Münchner Momente:Männer und Problem-Möbel

Die Schwanthalerhöhe hat jetzt ihre eigene "Bad Bank". Was tun? Da hilft nur Aussitzen.

Von Andrea Schlaier

Von der ersten gemeinsamen Wohnung an steht sie der Beziehung im Weg. Sie ist das Problem-Möbel aufkeimender Partnerschaften. Eingebracht hat sie immer: ein Mann. Und der denkt gar nicht daran, beim künftigen Leben zu zweit, besser zu dritt, darauf zu verzichten. Schließlich hat er für nichts sonst bisher so viel Geld liegen lassen - jedenfalls in Einrichtungsfragen. Darum hält er unverrückbar an ihr fest, an seiner schwarzen Ledercouch.

Es mag seltene Fälle geben, in denen sich das Sofa in Erbsensuppengrün und mit Alcantara überzogen in die Länge streckt. Der Besitzer ist dann entweder Kunsterzieher oder farbenblind. Aber auch in fröhlicher Textur bleibt's: ein Trumm. Und als solches gilt es in Frauenkreisen schon sehr, sehr lange als hoffnungsloser Fall. Dass es nicht, wie von seinem Käufer insinuiert, permanent formen- und farbensprachlich durch die dicke, dunkle Tierhaut ausatmet, wie ehrgeizig, seriös und intelligent (beim Kunsterzieher schöpferisch) der Eigentümer eines solchen Ausstattungsriesen ist - geschenkt. Dass eine 16-Quadratmeter große Stube selbst im Altbau keine satisfaktionsfähige Wirkfläche für High-End-Accessoires bietet, wie sagen wir's? Mit viel Moderation und freundlichem Pragmatismus gelingt es zuweilen nach Jahren, das Möbel zu bewegen: erst ins Arbeitszimmer, dann, wer hat, in den Keller - wo es dann mit viel Glück gemeinsame Kinder für sich als Hüpfburg entdecken. In unglücklichen Fällen zieht die Frau vor der Couch aus.

Auf der Schwanthalerhöhe haben sie jetzt auch so ein schwieriges Möbel, Ecke Parkstraße und Gollierstraße. Das Wort von der "Problem-Bank" macht im Bezirksausschuss die Runde. Steht mit dem Rücken, also der Lehne, zum Bürgersteig und mit der Sitzfläche kurz vor der Hauswand. Allein diese Weltabgewandtheit scheint einigen sonderbar. Mehr noch: Keine andere weit und breit sei morgens "übermüllt" wie diese: Flaschen, Pizzakartons, die schiere Installation des Wohlstands-Trashs. Bilder werden geteilt, "Bad Bank" ruft einer, der andere findet sie "vom Sitzgefühl her nicht sonderlich gut", allgemeine Heiterkeit und Retourkutsche: "So vermüllt wie die ist, scheint das Sitzgefühl hier relativ gut zu sein." Was tun? Aussitzen? Für sehr viele Männer hier scheint nur eines nicht möglich: "abbauen und verrücken".

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB