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Nach dem Brand in Moria:München will 360 Flüchtlinge aufnehmen

Nach Brand im Flüchtlingslager Moria

Auf der Insel Lesbos ist die Situation der Flüchtlinge nach dem Brand katastrophal.

(Foto: Petros Giannakouris/dpa)

Darunter Familien und unbegleitete Minderjährige. Zur Not könnten sie in Leichtbauhallen untergebracht werden - doch die Verteilung ist in Corona-Zeiten schwierig.

Von Bernd Kastner

München will ein Zeichen setzen. München macht Druck. Das ist die Botschaft der Stadtspitze angesichts der katastrophalen Lage, in der sich Tausende Flüchtlinge auf den griechischen Inseln befinden. 300 Geflüchtete - Erwachsene und Familien mit Kindern - sowie zusätzlich 60 unbegleitete Minderjährige würde München aufnehmen. Notfalls würde die Stadt dafür auch zwei vor Jahren errichtete Leichtbauhallen als Unterkünfte reaktivieren. Zugleich appelliert die Stadt an Europa, endlich zu einer Lösung für die Menschen in Griechenland zu kommen. "Beschämend" nennt Sozialreferentin Dorothee Schiwy die Asylpolitik der EU.

Bürgermeisterin Verena Dietl (SPD) begrüßt, dass der Bund "endlich eingelenkt" und die Aufnahme von gut 1500 Flüchtlingen aus Griechenland zugesagt habe. Wie viele davon nach München kommen, ist weiter offen. Zuständig für die bundesweite Verteilung ist laut bayerischem Innenministerium das Haus von Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) in Berlin. Dort blieb die Frage nach der Planung am Donnerstag zunächst unbeantwortet. München helfe sehr gerne mit bei dieser Aufgabe, sagt Dietl, zumal die Stadt "sehr gut aufgestellt sei", insbesondere was Hilfsstrukturen betreffe. Es gebe ein breites Angebot, auch seitens Ehrenamtlicher.

Noch sei nicht klar, wo Flüchtlinge aus Griechenland in München untergebracht würden, sagt Schiwy. Zunächst werde man in bestehenden Unterkünften nach Räumen suchen, was angesichts der Corona-Hygienevorschriften schwierig sei; es müssen derzeit einige Plätze frei bleiben. Zur Not stünden der Stadt aber auch noch gut 250 Plätze in zwei Leichtbauhallen im Norden zur Verfügung. Das wäre immer noch besser, als es die überfüllten Lager auf den griechischen Inseln seien, so Schiwy. Zudem würde München bis zu 60 Jugendliche, die ohne Eltern geflohen sind, aufnehmen. Diese könnten in Jugendhilfeeinrichtungen untergebracht werden, ohne dass Plätze für Münchner Kinder fehlten.

Till Hofmann, Kleinkunst-Unternehmer und Vorstand des Flüchtlingsprojekts Bellevue di Monaco, plädiert für pragmatische Hilfe: Es könnten auch Zimmer in Hotels angemietet werden, weil derzeit in den Häusern viel leer stehe; darüber würden sich auch die Betreiber freuen. Dazu sagen Dietl und Schiwy: Ja, Hotels seien eine "Option", aber erst mal abwarten, bis die Flüchtlinge tatsächlich da sind. Hofmann wünscht sich, dass sich die zahlreichen europäischen Städte, die Flüchtlingen helfen wollen, lauter und energischer artikulieren innerhalb der EU: "Wir sind eine starke Macht." Die Städte müssten sich der vorherrschenden Abwehr-Politik entgegenstellen. Über München, das zu den "Solidarity Cities" gehört, sagt Hofmann: "Natürlich schaffen wir das auch. Es ist Platz da."

Der Platz, sprich: Wohnraum, ist jedoch mittel- und langfristig ein Problem. Darauf weist Stephan Dünnwald (Bayerischer Flüchtlingsrat und Bellevue-Vorstand) hin. Deshalb müsse die Stadt mehr bauen und schon jetzt planen, wo die demnächst ankommenden Flüchtlinge in zwei Jahren wohnen sollen. Auf die Frage, ob die Stadt nicht zuerst die seit Jahren unter prekären Umständen lebenden Geflüchteten unterstützen müsse, ehe sie freiwillig neue aufnehme, warnen Schiwy und Dietl davor, beide Gruppen gegeneinander auszuspielen. München habe als größte Kommune eine Vorbildrolle und müsse in der aktuellen Lage helfen.

© SZ vom 18.09.2020/vewo
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