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Raubüberfall auf Münchner Juwelier:Mit der Axt zum Schmuck

Fünf vermummte Täter zertrümmern mit einer Axt die Tür des Juweliers Chopard in der Maximilianstraße, schlagen Vitrinen ein und erbeuten Schmuck und Uhren. Die Polizei nimmt einige Männer fest, will sich aber zu Details nicht äußern.

Es war wohl der dreisteste Überfall, den man auf der Maximilianstraße je gesehen hat: Am Mittwochvormittag haben fünf vermummte Männer mit einer Axt die Eingangstür des Juweliers Chopard zertrümmert, anschließend mindestens vier Vitrinen eingeschlagen und hauptsächlich Uhren und Schmuck von noch unbekanntem Wert erbeutet. Zu Fuß flüchteten die fünf dann in verschiedenen Richtungen aus dem Laden.

Weit kamen sie allerdings nicht: Die Polizei nahm drei Männer sofort fest, zwei weitere wurde angeblich etwas später gefasst. Offenbar gab es auch vor dem Geschäft Komplizen. Nähere Informationen wollte die Polizei bis zu einer Pressekonferenz an diesem Donnerstag zurückhalten. Die fünf Angestellten, die sich zum Zeitpunkt des Überfalls im Laden befanden, blieben unverletzt.

Auf dem Gehsteig vor dem Geschäft an der Hausnummer 11 und auf dem holzgetäfelten Boden im Ladeninneren liegen weiß-schimmernde Brösel. Es sind keine normalen Glassplitter, sondern die Überreste des Sicherheitsglases, das die Täter eingeschlagen haben. Die Polizei sperrt den Bereich vor dem Juweliergeschäft bis zur Straße hin ab. Die Ermittler wollen das genaue Vorgehen der rabiaten Täter rekonstruieren. Einer der Beamten schwingt einen roten Besen über dem Kopf und simuliert das Zerschlagen der Vitrinen, eine Angestellte duckt sich hinter einem Tischchen und hält sich die Ohren zu.

So ähnlich muss es gegen 11 Uhr gewesen sein, als die fünf maskierten Männer vor der Chopard-Filiale in der Altstadt aufgetaucht waren. Einer von ihnen hatte eine mit Stoff umwickelte Axt im Anschlag und zertrümmerte mit einem gezielten Schlag die Eingangstür. Denn für gewöhnlich sind die Zugänge abgeschlossen. Kunden müssen an der gläsernen Eingangstür klingeln, erst dann öffnet ein Wachmann. Die Täter stürmten in den Laden, zerschlugen Vitrinen, griffen sich Uhren und Schmuck und stoben dann in unterschiedliche Richtungen davon. Ein Wachmann soll ihnen noch nachgelaufen sein.

Etwa zwei Stunden nach dem Überfall erklärte die Polizei, fünf Männer befänden sich auf der Flucht, eine groß angelegte Fahndung in der gesamten Innenstadt sei am Laufen. Die Angestellte eines Ladens in der Nähe hat andere Informationen: "Drei Täter hat die Polizei gleich nach dem Überfall festgenommen, die anderen hat man wohl später erwischt", erzählt sie, und auch, dass die Männer Waffen getragen hätten. Von dem Überfall selbst habe sie nichts bemerkt. Nur eine Kollegin von ihr habe ein Splittern wahrgenommen, "wie bei einem Altglascontainer".

Fünf Männer überfallen das Juweliergeschäft Chopard in der Münchner Maximilianstraße

München, 12.2.2014 / Foto: Robert Haas Raubüberfall auf das Juweliergeschäft 'Chopard' in der Maximilianstraße

(Foto: Robert Haas)

Der Überfall muss sich in Sekunden abgespielt haben. Sogar in den Läden gegenüber, die einen direkten Blick auf die Eingangstüre von Chopard haben, hat man nichts gesehen und nichts gehört. "So was hab' ich hier noch nie erlebt", sagt eine Angestellte der Firma Montblanc. Sie sei völlig geschockt, man könne froh sein, dass den Angestellten nichts passiert sei. Nebenan, bei Schuh-Designer Jimmy Choo, hat man von dem brachialen Überfall ebenfalls nichts mitbekommen: Direkt vor dem Laden parken rote Baustellenkombis. Neben Chopard, im Versace-Store, sind die Mitarbeiter auch noch am Nachmittag sichtlich verstört. "Krass" sei das, sagt ein Angestellter. Kunden sind nicht im Geschäft, dafür stehen Polizisten vor der Tür des Modegeschäfts.

Läden wie Chopard sind üblicherweise streng gesichert, die Alarmanlagen direkt mit der Polizei verbunden. Am Eingang ist Wachpersonal postiert. Einen derartigen Fall wie in der Maximilianstraße hat Oliver Wörl von den Sicherheitsdiensten München selbst noch nicht erlebt. Bei einem so brutalen Vorgehen könne man selbst als Wachdienst nicht viel ausrichten. "Der Schutz des Lebens geht immer vor", so Wörl. Vom Gehsteig aus sind die Videokameras an der Decke bei Chopard gut zu sehen. "Die Überwachungsvideos werden aufgezeichnet", erklärt eine Sprecherin von Chopard Deutschland. Das heißt, es gibt ein Video von den Tätern. Ansonsten aber will sich die Firma zu den Überfall in München nicht äußern.

Das Unternehmen machte zuletzt 800 Millionen Euro Jahresumsatz und hat Niederlassungen auf der ganzen Welt. Chopard-Uhren sind begehrte Sammlerstücke, viele Modelle gibt es in limitierten und teilweise nummerierten Editionen. Die fünf Räuber hatten es vor allem auf die Uhren abgesehen. Gerade bei den nummerierten Stücken wäre es für die Täter schwierig gewesen, sie zu veräußern. Allerdings gibt es bei Chopard auch Kollektionsware. In einer unbeschädigten Vitrine im Schaufenster sind Herrenuhren drapiert, das günstigste Exemplar für gut 10 000 Euro.

© SZ vom 13.02.2014/bica
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