Band der Woche:So viel Wut, so viel Trauer

Lesezeit: 2 min

Band der Woche: Mit fünf war Mia Cerno auf ihrem ersten Rockkonzert. Schon damals hat sie sich vorgenommen, selbst Musikerin zu werden.

Mit fünf war Mia Cerno auf ihrem ersten Rockkonzert. Schon damals hat sie sich vorgenommen, selbst Musikerin zu werden.

(Foto: Mia Cerno)

Mit ihrem vielfältigen Stimmrepertoire transportiert Mia Cerno jede Menge Gefühl. Kein Wunder, die 17-Jährige singt über eine unerwiderte Liebe.

Von Clara Löffler, München

Mia Cernos erste große Liebe waren die Fleet Foxes. Damals war sie fünf Jahre alt und auf ihrem ersten Rockkonzert. Besonders der Schlagzeuger mit den langen Haaren und der Sonnenbrille hatte es der heute 17-Jährigen angetan, und so fing sie selbst mit der Musik an. 2016 gewann sie den Bundeswettbewerb "Jugend Musiziert" für Percussion. Doch an der Spitze ist es manchmal einsam, besonders als Frau. Zwar wurde Mia zunächst von einer Schlagzeuglehrerin unterrichtet, doch unter den Schülern an der Musikschule war sie das einzige Mädchen. "Früher habe ich das genossen, weil ich gerne im Mittelpunkt stehe." Traf sie in der Musikbranche doch mal auf eine andere weibliche Person, nahm sie diese als Konkurrenz war. Das will Mia jetzt ändern und wird deshalb bei ihrem nächsten Auftritt mit einer Bassistin auf der Bühne stehen.

Oft verspüre sie als Frau den Druck, ein bestimmtes Image zu vermitteln. Vor allem Äußerlichkeiten stünden dabei im Vordergrund. "Vor einem Jahr dachte ich noch, ich darf nicht veröffentlichen, bis ich genau weiß, wer ich bin." Solche Worte mögen überraschen, kommen sie aus dem Mund einer Person, die so viel Selbstbewusstsein ausstrahlt wie nur wenige in ihrem Alter. Mit den schwarz geschminkten Augen und der schwarzen Kleidung wirkt Mia, als würde sie längst ihr eigenes Ding durchziehen. So präsentiert sie sich auch auf dem Cover ihrer ersten Single "Oh Boy", die am 10. Oktober erschienen ist. Entstanden ist die Rockballade bereits 2019, als sie mit 14 Jahren das erste Mal im Studio war. Nicht nur der Text stammt aus ihrer eigenen Feder, auch Bass und Klavier hat sie selbst eingespielt, nur das Gitarrensolo nicht. Durch den minimalen Einsatz von Instrumenten wird Mias Stimme maximal in den Vordergrund gestellt. Mit ihrem vielfältigen Stimmrepertoire transportiert sie gleichzeitig jede Menge Gefühl. Die ganze Wut und Trauer über eine unerwiderte Liebe singt sie sich von der Seele.

Um Herzschmerz wird es auch in ihren nächsten zwei Singles gehen, eine davon wurde bei den Berliner Festspielen ausgezeichnet. Noch dieses Jahr soll ein ganzes Album folgen, in dem sie persönliche Erlebnisse verarbeitet. Dass sie sich damit im Singer-Songwriter-Genre bewegt, wollte sie lange nicht akzeptieren. "Ich muss dabei immer an einen Straßenmusiker mit Akustikgitarre denken, der mit seinem Notenblättchen am Bahnhof sitzt. Viele kommerziell erfolgreiche Sänger schreiben ihre Songs nicht selbst." Doch mittlerweile musiziert sie selbst auf der Straße und verdient damit sogar "eine Menge Geld".

Nach ihrem Abitur will sie sich an der Popakademie in Mannheim bewerben. Doch davor wird sie ein Jahr frei machen, sich vielleicht bei "Musiker ohne Grenzen" engagieren. Genau weiß sie das noch nicht. Doch eines ist sicher: Verbiegen lassen, um in irgendeine Schublade zu passen, wird sie sich nie.

Mia Cerno

  • Stil: Pop-Rock, Indie, Singer-Songwriter
  • Besetzung: Mia Cerno
  • Aus: München
  • Seit: 2021
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