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Autowaschanlagen:Massage für den Mercedes

An Münchens Tankstellen wird gedampfstrahlt und gewienert, was das Zeug hält. Lange Schlangen sind im Frühjahr keine Seltenheit - doch nicht jeder vertraut dem Automaten.

Von Andreas Schubert

Über die Autowaschanlage ist schon viel gesagt worden. Sie sei das Nagelstudio des Mannes, ein Jahrmarkt der Eitelkeiten für PS-Poser, ein Ort an dem die Deutschen ihrem liebsten Hobby nachgehen können. Das mag nun stimmen oder nicht, eines gilt für Waschanlagen bei schönem Wetter aber immer: Sie sind voll. Jetzt, im Frühjahr, hoffen viele Autofahrerinnen und -fahrer, dass sie bis zum nächsten Winter vom Schnee und Streusalz verschont bleiben. Und so staut es sich vor den Waschstraßen dieser Stadt, manchmal bis raus auf die Straße. Und wer eine Weile das Treiben an so einer Anlage beobachtet, merkt auch in Zeiten, in denen das Auto mehr und mehr in Verruf gerät: Wer eines hat, möchte auch, dass es zumindest eine Zeit lang hübsch in der Sonne glänzt. So wird gedampfstrahlt und gewienert, was das Zeug hält. Und gerade die Menschen, die in den sogenannten SB-Boxen ihre Fahrzeuge selbst waschen, scheinen ein besonders inniges Verhältnis zu ihrem Auto zu haben.

Ein Besuch in einer Allguth-Anlage an der Kreillerstraße in Trudering; Das Münchner Unternehmen betreibt auf beiden Seiten der Straße jeweils eine Tankstelle samt Waschanlage. Und an diesem letzten Februarsamstag herrscht wie jedes Wochenende Hochbetrieb. Gerade vor den SB-Boxen warten die Menschen geduldig, das kann schon einmal eine halbe Stunde dauern. Und wer dann dran ist, nimmt sich auch Zeit für die Pflege. Der Mitarbeiter eines Fahrdienstes für Rollstuhlfahrer braust seinen Bus gründlich ab. Weil er gerade schon dabei ist, kommt auch ein Rollstuhl unter den Dampfstrahler. In der Box nebenan säubert eine Familie ihre Fahrräder, bevor sie zur einer Tour aufbricht. In einer weiteren Box ist gerade Steven Hahn dabei, seinen Porsche 718 akribisch abzuduschen, während seine Begleiterin Karen Biehl ihm geduldig dabei zuschaut.

Biehl ist schwedischer-brasilianischer Abstammung und lacht auf die Frage, ob sie schon mal gehört habe, dass Autowaschen zu den Lieblingshobbys der Deutschen gehört. "Klar", sagt sie auf Englisch, "ich bin mit einem verheiratet". Währenddessen braust Steven Hahn die Leichtmetallfelgen seines Sportwagens ab. Warum er das selbst tut? "Der Waschstraße vertrau ich nicht", sagt der Manager. Zu groß sei die Befürchtung, dass der Lack des fast neuen Wagens zerkratzt werden könnte. "Aber es macht ja auch Spaß." Nachdem der Mann den Porsche wieder auf Hochglanz gebracht hat, setzt er sich auf den Beifahrersitz und überlässt der Frau das Steuer.

Weiter geht's mit dem nächsten Auto, doch die Wäscherin des Kleinwagens hat keine Zeit für Fragen. Denn Zeit ist in so einer Box auch Geld, jedes Waschprogramm läuft nur ein paar Minuten. So halten es viele an diesem Samstag. Man ist schließlich nicht zum Ratschen hier. Entspannter sind die Leute, die nach der Waschstraße ihre Wagen nachpolieren. Markus Ostermaier zum Beispiel hat eigens Polierhandschuhe mitgebracht und reibt seinen silbernen Mercedes so gründlich ab, als wolle er ihm eine Massage verpassen. Jetzt nach dem Winter, sagt er, gehe es darum, ihn von den letzten Salzspuren zu befreien. Überall wird gestrahlt gewischt und gesaugt.

Zeit für Tipps vom Profi: Pascal Kreil ist bei Allguth der Leiter des Unternehmensbereich Autowäsche und weiß, was vom Winter gestresste Lacke im Frühjahr brauchen. Wer sein Fahrzeug den ganzen Winter über nicht gewaschen hat, sollte schon ein wenig Zeit in der SB-Box investieren und sorgfältig vorgehen, wenn er oder sie nicht den Lack zerkratzen wollen. Wichtig sei zunächst, den groben Dreck mit einem Putzmittel zu lösen. Dann kommt der Hochdruckreiniger, dann die Bürste mit Aktivschaum, die man tunlichst nicht für die Felgen nutzen sollte, da an ihr sonst lackschädliche Schmutzpartikel haften bleiben können. Manche brächten eigens Felgenbürsten mit, die an Flaschenbürsten erinnern und mit denen man auch schwer zugängliche Stellen erwischt, erzählt Kreil. Dann wird der Schaum abgespült, Flüssigwachs aufgetragen und mit kalk- und salzfreiem Osmosewasser nachgespült. Das Ergebnis sei in der Waschstraße in der Regel besser, sagt Kreil. "Wenn man aber geübt ist, bekommt man aber auch in der SB-Box ein gutes Ergebnis."

Auf selbst mitgebrachte Reiniger sollte man verzichten, rät der Fachmann, die seien bei Weitem nicht so wirksam wie die in Waschanlagen verwendete Chemie. Was die Innenreinigung angeht, so reicht normales Saugen meist nicht. Für Schmutz gibt es die "Hurricane Car Gun", eine Druckluftdüse, der man auch Reinigungsmittel zusetzen kann. Viele Autobesitzer schöben eine Reinigung vor sich her wie einen Zahnarztbesuch. "Aber wie beim Zahnarzt freut man sich dann, wenn man es hinter sich hat und das Fahrzeug wieder sauber ist", sagt Kreil.

© SZ vom 01.03.2021/vewo
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