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München:Ein Kloster öffnet sich der Welt

Kapuzinerkloster Tengstraße 7, das graue Gebäude

Seit dem Auszug der letzten Kapuziner steht das Klostergebäude (zweites Haus von rechts) in der Tengstraße 7 leer.

(Foto: Florian Peljak)

Die Kirche will die Tengstraße 7 als "Zentrum für Flucht, Asyl und Integration" nutzen

Die Kapuziner brauchen es schon lange nicht mehr, jetzt sollen Flüchtlinge ihr früheres Kloster an der Tengstraße 7 nutzen: Wie die katholische Kirche am Montag mitteilte, will sie in dem leer stehenden Gebäude in der Maxvorstadt ein "Zentrum für Flucht, Asyl und Integration" einrichten. Das habe die Ordinariatskonferenz entschieden, das oberste Leitungsgremium in der Verwaltung des Erzbistums München und Freising. Die Kirche will das Gebäude demnach für diesen Zweck eigens übernehmen. Wann das Zentrum eröffnen und wie lange es bestehen solle, könne man noch nicht genau sagen, erklärte ein Sprecher. Aber der Kirche gehe es um langfristiges Engagement. Einige der Flüchtlinge würden bleiben, es sei notwendig, sie zu integrieren. Das neue Zentrum solle dazu einen Beitrag leisten.

Das Gebäude an der Tengstraße soll den Plänen zufolge künftig vor allem dazu dienen, Ehrenamtliche und kirchliche Dienststellen bei ihrer Arbeit für Flüchtlinge zu koordinieren und zu unterstützen. Gemeinsam mit der Caritas und kirchlichen Fachverbänden solle so ein "Ort der Vernetzung des katholischen Engagements für Flüchtlinge" entstehen, heißt es aus der Kirche. Sie spricht von einem "Ort der Kommunikation, Begegnung und Information", an dem es Schulungen und Konferenzen für Helfer ebenso geben soll wie direkte Unterstützung für Flüchtlinge. Angedacht seien Räume für Beratung und Kontaktbörsen, eine Küche, Essensräume und Notschlafplätze; zudem soll das Haus rund um die Uhr als Anlaufstelle für Flüchtlinge erreichbar sein.

In dem Kloster hatten zuvor 116 Jahre lang Kapuzinerbrüder gelebt. Die Geistlichen hatten auch die benachbarte Pfarrkirche St. Joseph betreut. Doch mit den Jahren fehlte es dem Orden zunehmend an Nachwuchs, Ende August 2013 verließen die letzten Kapuziner ihr Kloster. Zuletzt hatten sie in dem Gebäude nur noch zu dritt gelebt. Die Ordensbrüder zogen in andere Niederlassungen ihres Ordens, etwa in das Kloster St. Anton an der Kapuzinerstraße in der Isarvorstadt. Ursprünglich hieß es, das Gebäude an der Tengstraße sollte abgerissen werden.

Die neuen Pläne des Erzbistums, aus dem Haus stattdessen ein Asyl- und Integrationszentrum zu machen, entsprechen einem Schwerpunkt, den beide große christliche Kirchen in München langfristig setzen wollen. Bereits im Oktober hatte Generalvikar Peter Beer, der Verwaltungschef des Erzbistums, betont, die Kirche müsse vorausschauend denken: Flüchtlinge bräuchten nicht nur Obdach, sondern auch zum Beispiel Sprachkurse, Spielplätze für Kinder oder auch Räume, in denen sie mit den Anwohnern in Kontakt treten könnten, sagte er auf einer Sitzung des Diözesanrats, der höchsten Vertretung der Laien im Erzbistum, auf dem Freisinger Domberg. Die Kirche könne zwar staatliche Aufgaben nicht alleine übernehmen, aber ihr Engagement müsse sich danach ausrichten.

Ähnlich äußerte sich im Oktober auch die evangelische Kirche in München: Es gehe nach der Notaufnahme nun darum, Flüchtlinge mittel- und langfristig zu integrieren, forderte zuletzt etwa Günther Bauer, der Vorsitzende der Inneren Mission. Da werde von der Politik bislang zu wenig getan. Und auf der Dekanatssynode hieß es zuletzt, man müsse Flüchtlinge rasch zu sinnvollen Mitgliedern der Gesellschaft machen, dann würde auch die Gemeinschaft davon profitieren. Die Kirche müsse bei dieser Aufgabe helfen.

Zusätzlich zu dem geplanten "Zentrum für Flucht, Asyl und Integration" wolle das Erzbistum weiteres Geld für die Flüchtlingshilfe bereitstellen, teilte die Kirche am Montag mit. Außerdem will sie Ehrenamtlichen und den einzelnen Pfarreien stärker unter die Arme greifen, damit diese "zielgerichtet und noch selbständiger" arbeiten könnten.

So sollen unter anderem ein Leitfaden sowie Rundschreiben formuliert werden, um über organisatorische und rechtliche Fragen zum Beispiel bei der Vergabe von Räumen zu informieren. Um Erfahrungen auszutauschen und sich gegenseitig zu unterstützen, will sich das Erzbistum zudem stärker mit angrenzenden Diözesen insbesondere in Österreich vernetzen. Und nicht zuletzt will die Kirche interreligiöse und öffentliche Formen des Gebets entwickeln, um die Menschen zusammenzuführen - und um damit ein Zeichen für das Miteinander zu setzen.