsbetrieb München (AWM) sammelt in einem Jahr etwa 44 000 Tonnen Biomüll ein. Das sind rund 29 Kilogramm pro Einwohner. Zum Vergleich: beim Restmüll sind es mehr als 200 Kilo pro Münchner. Zwar hat das Plastik im Biomüll vom Gewicht her nur einen Anteil von unter einem Prozent, aber beim AWM weist man darauf hin, dass Kunststoff deutlich leichter sei als sonstiger Biomüll. In der Vergangenheit habe man bereits eine komplette Halde mit Kompost verbrennen müssen, weil sich in den 180 Tonnen so viel Plastik befand, dass man ihn nicht mehr wiederverwerten konnte.

Es gibt zwei Wege, die der Rest aus den braunen Tonnen nehmen kann. Die eine Hälfte der 44 000 Tonnen gibt der AWM an externe Müllanlagen ab und muss dafür Geld bezahlen. Die andere Hälfte verwertet der AWM selbst und verdient daran. Er macht aus dem Müll Kompost und dabei entsteht Biogas, das wiederum zur Stromerzeugung genutzt wird.

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Laster fahren den Inhalt der Tonnen raus nach Freimann, dort wird der Abfall in große Garagen gebaggert und mit einer speziellen Flüssigkeit überschüttet, damit die Masse beginnt zu vergären. Dann geht es weiter zur nächsten Station, wo der Müll verrottet und nach etwa sechs Wochen gesiebt wird. Die vielen Mülltüten aus biologisch abbaubarem Plastik sehen allerdings noch aus wie zu Beginn. Die Unternehmen werben zwar damit, dass ihr Bioplastik abbaubar sei, und das ist nicht falsch - aber eben auch nicht richtig, denn der Kunststoff ist es nur unter bestimmten Bedingungen: Es braucht die passenden Temperaturen, die passende Feuchtigkeit und vor allem braucht das Bioplastik viel mehr Zeit als der übrige Kompost. Diese Zeit haben die Betreiber von Kompostieranlagen meistens nicht.

Manche Anlagen in Deutschland haben bereits einen Mitarbeiter eingestellt, der keine andere Aufgabe hat, als die Plastiktüten wieder aus dem Müll zu ziehen. Beim AWM in München aber werden sie erst nach dem Kompostieren maschinell aussortiert und dann mitsamt ihrem Inhalt verbrannt. Auch der Abfall in der Tüte kann in der Zwischenzeit nicht vergären, weil die Flüssigkeit in der Garage zwar Papiertüten aufweicht, aber nicht durch das Plastik dringt. Wenn man seinen Biomüll in einer Plastiktüte sammelt und in die braune Tonne wirft, nimmt er also den gleichen Weg, als wenn man ihn in den Restmüll geworfen hätte.

Bei der Jahrespressekonferenz der Abfallwirtschaftsbetriebe am Montag sagte die Kommunalreferentin Kristina Frank: "Die Mülldetektive werden in den nächsten Wochen den gesamten Stadtteil Laim durchhaben." Im September vergangenen Jahres hatten die vier Detektive begonnen, bis zur Mitte des Jahres werde man die Ergebnisse auswerten und entscheiden, ob man in Zukunft womöglich mehr Mülldetektive in der Stadt einsetzen werde. In Laim habe man laut der Kommunalreferentin bislang gute Erfahrungen gemacht, manche Bürgerinnen und Bürger seien sogar "froh, dass endlich jemand nachschaut".

Das System funktioniert wie auf dem Fußballplatz: Wenn die Mülldetektive drei oder vier Dinge finden, die nicht in die Tonne gehören, hinterlassen sie als Warnung einen gelben Aufkleber. Wenn sie dagegen mehr finden, gibt es einen roten Aufkleber und die Tonne gilt damit als Restmüll - die Bewohner müssen dann für die Leerung bezahlen. Zwar nur dieses eine Mal, aber das reiche meistens schon für einen "Warnschuss", sagt Frank. Beim Kommunalreferat schätzt man nach den Erfahrungen in Laim, dass sich in etwa fünf Prozent der Biotonnen so viel anderer Müll findet, dass deren Inhalt nicht mehr wiederverwertet werden kann. In etwa 15 Prozent der Fälle sei der Müll leicht verunreinigt, dann finden die Detektive zum Beispiel drei oder vier Plastiktüten.

Ein Problem sind aber nicht nur die Tüten, sondern auch das kleinere Plastik, das sogenannte Mikro- oder Nanoplastik, das am Ende im Kompost bleibt. Wenn zu Beginn viel Plastik im Müll landet und der Kunststoff erst nach dem Kompostieren wieder aussortiert werden kann, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass während dieser Zeit zum Beispiel Tüten zerreißen und kleinste Teile im Kompost landen. Beim Kommunalreferat fürchtet man, dass der Kompost aus den Bioabfällen wegen des vielen Plastiks irgendwann sein Gütesiegel verlieren könnte und dann nicht mehr für Biolandbau eingesetzt werden dürfe.

Auch deshalb wolle man die Münchner dazu anhalten, die Plastiktüten nicht mehr in die braunen Tonnen zu werfen. Im Laufe des Jahres werde man Papiertüten an die Haushalte versenden und dazu aufrufen, den gesamten Müll besser zu trennen - in den 132 000 Biotonnen in der Stadt kommt noch immer deutlich weniger Müll zusammen als gesammelt werden könnte. Der Abfallwirtschaftsbetrieb hat untersucht, wie viel Müll aus den schwarzen Tonnen eigentlich in die braunen gehört hätte. Man kam auf einen Anteil von fast 40 Prozent. Ohne Bioplastik, versteht sich.

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