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Bilder des Tages:Der heilige Amazon-Fahrer

Der Graffiti-Künstler Loomit stellt in der Kirche St. Maximilian ganz neue Heilige vor.

15 Bilder

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Quelle: stephan rumpf

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Vom illegalen Sprayer zum Kirchenkünstler - dieses Foto zeigt das Ergebnis einer einmaligen Mixtur: der mittlerweile bekannte Graffiti-Künstler Loomit (Mathias Köhler), eine graue Kirchenwand und die minimale Vorgabe "Mach es bunt, positiv besetzt, tob dich einfach aus". Am Sonntag beginnt das neue Kirchenjahr und Pfarrer Rainer Schießler aus St. Maximilian wollte das Grundthema Freude in seiner Kirche sichtbar machen, am liebsten in einem Graffito. Zu seinem Glück gibt es hinter dem Hochaltar eine fade graue Wand, auf der oben Steinheilige wie etwa Winthir aus Neuhausen stehen. Wenn Winthir mit seinen Mitheiligen nun runterschaut, blickt er auf ganz neue Heilige, wie Loomit sie sich vorstellt. Dem Münchner ist demnach der Amazon-Fahrer heilig, als moderne Vorbildfigur sieht er Rettungsboot-Kapitänin und Salvini-Feindbild Carola Rackete oder vielleicht auch Whistleblower Edward Snowden. Das Bild ist am Mittwoch frisch gesprüht worden, aber keine Angst, liebe Steinheilige, nicht für die Ewigkeit auf die Wand, nur für ein paar Jahre und auf eine Leinwand.

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Quelle: Robert Haas

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Was einst die drei großen "K" des Frauenlebens waren - Kinder, Küche, Kirche - bedeutet heute, in Zeiten von Tollwood, etwas anderes: Kunst, Kulinarik und Konsumkritik sind die drei Eckpfeiler der Zelt- und Budenstadt, die alle Jahre wieder auf der Theresienwiese errichtet wird und nun wieder geöffnet hat. "Werte Menschen!", lautet diesen Winter das Motto. Dem Aufruf folgend beschäftigen sich viele der Künstler, die bis zum 31. Dezember auf dem Festival auftreten, mit drängenden politischen Fragen. Darunter Lisa Eckhart, Helmut Schleich und Andreas Rebers in ihrem kritischen Kabarett im Weltsalon. Doch auch der Performance-Künstler Daan Mathot widmet sich kniffligen Fragen. Tief in einer Grube kämpft er mit den kleinen Dingen des Lebens. Mit einem Filzstift etwa, der auf dem Schreibtisch herumspringt. Mit Tennisbällen, die in der Luft stehen. Oder mit einem zerknüllten Blatt Papier, das statt im Mülleimer zu landen, einfach in den Himmel fliegt. Da hilft nur ein Gang in den Hexenkessel. Dort gibt es nicht nur täglich mindestens zwei Konzerte - von bayerischem Bluegrass über Reggae bis hin zu Swing -, sondern auch einen Schluck Hexentrunk aus dem Kessel.

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Quelle: Robert Haas

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Wer im Riemer Park den Rodelhügel erklimmt und sich nach dem Anstieg eine Ruhepause auf der Bank gönnt, kann die Blicke schweifen lassen. Die Alpen, blau getönt, sind besonders dann gut zu sehen, wenn der Föhnsturm warme Luft nach Norden schaufelt. Aber auch sonst hält der Herbst eine beeindruckende Farbpalette parat - zum Beispiel das Gold der Blätter, die sich noch oben halten - so lange, bis sie der erste Frost nach unten befördert.

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Quelle: Stephan Rumpf

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Irgendwann im Sommer stand er da, vor ihrem Haus in der Messestadt Ost, und stieß sie um. Einfach so. Seitdem schaut Tülin Cokdegerli jedes Mal nach rechts, nach links, bevor sie rausgeht, berichtet die 48-Jährige am Montagabend an der Münchner Freiheit. Noch viel schlimmer aber findet sie die Femizide, von denen sie aus ihrer alten Heimat Türkei hört. "Es tut mir weh, die Frauen verdienen das nicht", sagt sie und malt mit den Fingern eine Abwärtsspirale in die Luft.

Cokdegerli steht inmitten von knapp 200 Menschen, hauptsächlich Frauen, die am Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen ihre Stimme erheben: für ein gewaltfreies und selbstbestimmtes Leben. Das ist der Konsens, der auf der Demonstration zum Max-Joseph-Platz die Omas gegen rechts, Frauengruppen, die Soroptimisten und Amnesty International sowie die Marxistisch-Leninistische Partei, die Migranten-Organisation DIDF und eine kurdische Gruppe, die einer getöteten Frau gedenken, eint. Ihre Forderungen: durchgreifen gegen rechte Gewalt, die "Rape Culture" und rassistisch motivierte Gewalt gegen Frauen, Abschaffung der Leiharbeit, Reform des Prostitutionsgesetzes nach skandinavischem Vorbild, ein Umdenken teils auch bei Männern der älteren Generationen.

Viktoria Spinrad

Kampagne 'Orange the World'

Quelle: dpa

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Während etwa zwölf öffentliche Gebäude wie der Gasteig, das Fußballstadion in Fröttmaning und das Künstlerhaus zur Unterstützung der Aktion "Zonta says no" orangefarben leuchten, hallt es auf Kurdisch durch die Leopoldstraße. Übersetzt singen sie: "Frauen, die kämpfen, sind Frauen, die leben." Die Frauenrechts-Aktivistin Cokdegerli sagt: "Wir müssen es zusammen schaffen."

Viktoria Spinrad

Leopoldstraße in München, 2019

Quelle: Alessandra Schellnegger

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Es muss wohl ein Hersteller von kuschelwarmer Winterkleidung gewesen sein, der eines Tages das Sprichwort prägte, es gebe angeblich kein schlechtes Wetter, sondern nur schlechte Kleidung. Oder es war ein Schotte, dem es frisch wurde ums Knie und unterm Rock. So oder so: Der Spruch ist natürlich Unfug. Der Beweis: Diese zwei einsamen Stühle bei den Schachspielern an der Münchner Freiheit. So warm kann man sich kaum einpacken, dass es dieser Tage noch Freude machte, einen Bauern Zug um Zug seinem Verderben näher zu schieben. Schlimmer noch kriecht Kälte ins Gebein, verharrt man wartend auf dem Klappstuhl, bis der Gegner seinen Zug getan - nein, dieses Wetter taugt nicht zum Freiluft-Schach, sondern allein zum Kamin-Schach. Daheim in der Stube wird einem auch nicht das Brett von der Natur vernebelt. Einstellige Grade lassen Gartenstühle vereinsamen. Was dagegen hilft? Glühwein natürlich. Christkindlmarkt statt Schach - das ist nun die Devise. Eigentlich müsste es heißen: Es gibt kein schlechtes Wetter, es gibt nur das falsche Getränk.

Thomas Schmidt

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Quelle: Robert Haas

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Zwei Mädchen nehmen sich in den Arm und halten sich lange fest. Tränen fließen. Ein Meer aus Kerzen erleuchtet ihre Gesichter. Im Hintergrund rauscht der Freitagabendverkehr auf sechs Spuren vorbei. Vor einer Woche hat an dieser Stelle der 14 Jahre alte Maximilian sein Leben verloren. Wie aus dem Nichts kam der BMW angerast und traf den Schüler, als er kurz vor Mitternacht mit drei anderen bei Grün die Fürstenrieder Straße auf Höher der Aindorferstraße überquerte. Eine 16-Jährige wurde schwer verletzt. Der Fahrer war in Panik gegen die Fahrtrichtung vor einer Verkehrskontrolle davongerast. Der 34-jährige hinter dem Steuer hatte Alkohol getrunken und Drogen genommen. Die Staatsanwaltschaft will ihn wegen Mordes anklagen. Eine Woche ist das jetzt her, aber die Freunde und Mitschüler können es immer noch nicht fassen, dass Max nicht mehr da ist. "Liebe ist für die Ewigkeit" hat jemand auf ein Plakat geschrieben, das zwischen Kerzen liegt. Etwa 400 Menschen haben sich zu beiden Seiten entlang der Straße aufgereiht, schätzt die Polizei. Einige Autos verlangsamen ihre Fahrt. Die Fahrer schauen betroffen aus dem Fenster.

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Quelle: Privat

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Zuletzt hatten sich viele Schwabinger ungeduldig und auch ungehalten gezeigt, dass sich die Geschichte mit dem Denkmal für Helmut Dietl so lange hinzieht. Doch nun hat der Stadtrat alle Hindernisse aus dem Weg geräumt, der Bildhauer Nikolai Tregor quasi synchron den Vertrag unterzeichnet. Und damit deutlich wird, dass das Hin und Her um diese Plastik zu Ehren des Autors und Regisseurs bald ein glückliches Ende findet, hat der Künstler jetzt ein sichtbares Zeichen gesetzt: Ein Schattenriss des zu Ehrenden, gefertigt aus Plastikplatten, neben dem Monument für Helmut Fischer in seiner Rolle als Monaco Franze, soll zeigen: "Ich bin bald da", wie es Tregor formuliert. Im Laufe des Februar 2020 soll die Dietl-Bronze fertig sein, etwa 2,5 Meter groß, gut 400 Kilo schwer. Sie wird jedoch nicht stehen, sondern sitzen, gegenüber der Monaco-Plastik - ganz so wie die beiden Freunde zu Lebzeiten oft heiter im Café Münchner Freiheit zusammensaßen.

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Quelle: Robert Haas

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Er ist wieder da, der Weihnachtsbaum auf dem Marienplatz. In den frühen Morgenstunden wird das diesjährige Exemplar aufgestellt. Zwar hat die Stadt eine gewisse Routine, weil jedes Jahr ein Weihnachtsbaum benötigt wird. Doch routinemäßig geht dabei etwas schief: In diesem Jahr brach die Spitze der ursprünglich für den Marienplatz vorgesehenen Fichte beim Verladen ab.

CBA_Arbeitsmodell

Quelle: Clemens Bachmann Architekten

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So kann es aussehen, wenn ein Architekt eine Ausstellung konzipiert: Das Foto zeigt ein Arbeitsmodell für einen Geschäftsraum im Motorama an der Rosenheimer Straße 30. Der Raum wird aktuell nach diesem Modell eingerichtet und hier soll am Freitag, 15. November, eine Ausstellung zur Gestaltung des Interim-Gasteigs eröffnet werden. Der Gasteig liegt gegenüber auf der anderen Straßenseite und muss saniert werden, sprich: Europas größtes Kulturzentrum mit Philharmonie, Musikhochschule und Volkshochschule muss fünf Jahre lang woanders unterkommen. Für diese Zwischennutzung wird das Kreativzentrum an der Hans-Preißinger-Straße in Sendling für 90 Millionen Euro umgebaut. Doch nicht alles findet am Flaucher Platz: Im Motorama soll ein Teil der Gasteig-Stadtbibliothek unterkommen, nach Stand der Dinge in erster Linie die Kinder- und Jugendbücherei. Die Ausstellung ist eine erste Veranstaltung in den erneuerten Motorama-Räumen. Hier geht es dann auch um die HP 8, die Kreativszene an der Hans-Preißinger-Straße und den Kampf um ihre Werkstätten und Ateliers, um die Befürchtung, von dort durch den Einzug des Kulturzentrums vertrieben zu werden. Der Architekt des Motorama-Umbaus für die Bibliothek, Clemens Bachmann, ist selbst Teil der HP 8. Er hat damals ein Konzept erarbeitet, sodass ein Großteil der Kreativen bleiben konnte. Die Ausstellung ist bis Ende Januar bei freiem Eintritt werktags von 11 bis 18.30 Uhr zu besichtigen.

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Quelle: Robert Haas

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Auf dem Königsplatz kam am Freitag eine Runde zusammen, die sonst kaum am gleichen Ort zu finden ist, und teils nicht einmal in der gleichen Klimazone. Gesichtet wurden unter anderem drei Giraffen, zwei Pinguine, ein Papagei, ein Zebra, ein Eisbär und ein Krokodil. Nun könnte man vermuten, dass die Tiere wieder einmal zur großen Konferenz für den Weltfrieden zusammenkamen, wie schon von Erich Kästner beschrieben, doch den animalischen Vertretern ging es um eine andere, nicht minder wichtige Sache. Um den Klimaschutz, und damit eng verbunden um den Erhalt ihres eigenen Lebens.

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Quelle: Robert Haas

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Die Aktivistinnen und Aktivisten von Fridays for Future hatten an Allerheilgen, das dieses Jahr auf einen Freitag gefallen ist, dazu aufgerufen, sich ausnahmsweise einmal als Tier zu verkleiden, um auf das Artensterben aufmerksam zu machen. Und so sprach auf dem Podium diesmal ein Panda: "Wir müssen daran arbeiten, Lebensräume zu erhalten statt sie zu zerstören", sagt dieser.

Fridays for Future auf dem Münchner Königsplatz, 2019

Quelle: Robert Haas

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Insgesamt kamen an diesem ersten Freitag im November nur ein paar hundert Menschen und Tiere auf den Königsplatz, wahrscheinlich war es manchem zu kalt. Für Freitag, 29. November, ruft Fridays for Future wieder zu einem großen Klimastreik auf.

Kaltes Herz

Quelle: Veranstalter/oh

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Peter Munk führt im Schwarzwald die Köhlerei seines verstorbenen Vaters, ist aber mit dieser dreckigen, harten Arbeit sehr unzufrieden. Er will unbedingt reich und angesehen sein. Und zwar schnell und ohne Anstrengung. Da erfährt er, dass es im Schwarzwald einen Waldgeist mit dem sprechendem Namen "Schatzhauser" geben soll. Dieser erfüllt jedem, der wie Peter Munk an einem Sonntag zwischen elf und zwei Uhr geboren ist, drei Wünsche. Bald geht Peter einen diabolischen Handel ein und gerät in eine verzweifelte Situation. Die Märchenerzählung "Das kalte Herz" von Wilhelm Hauff, jene Parabel über Gier und Gewinnstreben aus dem Jahr 1927, ist in der ersten Novemberwoche als musikalische Eigenproduktion der "Pasinger Fabrikspatzen" zu erleben im Feststaal des Künstlerhauses am Lenbachplatz, unter der Leitung von Nina Rausch.

Futterstation mit futterndem Eichhörnchen - fotografiert durch ein Fenster der SZ-Redaktion.

Quelle: Stefan Salger/oh

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"Diebstahl!", möchte man rufen, wenn man dem kleinen Nager zusieht. Das Eichhörnchen nestelt erwartungsvoll an der Futterstation, die eigentlich für die Vögel gedacht ist. Anscheinend lässt sich das Tier auf kulinarische Experimente ein: Sonnenblumenkerne. Aufgenommen wurde das Bild von einem Kollegen aus der Redaktion in Fürstenfeldbruck. Der Duden definiert einen Dieb übrigens wie folgt: "jemand, der fremdes Eigentum heimlich entwendet". Ganz klar, das linke Tier macht etwas Unerhörtes. Vor Gericht belangen wird den Nager aber wohl niemand.

© SZ.de/flud/pvn/anh/by/cro/amm
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